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JUNG, Architekturgespräch, Weimar, Bauhaus

»100 Jahre Bauhaus: 14. JUNG Architekturgespräche in Weimar« – Nachbericht

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses fanden die 14. JUNG Architekturgespräche am 31. Januar 2019 erstmalig in Weimar statt. Spela Videcnik (OFIS, Ljubljana/Paris), Werner Frosch (Henning Larsen, Kopenhagen/München) und Prof. José Gutierrez Marquez (Bruno Fioretti Marquez, Berlin) berichteten über ihre ganz persönliche Beziehung zum Bauhaus und den Parallelen zu ihren eigenen Projekten.

Durch den Abend führte Dr. Sandra Hofmeister, Chefredakteurin der DETAIL und Herausgeberin des Buches »Mein Bauhaus«, in dem 100 Architektinnen und Architekten ihre persönliche Assoziation mit dem Bauhaus darstellen. Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit der DETAIL organisiert und die Publikation »Mein Bauhaus« in Weimar erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert.

Die in der Edition DETAIL erschienene Publikation »My Bauhaus / Mein Bauhaus« ist hier, über den DETAIL Online Shop, erhältlich.

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10 Fragen an Sandra Hofmeister - Oder wie Sandra Hofmeister mit den Schattenseiten des Bauhauses umgeht

1. Gute Architektur sollte …
… experimentell sein.

2. Architekten sollten …
… den Wunsch haben Neues auszuprobieren und zu entdecken.

3. Gibt es Gebäude, die bei Ihnen eine besondere Leidenschaft auslösen?
Ja. Das sind beispielsweise Bauhausgebäude und im Speziellen die Meistervillen in Dessau. Die alten Meisterhäuser sowie die Neuen und auch die kritisch rekonstruierten begeistern mich.

4. Wovon lassen Sie sich inspirieren?
Von Büchern, Ideen, Aufsätzen, Menschen, Worten, Atmosphären … Das ist ganz unterschiedlich.

5. Was war Ihr bislang größter Erfolg?
Mein größter Erfolg ist, dass ich es geschafft habe, meine Promotion fertigzustellen, in der Zeit zwei Töchter zu bekommen und voll berufstätig zu sein.

6. Was bedeutet für Sie Zuhause?
Zuhause ist immer da, wo man sich wohlfühlt.

7. Welches Ihrer Projekte liegt Ihnen besonders am Herzen?
Das ist sehr schwierig, weil ich so viele Buchprojekte habe. Ich habe immer wieder ein neues Buch, das mir am Herzen liegt. Insgesamt liegen mir aber die Bücher am Herzen, bei denen die Autoren und Verlage etwas Neues ausprobieren und sich etwas trauen. Die über die Grenzen hinausgehen. Das ist mir wichtig.

8. Was verbindet Sie mit dem Bauhaus? Welche Parallelen sehen Sie in Ihrer Arbeit?
Das Bauhaus war eine Experimentierbühne für sehr viele und für sehr unterschiedliche und auch konträre Ideen. Es wurde viel ausprobiert, viel gewagt und das ist ein Leitfaden, den ich auch für meine Arbeit wichtig finde. Das es auch Schattenseiten gibt beim Bauhaus, war mir am Anfang nicht so klar, aber wird mir jetzt mit der Zeit immer klarer. Wenn man diese erkennt, kann man sich aber auch kritisch damit auseinandersetzen und drüber hinwegsetzen.

9. Was raten Sie jungen Architekten?
Sie sollen versuchen ihren eigenen Weg zu gehen und sich nicht zu stark beeinflussen lassen.

10. Wenn Sie nicht Architekturjournalistin geworden wären, was wären Sie heute?
Schwierig. Vielleicht wäre ich Buchverkäuferin oder Künstlerin. Mich interessieren ganz viele Dinge. Ich müsste nicht unbedingt den Job machen, den ich mache. Ich könnte mich auch in ganz vielen anderen Sachen wiederfinden.


100 Jahre Bauhaus – 60 Jahre Henning Larsen
Der dänische Lebensstil zeichnet sich in jeder Hinsicht durch Design aus: Wohnungen, Produkte, ganze Städte, Verkehrswege sowie die Kommunikation – das komplette dänische Leben ist durchdesignt und so auch die Arbeitswelt. Kreatives, kritisches Denken gehört in Dänemark bereits zum Lehrplan in der Grundschule und darauf muss auch die Architektur im Bereich der Bildungsbauten reagieren, wie bei dem Projekt Frederiksbjerg skole in Arhus, bei der die Architektur das interdisziplinäre, offene Bildungssystem fördert und das kommunikative Lehrkonzept unterstützt. Anhand dieses Projektes zeigte Werner Frosch wie die Tradition des Bauhauses bei Henning Larsen weitergeführt wird und die Ideologien in der täglichen interdisziplinären Arbeit wiederzufinden sind.


9 Fragen an Werner Frosch - Oder warum es für Werner Frosch der größte Erfolg ist, wenn der Nutzer glücklich ist

1. Gute Architektur sollte …
… begeistern können und mehr als nur die Erfüllung eines Raumprogramms schaffen.

2. Architekten sollten …
… manchmal ein bisschen mutiger sein.

3. Gibt es Gebäude, die bei Ihnen eine besondere Leidenschaft auslösen?
Es gibt Gebäude, die mich berühren. Seit Beginn des Studiums habe ich über Studienreisen viele Gebäude besucht und es gibt immer wieder Bauten, bei denen ich innehalte und mich über die Qualitäten freue, die man erst vor Ort wirklich erlebt. Das ist etwas Besonderes.

4. Was war Ihr bislang größter Erfolg?
Es ist immer ein großer Erfolg zu sehen, wenn die Nutzer glücklich mit ihrem Gebäude sind. Es macht Spaß, wenn man nach einiger Zeit seine Architektur besucht und sieht, dass die Gebäude von den Menschen genutzt, bespielt, angeeignet werden und sie sich darin wohlfühlen.

5. Welche Rolle spielen für Sie Wettbewerbe?
Wettbewerbe sind wichtig. Wir sind ein Architekturbüro, das über Wettbewerbe groß geworden ist. Wir nehmen an wahnsinnig vielen Wettbewerben teil und ich sehe auch die Notwendigkeit von Wettbewerben. Die Frage ist für mich eher, was wir unter Wettbewerben verstehen und was dahinter steht.

6. Welches Projekt steht bei Ihnen als nächstes an? Woran arbeiten Sie gerade?
Wir haben verschiedene Projekte in der Ausführung und kurz vor Fertigstellung. In Deutschland ist das beispielsweise das Fraunhofer Institut in Augsburg und die Architekturfakultät in Regensburg. Das sind beides sehr schöne Projekte und ich freue mich darauf, sie bald fertig zu sehen.

7. Wo würden Sie am liebsten wohnen?
Ich hatte die Möglichkeit, sowohl in Kopenhagen, als auch in meiner Heimatstadt München zu wohnen und zu arbeiten. Beide Städte haben so viel Positives, dass ich mich nicht entscheiden kann, wo ich am liebsten wohnen würde. Es hat jetzt München getroffen, aber es hätte genauso gut Kopenhagen sein können.

8. Was raten Sie jungen Architekten?
Junge Architekten sollten sich – gerade wenn es um Wettbewerbe geht – frühzeitig mit etablierten Büros zusammenschließen, um dort Wettbewerbserfolge zu verzeichnen und so etwas für ihr eigenes Portfolio zu erhalten. Als Einzelkämpfer über Wettbewerbe groß zu werden ist ungeheuer schwierig.

9. Wenn Sie nicht Architekt geworden wären, was wären Sie heute?
Im Nachhinein hätte ich wohl Jura studieren müssen, denn die Architektur ist so juristisch geworden. Ich bereue meine Entscheidung aber nicht. Ich würde es genauso wieder machen.


Lehre nach Walter Gropius
Spela Videcniks Beziehung zum Bauhaus entwickelte sich schon sehr früh durch die traditionelle, vom Bauhaus geprägte Architekturausbildung in Ljubljana. Dieses Erbe trägt sie mit Stolz in ihre eigene Lehrtätigkeit an der Harvard GSD – die ohnehin auch heute noch durch Walter Gropius (1937-52 lehrte Gropius in Harvard) geprägt ist – weiter. Sie präsentierte neben eigenen Projekten, wie einem Studentenwohnheim in Paris und einem Stadion im weißrussischen Borisov auch Studentenarbeiten, bei denen auf minimalem Raum höchste Qualität umgesetzt wurde. Die Schutzhütten in den Alpen beispielsweise wurden vom ersten Entwurf über die maschinelle Vorfertigung bis hin zum Aufbau auf der Bergspitze von den Studenten geplant und betreut.


10 Fragen an Spela Videcnik - Oder warum Spela Videcnik sowohl früher als auch heute durch das Bauhaus geprägt wird

1. Gute Architektur sollte …
Vielleicht klingt es altmodisch, aber Architektur ist für mich immer noch die Gestaltung von Raum und somit sollte gute Architektur den Innen- und Außenraum sowie die Beziehung zueinander gestalten.

2. Architekten sollten …
… sich für ihre Umwelt verantwortlich zeichnen. Sowohl die Architekten als auch die Bauherren sind dafür verantwortlich, schöne und ressourcenschonende Architektur im Kontext der Natur zu entwickeln.

3. Gibt es Gebäude, die bei Ihnen eine besondere Leidenschaft auslösen?
Auf jeden Fall gibt es die. Für mich ist das vor allem jede Art von Lebens- bzw. Wohnräumen im Umfeld verschiedenster Umgebungen unabhängig des Maßstabs.

4. Wovon lassen Sie sich inspirieren?
Kunst und Natur.

5. Was war Ihr bislang größter Erfolg?
Das sind meine drei Kinder.

6. Was bedeutet für Sie Zuhause?
Zuhause ist für mich eine Art Kokon. – Eine Schutzhülle, in der man sich geborgen fühlt, ganz abseits der stressigen Welt außen herum.

7. Welches Ihrer Projekte liegt Ihnen besonders am Herzen?
Das sind drei ganz unterschiedliche Projekte: Ein gerade fertiggestelltes Lieblingsprojekte ist das glass house in the desert in Spanien. Das komplette Gegenteil davon ist das football stadium FC Bate in Weißrussland und als Wohnprojekt liegt mir das Projekt basket apartments in Frankreich sehr am Herzen.

8. Was verbindet Sie mit dem Bauhaus? Welche Parallelen sehen Sie in Ihrer Arbeit?
Das Thema Bauhaus hat mich bereits während des Architekturstudiums in Ljubljana beschäftigt. Dort wurden wir im Sinne des Bauhauses gelehrt. Aber auch durch meinen Lehrauftrag in Harvared gibt es für mich ganz neue Beziehungen zum Bauhaus. Die Lehre dort wurde stark durch Walter Gropius geprägt. Das wirkt sich sehr stark auf unsere Methoden in der Lehre aus. Es gibt also zwei Parallelen in meiner Arbeit, eine ganz frühe und eine sehr junge.

9. Was raten Sie jungen Architekten?
Sie müssen einfach mutig sein und für das kämpfen, was ihnen wichtig ist.

10. Wenn Sie nicht Architektin geworden wären, was wären Sie heute?
Vielleicht wäre ich Köchin oder Modedesignerin.


Gropius Rekonstruktion
Wie kein anderes zeitgenössisches Architekturbüro ist Bruno Fioretti Marquez mit dem Bauhaus verbunden. Durch die Rekonstruktion der Meisterhäuser in Dessau traten sie direkt in Gropius Fußstapfen. Keine leichte Aufgabe, wie Prof. José Gutierrez Marquez in seinem Vortrag erläuterte. Es sollte keine Kopie der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Villen entstehen, sondern die Grundgedanken aufgenommen und in die heutige Zeit transformiert werden. Nur durch das Aufgreifen der äußeren Form und die gezielte Reduktion auf das Wesentliche ist es ihnen gelungen, ein dem Gropiusbau ebenbürtiges Gesamtkunstwerk zu erschaffen.

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