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Kulturzentrum, Palensica, Spanien, EFTE-Folie, Selgas Dano, Atrium, Frank Kaltenbach

Anti-Palast aus Plastik: Kulturzentrum in Plasencia

Raumschiff, Barke, überdimensionaler Wohnwagen oder Steinklumpen – bei seinen Nachbarn ruft das neue Kongresszentrum in Plasencia unterschiedlichste Assoziationen hervor. Wie ein trojanisches Pferd haben José Selgas und Lucía Cano das neue Auditoriumsgebäude direkt vor der Stadtkante des Neubaugebiets in die buschige Landschaft gesetzt. »Wann nehmt ihr endlich die Plastikfolie ab, damit wir das Gebäude sehen können?« fragten sie immer wieder die Architekten, ohne zu wissen, dass die Kunststoffolie aus ETFE die endgültige Gebäudehülle sein wird. Die Plastikfolie ist aber nicht das einzige Material, dass improvisiert aussieht und dem Kulturbau seine spontane Ungezwungenheit verleiht. Geländerpfosten und Garderobenstangen sind aus Baustahl mit seinen charakteristischen Spiralwindungen. Auch die Bullaugen, die Decken und Wände perforieren bestehen aus einfachstem Spiralrohren, wie sie normalerweise in der Lüftungsinstallation eingesetzt werden. Das Motiv des roten Teppichs spielen selgascano ironisch vom orangefarbenen Zugangssteg bis zum rot-orangenen Kunstrasen, mit dem der Boden und die Wände des Auditoriums bis auf Schulterhöhe ausgekleidet sind.

Nur 17 Mio Euro hat das Gebäude gekostet, das mitten in der Finanzkrise entstanden ist und zahlreiche Einsparungsrunden hinter sich hat. Auf Kosten eines überwältigenden Raumgefühls ist die Optimierung jedenfalls nicht gegangen: Die verschachtelten Ebenen scheinen optisch durch Reflexe und Durchblicke ineinanderzufließen und bieten eine facettenreiche Vielfalt an Übergängen zwischen innen und außen, transluzent und transparent. Großflächige raumhohe Spiegel lösen massive Wände und Glasflächen bei Tag auf, in der Dämmerung schimmern die Räume durch diese semipermeable Membran hindurch und bewirken, dass sich der Bau in der stockdunklen Umgebung des Landschaftschutzgebiets ganz auf sich selbst bezieht. Einigen Besuchern ist das schummrige Licht auf den oberen umlaufenden Stegen fast unheimlich, während die Anzahl der runden Lampenfassungen zwischen den runden Spiegeln in den Künstlergarderoben allzu zahlreich ausgefallen ist: Die meisten Fassungen sind leer, um unnötigen Strom zu sparen. Dennoch oder gerade deshalb versprüht das Haus eine unbändige Energie, indem es jedem sofort klar macht: Bei der Kunst ist die wichtigste Ressource nicht das Geld, sondern die Kreativität der Akteure und Besucher. In sofern ist der Palacio de Congressos in Plasencia ein wahrer Kulturpalast.

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Eine ausführliche Print-Dokumentation zum Thema »Bühnenbauten« finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 3/2018.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 3/2018

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