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Akzeptanz von Baumaterialen aus nachwachsenden Rohstoffen

In einer wissenschaftlichen Studie der Hochschule Pforzheim wurden im 2. Halbjahr 2017 anhand von 340 Interviews mit privaten Bauherren, Fachbetrieben, Behörden, Händlern und Architekten deren Einstellungen und das Kaufverhalten zu nachwachsenden Rohstoffen am Beispiel von Fassadendämmungen untersucht. Solche Fassadendämmungen basieren zumeist auf Holzfasern, Zellulose oder zunehmend Hanf, Flachs, Stroh oder Wolle.

Status Quo
Die Säulen der Bioökonomiestrategie der Bundesregierung sind die Reduktion von C02, die Weiterentwicklung der Elektromobilität, erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe. Etwa 40 % der Klimaproblematik beruhen darauf, wie wir bauen und wohnen. Es gibt dabei Produktgruppen, die von Natur aus nachwachsend sind, wie etwa Holz mit seinen vielfältigen Anwendungen in Dach, Wand und Boden. Bei Produktgruppen mit einem hohen Anteil fossil basierter Materialien jedoch sollte der Anteil nachwachsender Rohstoffe ausgebaut werden. Der Anteil ökologisch nachhaltigen Bauens nach den höchsten Standards liegt in Europa nach letzten Untersuchungen bei 1-2 %. Fassadendämmungen sind in dieser Situation exemplarisch. Im Vorfeld der wissenschaftlichen Untersuchung wurde ermittelt, dass der Anteil nachwachsender Rohstoffe in Fassadendämmungen in Deutschland derzeit bei max. 4 % liegen könnte. Bei Dämmstoffen allgemein liegt dieser nach letzten Untersuchungen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) bei 7 %.

Vom Attitude-Behavior-Gap zum Producer-People-Gap
Es liegt in der Natur der Marktsituation von Fassadendämmungen, dass Hersteller und Gewerke Lieferbeziehungen haben und daher auch gegenseitig besonders meinungsbildend sind. Es wurde eine Situation vorgefunden, bei der die Bevölkerung, in diesem Fall die privaten Bauherren, bereits weitestgehend von nachwachsenden Rohstoffen, am speziellen Beispiel der Fassadendämmungen, überzeugt sind und diese auch gerne kaufen möchten. Doch aus den gewachsenen Lieferantenstrukturen heraus wird dieser Wunsch bislang erst geringfügig bedient.

Während vor ungefähr 20 Jahren einige Entscheider auch bereits schon für sich positiv eingestellt waren, gingen sie jedoch noch davon aus, dass dies bei der Mehrheit nicht der Fall sei. Diese in der Markt- und Sozialforschung sogenannten sozialen Einflüsse verhinderten, dass die Entscheider damals mehrheitlich kauften, was eigentlich ihrer Einstellung entsprach. Dies war einer der Gründe für den sogenannten Attitude-Behavior-Gap, die Einstellungs-Verhaltens-Kluft der Ökologie. Nur die Kernzielgruppe, die durch eine relativ hohe Bildung geprägt war, kaufte schon damals »Bio« und löste dabei quer durch alle Märkte Trends aus. Diese Situation hat sich dahingehend geändert, dass aktuell alle – auch Architekten und sogar Kritiker – davon ausgehen, dass mittlerweile alle relevanten Meinungsbildner positiv zur Ökologie im allgemeinen, und speziell zum Einsatz nachwachsender Rohstoffen, eingestellt sind.

Architekten in der Vermittlerrolle
Die Ergebnisse der Untersuchung legen nahe, dass sich die Einstellungs-Verhaltens-Kluft zu einer Art Producer-People-Gap gewandelt hat, der sich an der Hersteller-Marktmittler-Verbindung manifestiert. Es wurde dabei ergänzend festgestellt, dass sich dies nicht etwa durch eine generelle Ablehnung in diesen Gefügen erklärt, sondern verständlicher Weise auf Seiten der Industrie – abgesehen von einigen Vorreitern – die Investition in Forschung und Entwicklung für neue biobasierte Techniken gescheut werden und weiterhin noch Erfahrungs- und Wissenslücken bezüglich möglicher neuer Produktionstechniken bestehen.

Zieht man die Elektromobilität als Vergleich heran, wäre es aber vielleicht sinnvoll, sowohl für Bauherren, aber genauso auch für Hersteller und Profis im Markt, diesen Trend nicht unbesehen zu belassen. Denn selbst Kritiker müssen aufgrund der belegbaren Daten dieses Trends von einem weiteren Ausbau der nachwachsenden Rohstoffe ausgehen.

Architekten können in der aktuellen Marktsituation eine bedeutende Rolle einnehmen: Sie sind unabhängig, kompetent und Empfehlungsgeber. Fassadendämmungen sind ein neuralgischer Punkt im Gefüge der ökologischen Entwicklung – in Deutschland ganz sicher, in Europa und vielleicht auch international richtungsweisend. Architekten können im Bausektor den entscheidenden Impuls geben. Auch den Unternehmen und Konzernen kommt eine wichtige Rolle zu. Sie sind die Lenker, die die Erfahrung und das Können haben, die Produkte die im Rahmen der Bioökonomie-Strategie der Bundesregierung benötigt werden, in den erforderlichen Mengen her- und zur Verfügung zu stellen. Im Grunde eine Win-Win-Situation: Der Mut in Research und Development zu investieren und neue Produktionstechniken zu integrieren, trifft auf vielseitige neue Chancen. 

Einige Einzelergebnisse der Studie finden Sie in der Fotostrecke

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