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Abstrakter Turm in Gold - Stadtbibliothek Luckenwalde

Stadtbiliothek Luckenwalde von FF Architekten
Foto: Andreas Meichsner, Berlin

Im brandenburgischen Luckenwalde, etwa 50 km südlich von Berlin, entstand im Rahmen einer umfangreichen Sanierung und Neugestaltung des ehemaligen Bahnhofs ein Anbau, der nicht nur unter städtebaulichen Gesichtspunkten ein markantes Zeichen setzt. Hinter der Fassade aus golden glänzendem »Tecu® Gold« befindet sich der Kinder- und Jugendbereich des jetzt als Stadtbibliothek genutzten Gebäudeensembles. Als einzige deutsche Kleinstadt ist es der Stadt Luckenwalde gelungen, in das URBAN-Förderprogramm der Europäischen Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Somit konnte die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern mit den dadurch verfügbaren Mitteln zahlreiche Projekte in der Stadt verwirklichen. Die Umgestaltung des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes zur Stadtbibliothek war das größte dieser Urban-Projekte. Mit dem Konzept für dieses Vorhaben konnte auch der Fluss zusätzlicher Fördermittel von Land und Bund angeregt werden.

Stadtbiliothek Luckenwalde von FF Architekten
Foto: Andreas Meichsner, Berlin

Vor Beginn der Umgestaltungsmaßnahmen hatte der mit langjährigem Leerstand einhergegangene starke Verfall bereits merklich auf das städtische Umfeld übergegriffen. In stadtplanerischer Hinsicht war also nicht nur ein geschütztes Baudenkmal zu retten, sondern die Reanimation eines zentralen Orts des öffentlichen städtischen Lebens zu verwirklichen. Deshalb entschied man sich dazu, die in wenig attraktiven und engen Räumen untergebrachte Stadtbibliothek in den ehemaligen Bahnhof zu verlagern.

 

Sanierung und Umbau zur Stadtbibliothek wurden vom Architektenteam ARGE WFF aus Berlin nach gewonnenem Wettbewerb realisiert. Mit dem neuen Anbau der Kinder- und Jugendbibliothek entstand dabei zugleich eine selbstbewusste Ortsmarke wie ein gelungener Abschluss des sanierten Gebäudeensembles. Der in zwei Achsen verkippte, allseitig mit golden glänzenden Tecu-Gold-Schindeln bekleidete Baukörper schafft eine neue räumliche Situation auf dem Bahnhofsplatz und schiebt sich beeindruckend in den Sichtbereich der angrenzenden Käthe-Kollwitz-Straße, die den Bahnhof mit der Innenstadt verbindet. Der Anbau setzt ein unübersehbares Zeichen für die neue Funktion des ehemaligen Bahnhofs: Wie eine überdimensionale Vitrine steht er im öffentlichen Raum der Stadt.

Stadtbiliothek Luckenwalde von FF Architekten
Foto: Andreas Meichsner, Berlin

Die bauliche Erweiterung sollte nach Auffassung der Architekten von Anfang an als abstrakte Plastik realisiert werden. Als Gebäudehaut wurde nach einer homogenen Oberfläche gesucht, die diese Abstraktion unterstützt und dabei eine ästhetische Beziehung zur Putzfassade des renovierten Altbaus herstellt. Die Schindeln der Marke Tecu Gold, einer Kupfer-Aluminium-Legierung des Herstellers KME, erwiesen sich als ideale Lösung für die allseitige Bekleidung.

Ein ganz wesentlicher Aspekt dieses Fassadenwerkstoffs – neben seiner Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit – ist dessen Eigenschaft, je nach Licht und Wetter unterschiedliche Erscheinungsbilder zu erzeugen. Bedingt durch die reflektierende Oberfläche und die unterschiedlichen Neigungen des Baukörpers entstehen so je nach Tageszeit sehr unterschiedliche Atmosphären und Stimmungen. Eine ähnliche Wirkung verspricht die ständige Bewitterung des Materials: Die Oberflächen werden sich im Laufe der Zeit je nach Neigungsgrad verändern, das Gebäude wird so eine sehr individuelle und lebendige Außenhaut entwickeln.

Wesentliches Ziel der Fügung der Metallfassade war es, den verkippten Baukörper mit einer Haut kontinuierlich, homogen und scharfkantig zu umhüllen, ohne der Kubatur dabei eine Ordnung zu verleihen. Die schuppenartige Schindelbekleidung wickelt sich um die Ecken des Baukörpers und verändert durch die Geometrie der verkippten Flächen ihren Anordnungswinkel auf jeder Fassadenseite ohne durchlaufende Richtung. Die Glasöffnungen folgen der gleichen Logik der Detaillierung: Sie sind nicht als Öffnungen, sondern als Fortsetzung der Haut konzipiert. Nach außen flächenbündig zur Schindelbekleidung liegen sie an der Oberfläche und stoßen unmittelbar an die Kanten des Baukörpers. Die tragende Konst¬ruktion wird von goldfarbenen ESG-Scheiben auf Glasgranulatplatten verdeckt, während zum Teil auch die Isolierverglasung die goldene Farbe durch ein innen liegendes goldfarbenes Metallgewebe aufnimmt.

Eine wesentliche Voraussetzung für die angemessene Nutzung der neuen Bibliothek war eine bauliche Eigenständigkeit, die aufgrund der Verbindung des Bahnhofsgebäudes mit dem Bahndamm nicht gegeben war. Mit dem Abbruch der verbindenden Anbauten wurde eine neue Erschließung der Bahnsteige und damit eine autonome Positionierung der Bibliothek geschaffen. Die unter den Maßgaben der Denkmalpflege sanierten Räume dienen heute den klassischen Bibliotheksnutzungen.

Die ehemalige Bahnhofshalle ist jetzt der zentrale Ort der Bibliothek: Ständer mit aktuellen Zeitschriften, themenbezogene Büchertische, eine Cafébar – Referenzen an die ursprüngliche Nutzung der Halle, die bei Bedarf für Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen bestuhlt werden kann. Die Kernbereiche der Bibliothek haben in den ehemaligen Wartesälen ein angemessenes Ambiente gefunden. Für den Bereich Kinder- und Jugendbibliothek wurden mit dem Anbau besondere Innenräume geschaffen. Mit seiner an eine moderne Lounge erinnernden Gestaltung setzt er sich bewusst vom sonstigen Raumgefüge der Bibliothek ab und lädt ein zur individuellen Nutzung der verfügbaren medialen Möglichkeiten.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 7+8/2009

Bauen mit Glas

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