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Peter Behrens, Bauhaus, Ausstellung

Alleskönner neu entdeckt:
 Peter-Behrens-Ausstellung in Oberhausen

Sitzmöbel und Gebrauchsgrafik, Elektrogeräte und Tapeten – dass der gelernte Kunstmaler und Autodidakt in der Architektur, Peter Behrens, ein überaus vielseitiges Werk hinterlassen hat, ist bekannt. Der Schriftzug »Dem Deutschen Volke« am Berliner Reichstag stammt ebenso von ihm wie frühe Klassiker des Industriedesigns, allen voran jene, die er 1907-14 als Künstlerischer Beirat der AEG in Berlin schuf.

In der neuen Dauerausstellung des LVR-Industriemuseums in Oberhausen ist der Künstler und Designer Peter Behrens jedoch eher eine Randerscheinung. Im Zentrum steht vor allem Behrens‘ Wirken als Architekt. Dazu passt auch der Ausstellungsort: das Dachgeschoss des Zentrallagers, das Behrens 1920-25 für die Gutehoffnungshütte in Oberhausen schuf und das heute als Depot des Industriemuseums dient. In historischen und zeitgenössischen Fotografien sowie Architekturmodellen aus Holz, die die Peter Behrens School of Arts der Hochschule Düsseldorf entstanden sind, lässt die Ausstellung Behrens‘ Bauten Revue passieren.

Darunter sind neben den bekannten Klassikern wie der AEG-Turbinenhalle in Berlin auch viele Neuentdeckungen. Etwa das Restaurant »Jungbrunnen«, das Behrens 1904 zur Gartenbauausstellung in Düsseldorf entwarf. Alkohol wurde hier nicht ausgeschenkt, weil der Betreiber (ebenso wie Behrens selbst) dem Deutschen Verein für Gasthaus-Reform angehörte, einer Vereinigung von Abstinenzlern. Oder Behrens‘ Wohnungsbauten für das »Rote Wien«, die er in seiner langen Zeit als Professor der dortigen Akademie der Künste (1921-37) entwarf.

Deutlich wird in der Ausstellung vor allem Behrens‘ stilistische Vielseitigkeit und sein immenser Einfluss auf die Büro- und Industriearchitektur des ersten Jahrhundertviertels. Er baute nicht nur für die AEG und deren Tochterunternehmen in Berlin, sondern schuf zwischen 1910 und 1914 auch die Verwaltungssitze von Continental in Hannover und Mannesmann in Düsseldorf. Wenn es der Auftraggeber verlangte, praktizierte Behrens einen waschechten Neoklassizismus. Bei den Farbwerken in Höchst bediente er sich einer expressionistischen Formensprache (das Farbkonzept schuf damals übrigens sein Schüler Hans Döllgast) und bei der Tabakfabrik in Linz (1928-35) vollzog er schließlich die Hinwendung zur Neuen Sachlichkeit.

All dies und noch einiges mehr lässt sich in Oberhausen in einer guten Stunde Ausstellungsbesuch erleben. Für einen ersten Überblick oder eine Neuentdeckung von Peter Behrens‘ Werk eignet sich die neue Dauerausstellung ganz ausgezeichnet. Über Behrens‘ Arbeitsweise als Architekt, seine Lehre oder sein Wirken in die Gesellschaft hinein ist dagegen kaum etwas zu erfahren. Das gebaute Werk, nicht der Mensch Peter Behrens, steht in Oberhausen im Vordergrund. Mehr zu den Hintergründen von Peter Behrens‘ Schaffen vermittelt jedoch eine Begleitpublikation aus 12 Heften, die das LVR-Industriemuseum gemeinsam mit dem Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) und den Kunstmuseen Krefeld erarbeitet hat. Dort wurden oder werden in diesem Jahr ebenfalls Peter-Behrens-Ausstellungen gezeigt.

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