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Ästhetische Lösung für Sitzungssaal in denkmalgeschütztem Haus in Moosburg

Neubau als Ersatz für das historische »Feyerabendhaus« in Moosburg an der Isar
Foto: Stefan Müller-Naumann, D–München

In Moosburg an der Isar ersetzt ein Neubau das »Feyerabendhaus« aus dem Jahr 1865,  in dem einst Georg Hummel wohnte, der Erfinder des Stromzählers. Dabei sahen die Vorgaben des Denkmalschutzes vor, dass Fassade und Kubatur dem Original entsprechen müssen. Der Neubau soll künftig als Erweiterungsbau des benachbarten Rathauses genutzt werden.

Das Büro Peter Schwinde, München, unter der Projektleitung von Robert Kürz, hatte beim Realisierungswettbewerb den 3. Platz belegt, wurde aber nach einer Überarbeitung mit Bürgerbeteiligung mit der Planung und Ausführung betraut. Zusätzlicher Inhalt der Wettbewerbsaufgabe war es, einen barrierefrei erschließbaren Sitzungssaal im Gebäude zu integrieren. Dies lösten die planeneden Architekten durch den Ausbau des Dachgeschosses.

Prägender Entwurfsgedanke dabei war die Einhaltung der Maßstäblichkeit des Gebäudes im städtebaulichen Kontext durch die Ausbildung einer der Umgebungsbebauung entsprechenden Dachform in einer in Material und Farbigkeit anmutenden und zudem bekannten Ziegelarchitektur, bei gleichzeitiger großflächiger Belichtung des frei tragenden Dachraums.

Der Ersatzbau für das Feyerabendhaus ergänzt das Ensemble am Stadtplatz mit besonderem Bezug zum gegenüberliegenden Rathaus, und erhält so im Kontext die historische Struktur: Die Gebäudehöhe ist definiert; ebenso stadtbildprägend war auch die ruhige Dachform des Originalgebäudes und wurde entsprechend neu interpretiert.

Die Lamellen aus Ziegel-Baguettes wirken von unten wie ein geschlossenes Dach.
Foto: Stefan Müller-Naumann, D–München

Durch die optimierte Ausnutzung des Grundstücks ist ein polygonaler, dreigeschossiger Baukörper mit einem geneigtem Dach an der Gebäudeecke zur Georg-Hummel-Straße entstanden. Den Bezug zum Rathaus trägt auch die Gebäudeerschließung Rechnung. So werden die drei Geschosse über eine geradlinig geführte Treppe erreicht, die durch besondere Lichtführung und Ausblicke auf den Stadtplatz von Moosburg beindruckt. Im Erdgeschoss des neuen Gebäudes sind großzügig nutzbare Ladenflächen entstanden. Die übrigen Stockwerke dienen der Rathauserweiterung: flexibel organisierbare Büroflächen mit Trauzimmer und Service-Einrichtungen im 1. und 2. Obergeschoss, Archiv- und Lagerräume im Untergeschoss und als Krönung der neue Sitzungssaal im Dachgeschoss.

Der repräsentative Sitzungssaal unter dem Dach, der um ein angemessenes Foyer ergänzt wurde, erhält durch eine großzügige Verglasung in der Dachfläche und der damit einhergehenden Lichtführung und den Ausblicken auf die Stadtsilhouette eine besondere räumliche Qualität. Eine die Glasflächen überlagernde, außenliegende Lamellenstruktur aus stabförmigen Ziegel-Baguettes erfüllt dabei den Ensembleschutz, d. h. in der Außenansicht den Erhalt einer ruhigen ziegelgeprägten Dachlandschaft. Die flächige Ausgestaltung und die Materialität des Dachs fügen sich harmonisch ein in die Bestandsbebauung, während im Inneren blendfreies Zenitlicht für eine optimale Ausleuchtung auch des letzten Winkels des großen Raums sorgt.

Sitzungssaal im Dachgeschoss, Rathaus Moosburg an der Isar
Foto: Stefan Müller-Naumann, D–München

Die Konstruktion der Lamellenstruktur basiert auf der Verwendung sogenannter Ziegel-Baguettes (Farbe: Eisengrau) des niederbayerischen Herstellers Moeding Keramikfassaden GmbH. Diese Elemente mit dreieckigem Querschnitt (Kantenlänge: 90 mm) und Längen bis 1500 mm sind auf statisch tragenden Aluminium-Profilen aufgefädelt, die ihrerseits  werksseitig bereits mit den stirnseitigen Baguette-Haltern verschraubt sind. Am Objekt brauchen sie dann nur noch kostensparend in die vom Hersteller vorab gelieferte und bauseits ­bereits vormontierte Grundplatine (Kopfplatte) eingeclipst werden (MOEDING-­Rapid-System).

Durch die vorbeschriebene effektive Belichtung des kompletten Dachraums, zusammen mit der raumsparenden Erschließung an der Brandwand des Nachbargebäudes sowie der optimierten Ausnutzung des Grundstücks, konnten Gestaltqualität und Kosten in ein gutes Verhältnis gesetzt werden. Die aus Fußgängerperspektive komplett geschlossene Dachfläche verwandelt sich am Abend während einer der Stadtratssitzungen in eine spannende, lebendig leuchtende »Stadtkrone« über Moosburg.

Der Sitzungssall im Dachgeschoss des Moosburger Rathauses ist barrierefrei zugänglich.
Foto: Stefan Müller-Naumann, D–München
Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 5/2014

Umnutzung, Ergänzung, Sanierung

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