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Akustisch wirksame Oberflächen im Konzertsaal der Elbphilharmonie

Eine wesentliche Rolle spielt hierbei die Innenraumverkleidung des Saals, die sogenannte »Weiße Haut«. Hergestellt wurde sie aus dem Gipsfaserwerkstoff Gifatec von Knauf Integral, in einer speziell für das Projekt ­produzierten helleren Variante. Um die laut akustischer Berechnung notwendigen, bis zu 180 mm dicken Wände zu gestalten, wurden für die Elemente bis zu fünf Rohplatten miteinander verleimt.

Zur Entwicklung der Innenraumverkleidung waren aufwendige 3D-Berechnungen und zahlreiche Tests ­erforderlich. Die Ingenieure der Peuckert GmbH arbeiteten über zwei Jahre an der Planung des Saals. Die Hasenkopf Industrie Manufaktur verarbeitete über einen Zeitraum von sieben Jahren 10287 Unikate für die 6000 m2 große Fläche. Im Sinne der idealen Nachhallzeit wurden die Einzelstücke anhand der für den jeweiligen Einsatzort berechneten idealen Flächengewichte zwischen 35 und 200 kg/m² maßgeschneidert. Jedes Element, jede Einfräsung und jede Anbindung ist ein Unikat, entstanden auf Basis der Vorgaben des Akustikers.

Als formgebender Stahlbau respektive Unterkonstruktion der Weißen Haut dienen individuell gelaserte Stahlspanten. Die Spanten sind an der inneren Betonhülle des vom Hauptgebäude akustisch abgekoppelten Konzerthauses mit speziellen Gelenkanbindungen abgehängt, um die unterschiedlichen Neigungen der Abhängepunkte auszugleichen. Höhenringe verbinden die Spanten miteinander und stabilisieren sie horizontal. Zur Befestigung der Paneele wurden ebenfalls der Neigung angepasste Winkel und Gelenkanbindungen eingesetzt, die zuvor in 3D geplant worden waren.

Für die Verschraubung und Sicherung der einzelnen Lagen erwirkten die Planer eine Zustimmung im Einzelfall, da die Elemente nicht von der Sicht-, sondern von der Rückseite aus verschraubt sind. Tragschienen in Form von rückseitig an den Paneelen montierten U-Profilen dienen der sicheren und akustisch optimalen Befestigung der Einzelelemente an der Unterkonstruktion. Diese wurden mit Schrauben gesichert und zusätzlich verklebt. Zwischen den Elementen wurden Fugenbänder eingebaut und die einzelnen Fugen nach der Montage zusätzlich mit Silikon ausgefüllt. Dies stellt sicher, dass die kurzwelligen Töne nicht in den ­Fugen absorbiert werden.

Die verleimten Gipsfaserplatten wurden für die Montage zunächst rückseitig mit der CNC-Fräse ­bearbeitet. Danach wurden die sichtbaren Oberflächen gefräst. Schließlich wurden die Elemente nochmals von Hand nachbearbeitet und auf der Vorderseite mit Schutzlack überzogen. Die Montage dauerte vom Aufbau der Unterkonstruktion bis zum Einbau des letzten Gipsfaserelements mehr als zwei Jahre: ein langer Weg für ein leidenschaftliches Ziel – den perfekten Klang.  

Weitere Informationen: www.knauf.de

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Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 4/2017
Bauen mit Stahl

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