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Altglas - wertvoller Rohstoff

Glas lässt sich vollständig und unzählig oft recyceln. Es verliert im Recyclingprozess weder an Qualität noch verändert es seine Eigenschaften im Vergleich zum Ausgangsmaterial. Schon in der Antike war das Recyceln von Glas gebräuchlich, In Deutschland ist getrennte Sammeln von Glasflaschen in großem Maßstab seit den 70er Jahren verbreitet.

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Foto: www.matrec.it

Für die Wiederverwertung von Altglas wird das nach Farben sortiertes Material von Fremdstoffen befreit. Bei 1200 - 1500°C schmilzt man es in Wiederaufbereitungsanlagen unter Zugabe eines geringen Anteils der ursprünglichen Rohstoffe Quarzsand, Kalkstein und Soda. Das flüssige Glas dient nun als neuer Rohstoff der Herstellung neuer Glasprodukte. Es wird aber auch bei der Produktion von Fußbodenbelägen, Verkleidungen und Dämmstoffen weiterverwertet.

Ein Problem beim Recycling vom Glas ist die Farbigkeit des Ausgangsmaterials. Nur aus einem völlig reinen Ausgangsmaterial kann farbloses, transparentes Glas gewonnen werden. Aus diesem Grund ist es nahezu unmöglich, gebrauchtes Fensterglas als Fensterglas wiederzuverwerten. Als hoch komplexer High-Tech-Werkstoff muss Fensterglas frei von unerwünschten Zusatzstoffen und zudem farblich kontrollierbar sein. Abhängig von ihrer Verwendung sind Fenstergläser außerdem häufig bedruckt, beschichtet, emailliert oder mit Gas gefüllt. Eine Reinigung wäre sehr aufwändig und wirtschaftlich kaum umsetzbar ist. Daher wird Fensterglas ebenso wie etwa Marmeladengläser wiederverwertet und dabei einer minderen Nutzung zugeführt.

Außerdem muss der oftmals hohe Energieaufwand bei der Wiederverwertung berücksichtigt werden. 2003 hat sich eine Studie des britischen Beratungsunternehmens Enviros Consulting mit den unterschiedlichen Verwertungsstrategien für Altglas befasst. Untersucht wurden die CO2-Emissionen, die bei unterschiedlichen “Nachnutzungen“ gebrauchter Getränkeflaschen entstehen. Diese wurden den Emissionen gegenübergestellt, die bei der Herstellung eines gleichwertigen Produkts aus neuem Glas entstanden wären. Der Betrachtungszeitraum erstreckte sich auf den gesamten Lebenszyklus der Produkte. Die Unterschiede waren erheblich:

VerwendungszweckCO2-Einsparungen in kg/t Glas
Vermeidung
(z.B. durch höhere Materialeffizienz)
ca. 843
Wiederverwendung
(Pfandsystem)
> 300
Wiederverwendung
(Pfandsystem)
314
Weiterverwertung:
- als Glasfasern
- als Fliesen und Mauersteine
(z.B.: www.geo-fusion.co.uk)
- als Medium für das Sandstrahlen
(z.B.: www.remadeessex.org.uk)
- als Granulat
- als Filtersand
(z.B.: www.trivitro.com)

275
66

19
-2
43
Deponierung0

Unbestritten bleibt allerdings, dass das Recyceln von Altglas Abfälle vermeidet und Rohstoffe einspart. Während 100kg Altglas 100kg neues Glas ergeben, braucht man 120kg an Rohstoffen – Quarzsand, Kalkstein, Soda oder Pottasche - um neues Glas herzustellen.

Produkte aus Recyclingglas

Technopor

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Foto: technopor

Technopor Glasschaum-Granulat ist ein leichtes, formstabiles, kapillarbrechendes und wärmedämmendes Material aus Altglas. Für die Herstellung des Granulats wird Glasmehl aus Altglas zusammen mit einem mineralischen Aktivator „aufgebacken“. Dadurch entsteht ein Glasschaum Beim Abkühlen dieses Schaums werden Spannungen frei, die das Material zu Granulat zerfallen lassen. Hohlräume in den einzelnen Granulatpartikeln schließen Luft ein und bewirken die Dämm- und Schallschutzwirkung.

Die lose Granulat-Schüttung wiegt nur 130 bis 170 kg pro Kubikmeter und hat eine Druckfestigkeit von bis zu 0,50N/mm.

Bei Niedrigenergiehäusern erreicht man mit etwa 25 cm verdichtetem Glasschaum-Granulat unter der Fundamentplatte einen U-Wert von rund 0,27 W/m²K. Für Passivhäuser reicht eine auf 40 bis 50 cm verdichtete Dämmung, um einen U-Wert von 0,18 bis 0,15 W/m²K zu erhalten.
Bei der Herstellung von Technopor wird ausschließlich Strom aus Wasserkraft verwendet.

Poraver

Poraver ist das Ausgangsmaterial für verschiedene Sto-Systeme wie StoVentec, StoVerotec und StoSilent. Für seine Produktion werden nur Altglasfraktionen verwendet, die die Glasindustrie aus technischen Gründen nicht für die Herstellung neuer Glasprodukte einsetzen kann. Bei der Herstellung von Poraver werden die reinen Altglasbestandteile in Mühlen zu feinem Glas-Mehl gemahlen. In einer Mischanlage werden danach Wasser, Bindemittel und Blähmittel zugegeben. Diese Mischung wird in einem Granulierteller zu runden Granulaten geformt, die bei ca. 900°C im Drehofen gebläht werden. Bei diesem Prozess entsteht das Endprodukt, ein feinporiges, weißes Rundgranulat, in dessen Inneren kleine Luftkammern eingeschlossen sind. Nach dem Abkühlen wird das Poraver-Granulat gesiebt und nach verschiedenen Korngrößen sortiert.

Putzträgerplatte StoVerotec

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Studentenwohnanlage in München

Die StoVerotec Putzträgerplatte besteht zu 96% aus dem Blähglasgranulat Poraver, das aus rezykliertem Altglas hergestellt wird. Unter Einsatz von Zuschlagstoffen und Epoxidharz wird das leichte Blähglasgranulat unter Einwirkung erhöhter Temperatur in einem mehrstufigen Prozess zu Platten gepresst. Gleichzeitig werden beidseitig Glasgewebe als Deckschichten auflaminiert und die Platten besäumt.

Die leichte, elastische Platte mit guter Wärmedämmwirkung nutzt die hohe chemische Beständigkeit, die Umweltverträglichkeit und die große Festigkeit von Glas. Durch eine spezielle Aufbereitung und Weiterverarbeitung des Glases weist die Trägerplatte ein geringes Gewicht, gute Biege- und Stoßfestigkeit sowie leichte Bearbeitbarkeit auf. Sie gehört nach DIN 4102 zur Baustoffklasse B1 „Schwer entflammbar“ und ist weiterhin frostbeständig. Die Putzträgerplatte kommt bei vorgehängten hinterlüfteten, fugenlosverputzten sowie verklinkerten Fassaden zum Einsatz. Sie ist in den Abmessungen 1,20 x 0,80 m und 1,20 x 2,40 m bei einer Dicke von 12 mm erhältlich.

Die StoVerotec Fassade, ein vorgehängte, hinterlüftete und fugenlos verputzte Fassade, baut auf die StoVerotec Putzträgerplatte auf. Das Fassadensystem besteht neben der Putzträgerplatte, die einem organischen Armierungs- und Putzaufbau ermöglicht, aus Mineralwolledämmstoff. Die StoVerotec Putzträgerplatte kann auch zusammen mit dem StoTherm Wärmedämmverbundsystem verwendet werden.

StoSilent Akustikpanel

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SAP in Walldorf

Das StoSilent Panel ist ein akustisch wirksame, schnell zu applizierende Platte zur Verbesserung der Raumakustik aus Poraver, einem Blähglasgranulat aus Recycling-Altglas. Die Akustikplatte kann als Decken- oder Wandverkleidung genauso wie – situationsbedingt – als losgelöstes Gestaltungselement angebracht werden. Das StoSilent Panel verbessert die Akustik in widerhallenden Räumen und kann bis zu einer Fläche von 200 m² großflächig fugenlos angebracht werden. Die Schlussbeschichtung ist bei unterschiedlichen Oberflächenausführungen weiß oder in mehr als 460 Farben möglich.

Das StoSilent Akustiksystem umfasst durchlüftungssichere Platten für Schwimmbäder genauso wie nichtbrennbare oder gewebeverstärkte Platten, die alle auf rezykliertem Altglas basieren.

 

Feel

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Foto: www.matrec.it

2 x 2 cm große Glasmosaiksteine aus mindestens 80% Recyclingglas aus. Die Glasmosaiksteine sind auf einen Papierträger aufgeklebt und werden vorrangig als Fußbodenbelag oder Wandverkleidung eingesetzt. Feel ist in zwölf verschiedenen Farben erhältlich.

Hersteller
Trend Group spa
www.trend-vi.com

Blazestone

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Foto: www.matrec.it

Blazestone besteht aus Recyclingglas, das als Ausschussmaterial bei der Produktion von Flaschen, Flakons, Glasgefäßen und Fenstern anfällt. Bei der Produktion des Materials werden weder Oxyde noch Farbstoffe zugesetzt. Im Bauwesen werden Fliesen aus Blazestone für Wandverkleidungen und Bodenbeläge verwendet. Das Material wird unter anderem auch zur Herstellung von Geschirr genutzt.

Hersteller
Bedrock Industries
www.bedrockindustries.com

Biodämm

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Foto: www.matrec.it

Biodämm ist ein Hohlblockstein, der beim Bau von Innenwänden, Brüstungen und Stürzen Anwendung findet. Er kann auch tragende Funktionen übernehmen. Bei der Produktion von Biodämm werden größtenteils Recyclingmaterialien als Zuschläge verwendet, zu 40-45 % Altglas – in Form von Blähglasgranulat - und zu 5-15 % Produktionsreste aus der Betonproduktion. Weitere Bestandteile sind Kies und hydraulische Bindemittel.
Biodämm weist akustische und thermische Dämmungseigenschaften auf. Das Material ist vollständig recyclebar. Der Energieverbrauch bei der Herstellung wird durch die Verwendung durch thermisch isolierte Austrocknungsöfen mit Wärmewiedergewinnung niedrig gehalten.

Hersteller
Vibrapac spa
www.vibrapac.it

Einige der im Artikel verwendeten Informationen und Bilder stammen von der Website www.matrec.it.

Matrec (Material Recycling) ist eine umfassende Internetdatenbank für Recyclingmaterialien und Recyclingprodukte in italienischer Sprache. Auf Datenblättern werden Materialien und Produkte – nach Ausgangsmaterialien geordnet – vorgestellt. Die Einträge enthalten Informationen zur Zusammensetzung des Materials, seinen technischen Charakteristika, Anwendungsmöglichkeiten sowie dem Hersteller. In dem Showrooms „Centro Matrec“ im Mailand und Évora sind zahlreiche Muster der Recyclingmaterialien ausgestellt sind.

Matrec versteht sich als Service für Unternehmen, Freiberufler, Designer, Architekten, Universitäten und Forschungszentren, die sich mit der Entwicklung nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen beschäftigen.

Zur Website von Matrec
Showroom „Centro Matrec“ in Mailand, Italien und Évora, Portugal
c/o Scuola Politecnica di Design
Via G. Ventura, 15 – 3. OG
I - 20134 - Milano (Zona Lambrate)

Parque Industrial e Tecnologico de Evora - edificio NERE
R. Circular Norte
P- Evora

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