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Foto: Berger & Berger

Abstraktion trifft Historie: Collection Lambert in Avignon

Zwischen maximalem Kontrast und behutsamem „Weiterbauen“ gibt es viele Möglichkeiten, historische Baudenkmäler zu erweitern. Bei der Collection Lambert im südfranzösischen Avignon entschieden sich Berger & Berger für die Kontrastvariante. Sie griffen jedoch nicht zu den sonst üblichen Mitteln wie Glas, Stahl und Sichtbeton, die viele von der Charta von Venedig inspirierte Anbauten sonst auszeichnen. Stattdessen erhielten die fensterlosen Anbauten eine großformatige Fassadenverkleidung aus weißem Marmor. Auch in den Innenräumen dominiert Weiß – nicht zuletzt in Form des Weißbetons, der einen Zuschlag aus Marmorkies erhielt.

2000 hatte der Galerist Yvon Lambert seine Kunstsammlung im Hôtel de Caumont in Avignon erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 2012 vermachte er die 556 Werke aus dem Bereich des Minimalismus und der Konzeptkunst dem französischen Staat. Der nahm die Schenkung zum Anlass, das Museum um das benachbarte Hôtel de Montfaucon – und damit auf das Doppelte seiner ursprünglichen Fläche – zu erweitern.

Die beiden ehemaligen Adelssitze aus dem späteren 18. Jahrhundert tragen die typischen Züge französischer „hôtels particuliers“: Es sind zweigeschossige Bauten mit verputzten klassizistischen Fassaden, die von der Straße etwas zurückgesetzt stehen, sodass jeder von ihnen über einen repräsentativen Vorhof und einen privateren Garten (Letzteren auf der Gebäuderückseite) verfügt.

Halbmond-Treppe unter Vollmond-Oberlicht

Die wesentliche Aufgabe der Architekten lautete, die ehemals getrennten Gebäude zu einem einzigen Ausstellungsrundgang zu verbinden und überdies in den Innenhöfen Anbauten für diejenigen Werke zu schaffen, die für die historischen Räume zu groß waren. Als „Scharnier“ zwischen den beiden Gebäuden – und den unterschiedlichen Geschossen – fungiert ein neues Atrium, dessen fensterlose, marmorverkleidete Außenwand wie ein Schiffsbug auf den Vorplatz des Museums ragt. Im Inneren führt eine halbkreisförmige Treppe ins Obergeschoss, die von oben durch einen stattliche vier Meter messenden Okulus mit Licht versorgt sind. Die Innenwandverkleidung aus Betonfertigteilen mit Marmorzuschlag korrespondiert mit der äußerem Wandverkleidung, für die die Architekten großformatige Marmorplatten wählten.

Die Materialwahl folgte dem Wunsch nach Abstraktion und möglichst hoher Lichtreflexion. Weiße Wände, Böden und Decken bilden auch in den Ausstellungssälen einen neutralen Hintergrund für die ausgestellten Werke. Lediglich die Lichtquellen und –stimmungen sind immer wieder andere. Teils hängen nackte Leuchstofflampen an den Decken, teils wurden flächige Lichtdecken in den Räumen montiert. Vor allem in dem 400 m2 großen, L-förmigen Saal im ersten Obergeschoss fällt überdies Tageslicht durch die bodentiefen Fenster herein. Der neu errichtete, 5,5 Meter hohe Saal im Innenhof des Hôtel de Montfaucon erhielt eine kassettierte Tageslichtdecke, deren Oberlichter so konzipiert wurden, dass kein direktes Licht auf die Wände gelangt. Bei Bedarf lassen sich die Öffnungen auch komplett verschließen, sodass der Raum nur noch künstlich beleuchtet wird.

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weitere Informationen:

Architekten: Berger & Berger
Mitarbeiter:
Nina Baniahmad, Luke Gleeson, Théo Vachon, Jean-Benoit Vétillard, Christine Schmückle-Mollard

Tragwerksplaner: Bollinger + Grohmann
TGA-Planung:
INEX
Kostenplanung:
VPEAS
Lichtplanung:
Reflexion AG, Zürich
Ausstellungsgestaltung:
Ducks sceno
Akustik:
J-P. Lamoureux

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