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60 Jahre Architektur: Rückblick und Ausblick mit Tobias Wulf

In sechs Jahrzehnten hat sich das Verständnis von Architektur maßgeblich verändert. Das 60-jährige Jubiläum von Detail nehmen wir zum Anlass, mit Tobias Wulf von Wulf Architekten die Vergangenheit zu resümieren und in die Zukunft zu blicken.

Was haben uns die 60er-Jahre hinterlassen?
Viele Gebäude der 60er-Jahre strahlen noch heute eine klare, unkomplizierte Einfachheit aus. So erinnere ich mich gerne an die moderne Wohnsiedlung aus sandfarbenem Backstein, in der ich meine Kindheit verbrachte – damals noch etwas kahl, heute hoch eingewachsen. Planen und Bauen war einfacher als heute und ohne viele Auflagen möglich. Unter heutigen Lastannahmen und Brandschutzanforderungen wäre die Architektur der 60er-Jahre kaum denkbar.

Wo steht die Architektur in 60 Jahren?
In 60 Jahren werden wir vermutlich ausschließlich reproduzierbare Baustoffe verwenden und uns wird immer und überall eine kollektive Mobilität ohne Emissionen zur Verfügung stehen. Politische und klimatische Extreme werden dazu beitragen, dass wir uns auf dem gesamten Erdball so verhalten, dass wir ihn noch lange unter menschengerechten Bedingungen bewohnen können. Dazu wird es immer kreative und verantwortungsbewusste Architekten brauchen.

Wann sind Sie Detail zum ersten Mal begegnet?
Das war vor 45 Jahren bei meinem ersten größeren Studienprojekt an der Universität Stuttgart. Da unser Professor Peter C. von Seidlein großen Wert auf die baukonstruktive Durcharbeitung legte, haben wir Detail gerne zu Rate gezogen. Seitdem lese ich die Detail und habe sie seit Jahrzehnten abonniert.

Welche persönlichen Erinnerungen haben Sie an Detail?
Zu Beginn meiner beruflichen Selbständigkeit 1987/88 war der Detail-Redakteur Frank Kaltenbach als studentischer Mitarbeiter in meinem Büro beschäftigt. Wir haben bleibende gemeinsame Erinnerungen, zum Beispiel an den nächtlichen Modellbau für einen großen internationalen Wettbewerb in Den Haag. Morgens gegen 6.30 Uhr war das Modell fertig, aber beim Transport zum Auto wäre es beinahe abgestürzt. Noch dazu schien die Sonne bei der siebenstündigen Autofahrt auf das Modell und führte zu einer starken Verformung...

Was ist Ihr persönlicher Wunsch an Detail?
Ich wünsche mir und meinen Nachkommen, dass es Detail im Jahr 2080 immer noch gibt. Und dass Sie, liebe Redaktion, die Entwicklungen und Tendenzen im Architekturgeschehen weiterhin wachsam aufspüren und dokumentieren.

Tobias Wulf, Jahrgang 1956, studierte an der Universität Stuttgart, bevor er nach einigen Jahren Berufspraxis 1987 sein eigenes Büro gründete. Heute führt er es gemeinsam mit Jan-Michael Kallfaß, Ingmar Menzer und Steffen Vogt. An den Standorten in Stuttgart, Berlin und Basel sind rund 120 Mitarbeiter tätig. Zu den Schlüsselwerken von Wulf Architekten zählen die mehrfach ausgezeichneten Projekte adidas Factory Outlet in Herzogenaurach (2003), Messe Stuttgart (2007), Landesamt für Finanzen in Landshut (2011) sowie vier Grundschulen in modularer Bauweise in München (2017). Seit 1991 ist Tobias Wulf Professor an der HFT Stuttgart für Baukonstruktion und Entwerfen.

Rückblick und Ausblick mit Tobias Wulf, Foto: Göran Gnaudschun
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
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