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asdfg Architekten, Wohnhaussanierung in Berlin, Michael Pfisterer

Alles Interpretationssache: Wohnhaussanierung in Berlin

Ein Einfamilienhaus mit Garten am Prenzlauer Berg ist etwas Besonderes – und das umso mehr, wenn es sich um das älteste Wohnhaus im ganzen Bezirk handelt. 1844 errichtete der Müllermeister Hermann das Hinterhaus im heutigen Kollwitzkiez. Erst Jahrzehnte später mutierte der Stadtbezirk zu dem Gründerzeit-Eldorado, als das wir ihn heute kennen. Für die Berliner Denkmalschützer war dies Grund genug, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, obgleich daran kaum noch etwas an die Ursprungszeit erinnerte.

Wiederholt hatte man das Haus im Laufe der Jahrhunderte umgebaut; zuletzt hatte es als Polizeiwache und Werkstatt gedient und stand dann mehrere Jahre lang leer. Längst waren die Bossen an der Fassade zeitgenössischem Graffitischmuck gewichen. Im Gebäudeinneren waren im Laufe der Zeit alle historischen Elemente entfernt oder zerstört worden.

Den Auftrag, die alte Polizeiwache zu einem Wohnhaus für eine fünfköpfige Familie umzubauen, erhielten Philipp Loeper und sein Architekturbüro asdfg von einem guten Freund, der in Berlin als Unternehmer tätig ist. Das Denkmalschutzamt forderte, dabei die Fassaden originalgetreu wiederherzustellen. Das war insofern nicht unproblematisch, als von dem Originalgebäude zwar Ansichtszeichnungen existierten, aber keinerlei Informationen über das genaue Fassadenprofil.

Die Architekten entschieden sich daher, die historischen Linienzeichnungen frei zu interpretieren und auf ihrer Basis ein neues, unregelmäßiges Bossenprofil für die Fassaden zu entwickeln. Nach langen Verhandlungen und zahlreichen Plänen und Modellen ließen sich davon auch die Behörden überzeugen. Bei der Umsetzung halfen die Bossenprofile der einschlägigen Dämmsystemhersteller jedoch nicht weiter. Denn die Architekten beabsichtigten, den Fassadenaufbau mit traditionellen Materialien herzustellen und mit einer Oberbeschichtung aus durchgefärbtem Filzputz zu versehen. Ein ortsansässiger Stuckateurbetrieb übernahm schließlich die Herstellung der Putzfassade. Auf einer 5-6 Zentimeter starken, vollflächigen Dämmputzschicht sind die bis zu 4 Zentimeter dicken Bossen ebenfalls aus Dämmputz modelliert und teilweise zusätzlich armiert. Darauf wurden 5 Millimeter mineralischer Oberputz aufgetragen.

Im Inneren des Hauses ließen die Architekten alle Innenwände außer einer dicken Längswand in der Gebäudemitte entfernen und den Innenputz abschlagen. In den so entstandenen Leerraum fügten sie ein neues Obergeschoss mit den Schlafzimmern der Eltern und Kinder ein. Die große offene Innentreppe besteht aus zwei Teilen: Die ersten fünf Stufen führen durch die große Wand auf ein Podest, von dem aus man die ganze Höhe des Hauptraums erleben kann. Der zweite Teil hängt an einer offenen Galerie, auf der sich der Arbeits- und Schlafplatz der Eltern befindet.

Der Dachstuhl des Hauses wurde komplett neu errichtet. Das Holz der Vorgängerkonstruktion verwendeten die Architekten teilweise für die Treppenstufen und die Arbeitsplatte in der Küche wieder. Auch viele andere Ausbau- und Einrichtungsgegenstände – von den Einbaumöbeln über die Klappläden bis zur Badewanne – wurden für das Projekt »maßgeschneidert«.

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Weitere Informationen:

Tragwerksplanung: Gerd Jung, Karlsruhe

Stuckateur: Sebastian Rost

Bruttogeschossfläche: 400 m2

Baukosten (KG 300+400): 600.000 Euro

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