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Als die Architektur tanzen lernte: Stefan Behnisch

Die 1960er-Jahre waren in der Architektur eine Zeit des Aufbruchs. „Die Architektur lernte zu tanzen“, resümiert Stefan Behnisch diese Ära – und Detail lernte zu laufen, könnte man ergänzen. Anlässlich unseres 60-jährigen Jubiläums resümieren wir mit Stefan Behnisch die Vergangenheit und blicken in die Zukunft.

Was haben uns die 60er-Jahre in der Architektur hinterlassen?
Die Architektur der 60er-Jahre markierte zumindest hier in Deutschland, insbesondere in Süddeutschland eine Zeit des Aufbruchs. Eine feine, leichte Ästhetisierung in der Architektur setzte ein. Besonders bei den öffentlichen Bauten und teilweise beim sozialen Wohnungsbau war dies gut zu erkennen. Die Wiederaufbauphase schien beherrschbar zu sein, die Gesellschaft kam langsam aus den finsteren, engstirnigen 50er Jahren, aus dem Trauma der NS Zeit. Die Architektur lernte zu tanzen, verhalten zwar, aber ein „Frühling“ schien erkennbar. Offenheit, Leichtigkeit, Licht und Form waren von nun an bedeutende Faktoren.

Wann sind Sie Detail zum ersten Mal begegnet?
Detail begegnete mir zum ersten Mal mit einer Ausgabe über die Solothurner Schule um Max Schlup und Fritz Haller. Ich habe es immer noch. Fritz Haller war mein Professor, prägend, eine herausragende Persönlichkeit und ein großartiger Lehrer. Ich kaufte mir das Heft, um die Solothurner Schule besser zu verstehen. Dadurch hat sich bei mir Detail als klar, nüchtern, technisch und sehr informativ eingeprägt. Das mag damit zusammenhängen, dass es für mich immer mit diesem einen Heft, meinem ersten, in Verbindung steht.

Wo, glauben Sie, steht die Architektur in 60 Jahren?
Wer diese Frage beantworten kann, möge mich bitte anrufen. Ich hoffe, dass die Architektur als besonderes, unsere Umwelt und den öffentlichen Raum prägendes Artefakt wieder mehr an kultureller Bedeutung gewinnt, und wir den Irrweg, sie als „Commodity“ zu betrachten, wieder verlassen werden. Architektur definiert unsere Orte und Geschichte, und zeigt die kulturellen Fähigkeiten der heutigen, aber auch der längst vergangenen Gesellschaften und Kulturen auf. Nicht wie wir die Gebäude bauen oder planen, sondern was sie über uns ausdrücken sollte im Vordergrund stehen.

Stefan Behnisch (*1957 in Stuttgart) studierte Philosophie, Volkswirtschaft und Architektur. 1989 gründete er sein eigenes Büro in Stuttgart, das seit 2005 als Behnisch Architekten firmiert. Weitere Büros entstanden in Los Angeles (1999), Boston (2006) und München (2008). Stefan Behnisch lehrte unter anderem in Portsmouth, Nancy und Austin und war Gastprofessor unter anderem an der Yale School of Architecture, der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, der TU Delft und der TU München. 2007 wurde er mit dem „Global Award for Sustainable Architecture“ ausgezeichnet und 2013 erhielt er den „Energy Performance + Architecture Award“.

Als die Architektur tanzen lernte: Stefan Behnisch, Foto: Christoph Soeder
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
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