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Architekturbiennale und Nachhaltigkeit: eine Vorschau

„People meet in Architecture“ heißt das Motto der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig (29. August bis 21. November 2010). Im Rahmenprogramm, das wie stets an zahlreichen Schauplätzen in der Lagunenstadt stattfindet, haben auch mehrere Veranstaltungen zu Nachhaltigkeitsthemen ihren Platz.

Auch in Zeiten der inflationären Verbreitung von Kunst- und Architekturbiennalen besitzt das „Original“ in Venedig noch unübertroffene Anziehungskraft. Alle zwei Jahre im Herbst pilgert die Architekturwelt der Lagunenstadt, um zu bestaunen, wie ihr Metier weitgehend losgelöst von wirtschaftlichen und politischen Zwängen als „hohe Kunst“ präsentiert wird. Traditionell sind künstlerische, theoretische und philosophische Konzepte in Venedig stark vertreten, während das „wahre Leben“ erst in den letzten Jahren verstärkt Einzug in die Architekturbiennale hielt. Zu nennen wäre hier allen voran Richard Burdett kuratierte Ausstellung „Città, Architettura e Società“ von 2006, die sich mit Wachstum und Nachhaltigkeit der Metropolen in aller Welt auseinandersetzte.

Auch 2010 könnte eine weitere „lebensnahe“ Architekturbiennale werden – wenn das von Kazuyo Sejima formulierte Ausstellungsmotto „People meet in Architecture“ hält, was es verspricht. Zumindest ist Sejimas Büro SANAA dafür bekannt, in seinen Bauten meisterhaft Räume und Menschen in Beziehung zueinander zu setzen. Werke von 48 Teilnehmern – darunter Architekten, Ingenieure, Künstler und Studenten – aus aller Welt – soll die Hauptausstellung enthalten; hinzu kommen weitere 54 nationale Einzelausstellungen und (bislang) 20 offizielle „Side-Events“.

Nachhaltigkeit in Architektur und Städtebau – das machte bereits Burdetts Biennale klar – ist weit mehr als Energieeffizienz und Klimaschutz. Und fasst man den Nachhaltigkeitsbegriff entsprechend ganzheitlich auf, finden sich im Programm dieser Biennale doch zahlreiche Programmpunkte zu Nachhaltigkeitsthemen.

Den Auftakt macht die Architectural Association (AA) aus London mit einem Symposium und einer Ausstellung zum Thema „Beyond Entropy: When Energy Becomes Form“ Bereits seit 2009 befassen sich an der AA 24 Architekten, Künstler und Wissenschafter in acht Gruppen mit verschiedenen Formen von Energie (z.B. Schall, Elektrizität, Wärme, chemischer und mechanischer Energie). Das 2009 initiierte Projekt soll seinen Abschluss 2011 finden und die Ergebnisse dann im Rahmen der (Kunst-)Biennale in Venedig der Öffentlichkeit präsentiert werden. Zu den Sprechern beim Symposium gehören unter anderem Brett Steele (Direktor der AA School), der Kurator Hans Ulrich Obrist, der Architekturhistoriker Joseph Rykwert, der Künstler Nikolaus Hirsch, der Architekt und Publizist Stefano Boeri sowie der bereits genannte Richard Burdett. Die Teilnahme ist frei; Plätze sind jedoch limitiert.

Beyond Entropy: When Energy Becomes Form
Symposium: 27. August 2010, 13:00-0:00 Uhr
Ausstellung: 26. August – 19. September 2010
Ort: Fondazione Giorgio Cini, Isola di San Giorgio Maggiore, Venedig
Link: http://beyondentropy.aaschool.ac.uk/

„Culture_Nature“ heißt eine Ausstellung, die während der gesamten Biennale-Laufzeit (26. August bis 21. November) im „Spazio Thetis“ im Arsenal in Venedig gezeigt wird. Die von der Polytechnischen Universität Turin organisierte Schau vereint über 30 architektonische und künstlerische Positionen zu den Themen „grüne Ethik“, Wohnen und Umwelt, darunter Zukunftsvisionen für Gebäude und Fassaden, landschaftsgärtnerische Interventionen, Rauminstallationen und Videofilme.

Culture_Nature
Laufzeit: 26. August bis 21. November 2010
Ort: Spazio Thetis, Arsenale Novissimo, Venedig
Link: www.culturenature.it

Gleich zwei Ausstellungen befassen sich mit dem Wiederaufbau der erdbebenzerstörten Stadt L’Aquila in den Abruzzen. Beide teilen – obgleich unabhängig von einander organisiert – den gleichen Ausgangspunkt: Der Wiederaufbau der Stadt dürfe nicht allein als technisches, finanzielles und politisches Problem begriffen werden, sondern vor allem als soziales. Neben der baulichen Struktur von L’Aquila müssten vor allem deren soziale Strukturen wieder in Stand gesetzt werden.

Die erste Ausstellung, „E-picentrum“, findet ebenfalls im „Spazio Thetis“ statt und wurde von der Università degli Studi di Roma in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt organisiert. Hier sollen vor allem Konzepte für den Wiederaufbau gezeigt werden.

E-picentrum
Laufzeit: 26. August bis 21. November 2010
Ort: Spazio Thetis, Arsenale Novissimo, Venedig
Link: www.epicentroproject.net

Eher dokumentarisch angelegt ist dagegen die Foto-Ausstellung „Sismycity“ in der Loggia Foscara des Dogenpalasts. Ein Jahr lang hatten die Fotografen der Vereinigung „fuori_vista“ zum Einen das Leben in L’Aquila dokumentiert und zum Anderen, Haus für Haus und Straße für Straße, die baulichen Zerstörungen in der Altstadt, der sogenannten „Red Zone“, festgehalten. Über 800 dieser Fotos sollen nun im Rahmen der Ausstellung gezeigt werden.

SISMYCITY
Laufzeit: 28. August bis 30. Oktober 2010
Ort: Loggia Foscari, Dogenpalast, Venedig
Link: sismycity.com

Zumindest zwei der nationalen Ausstellungen in Venedig werden sich ebenfalls mit Städten, Stadtwachstum und Stadtplanung befassen – jedoch vornehmlich fokussiert auf die Großstädte und Metropolen. „Metropolis?“ heißt die von Jean Nouvel kuratierte Ausstellung im französischen Pavillon, die in Anlehnung an Fritz Langs gleichnamigen Film ein Panorama der Stadt von heute und morgen entfalten soll. Jedoch befasst sie sich nicht mit einer imaginären, albtraumhaften Stadt der Zukunft, sondern mit fünf der größten französischen Ballungsräume: Paris, Lyon, Marseille, Bordeaux und Nantes – St. Nazaire. Sie alle haben in den vergangenen 20 Jahren einen rapiden Wandel erlebt oder erleben ihn derzeit noch. Oft spielen dabei Leitmotive wie das der dichten, postindustriellen, fußgängerfreundlichen ... Stadt eine Hauptrolle; es werden umweltfreundliche Verkehrsmittel wie die Straßenbahn wiederentdeckt und neue, verdichtete Wohntypologien erprobt. Von besonderem Interesse dürften die Zukunftspläne für „Grand Paris“ sein, die internationale Architekturbüros auf Initiative von Präsident Nicolas Sarkozy entwickelt haben und die im Rahmen der Ausstellung präsentiert werden.

In Singapur dagegen ist Dichte seit Jahrzehnten bereits eine Selbstverständlichkeit, weshalb sich der Stadtstaat zur Biennale unter dem Motto „1000 Singapores. A Model of the Compact City“ präsentiert. Die Website www.1000singapores.com gibt bereits einen eindrucksvollen Vorgeschmack auf das Panorama städtischer Komplexität, das diese Ausstellung (hoffentlich) zeigen wird.

1000 Singapores
Laufzeit: 26. August bis 21. November 2010
Ort: Istituto Generale della Infanzia, Santa Maria della Pietà
Link: www.1000singapores.com


Allgemeine Informationen zur Architekturbiennale Venedig 2010

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