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Architekturbiennale, Chicago, CAB 2019, Ausstellung

Architekturbiennale Chicago 2019: All is connected

„... and other such stories“ sind der Titel und das Leitthema der dritten Chicago Architecture Biennale (CAB), die noch bis zum 5. Januar 2020 geht. Das dreiköpfige Kuratorenteam bestehend aus Yesomi Umolu, Sepake Angiama und Paulo Tavares hat über 80 Akteure aus 22 Ländern vereint, deren Arbeiten sich mit Architektur in Bezug auf soziale, politische und Umweltfragen auseinandersetzen. Schauplätze sind das historische Chicago Cultural Center als zentraler Anlaufort sowie über 50 Standorte, die quer über die Stadt verteilt sind.

... and other such stories

Eins wird rasch klar, wenn man sich mit den Inhalten beschäftigt: Wer die großen Architekturthemen sucht, wird hier nicht fündig. Darum geht es den Machern aber auch gar nicht. Die dritte Ausgabe der Biennale ist von Chicago selbst inspiriert. Sie widmet sich nicht nur dem großartigen architektonischen Erbe der Stadt, sondern untersucht auch die Bedingungen, die die Stadtentwicklung geprägt haben und künftig prägen sollten. Die CAB 2019 will eine breitere Sichtweise auf die Architektur anregen, die alle Parameter einbezieht und sich nicht nur auf den Entwurf und die Konstruktion von Gebäuden bezieht, sondern auch auf den Umgang mit dem Bestand und auf soziale Aspekte, den Bezug zur Nachbarschaft, Migration und Gentrifizierung.

Laut Kuratoren soll die Biennale Themen in den Mainstream bringen, die in „normalen“ Architekturdebatten gerne mal untergehen. Sie wollen einen Diskurs anstoßen, der sich kritisch damit auseinander setzt, wie Architektur die Kultur, die Geschichte und die Natur prägt. Und inwieweit es möglich ist, dass die gebaute Umwelt und unser Umgang damit zu einer nachhaltigeren, gerechteren Zukunft beitragen können.

Interaktiv und diskursiv

In der Mehrzahl der Projekte, die im Chicago Cultural Center vorgestellt werden, überlappen sich die Themen. Es verschmelzen (gebaute) Umwelt mit Bürgerbeteiligung, beispielsweise in der Installation „How together“ von constructlab, Berlin, eines kollaborativen, internationalen Netzwerks aus Architekten, Designern, Künstlern, Soziologen, Fotografen, Gärtnern. Oder in der visuellen Kunst, die der namhafte Chicagoer Künstler Theaster Gates nutzt, um reale soziale Umbrüche sichtbar zu machen. Das Schwarmverhalten von Akteuren im Internet findet sich in Filmen von Clemens von Wedemeyer, Professor für Medienkunst aus Leipzig, wieder.

Fündig wird man aber auch an vielen Orten in der Stadt. Beispielsweise im Stadtteil Bronzeville. Hier steht die Anthony-Overton-Schule, die 2013, nach mehr als fünfzig Jahren Betrieb, geschlossen worden war. 2015 wurde sie von einer gemeinnützigen Stadtentwicklungsorganisation gekauft, 2016 in das nationale Denkmalregister aufgenommen. Die Schule soll jetzt zu einem Ort für Kunst, Workshops und Forschung werden, der auch die Nachbarschaft, vor allem Jugendliche, einbezieht und der dem Umfeld eine neue Identität verleiht.  Im Rahmen der Biennale bringen sich hier auch internationale Büros ein, darunter Herkes İçin Mimarlık, Architecture For All, Istanbul, studioBASAR aus Rumänien, die Performerin Zorka Wollny aus Polen, raumlaborberlin und Borderless Studio aus Chicago, das bereits seit 2015 in das Projekt involviert ist.

Für den Erhalt des letzten verbliebenen Blocks der ehemaligen Jane Addams Homes, einer Wohnsiedlung der Chicago Housing Authority, die 1938 gebaut und bis 2002 bewohnt wurde, engagiert sich das National Public Housing Museum in Zusammenarbeit mit dem im südafrikanischen Johannesburg ansässigen Kollektiv Keleketla – mit Live-Sound-Installationen und Performances im Außenraum. Das Gebäude soll vor dem Abriss bewahrt und in einen Ort für die Geschichten der ehemaligen Bewohner und des öffentlichen Wohnungsbaus transformiert werden.

Pavillon und Wolkenkratzer  

Zu den mehr als 100 lokalen Partnern, die die Biennale unterstützen, gehört auch das Büro Skidmore, Owings & Merrill (SOM) mit dem Stereoform Slab. Der Betonpavillon in Chicagos West Loop ist der Prototyp eines von Robotern erstellten Bauwerks, der zugleich für die Reduktion des CO2-Bedarfs für Betonkonstruktionen steht. Partner sind auch die Planer von Studio Gang, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Architekturzentrum Chicago gerade den Vista Tower vollenden. Nach der Fertigstellung in 2020 wird das 365 Meter hohe, direkt an der Mündung des Chicago Rivers in den Michigansee gelegene Wohn- und Hotelgebäude das dritthöchste in Chicago sein.

Sehenswert sind auch aktuelle Ausstellungen von Biennale Partnern wie der Graham Foundation mit der Installation „Unraveling Modern Living“ von Tatiana Bilbao Estudio oder des Art Institut of Chicago mit sechs ausschließlich weiblichen Modernisten in Mexico „In a Cloud, in a Wall, in a Chair: Six Modernists in Mexico at Midcentury“.

Der Besuch der offiziellen Veranstaltungsorte der Biennale ist kostenfrei. Todd Palmer, der Geschäftsführer der Biennale, rechnet, ähnlich wie vor zwei Jahren, mit insgesamt rund 500.000 Besuchern.

CAB 2019: Alle Termine & Orte im Überblick

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