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Audi Urban Future Award

Wie sehen die Städte der Zukunft aus? Welche Art von Mobilität wird in 20 Jahren unsere Welt bestimmen? Diese Fragestellungen beschäftigen nicht nur Politiker, Städteplaner und Architekten, sondern auch Automobilhersteller, die weit über die Modellpflege der nächsten Saison hinaus ihre Zukunftsstrategien planen. Dass sich der global agierende Automobilhersteller Audi ausgerechnet im Austausch mit Architekten diesen Themen stellt, scheint auf den ersten Blick zu verblüffen. Beeindruckend ist auch die Höhe des Preisgeldes von 100 000 Euro, mit dem der Audi Urban Future Award zum höchst dotierten Architekturwettbewerb Deutschlands avanciert.

Von den sechs eingeladenen Architekturbüros haben fünf bis zur letzten etappe durchgehalten, Diller Scofidio Renfro aus New York haben sich nach der Zwischenpräsentation im Mai in London zurückgezogen. In Venedig wurde die Preisverleihung vor allem von den Architekten mit großer Spannung erwartet (von links nach rechts): Andreas Klok Pedersen von BIG aus Kopenhagen vertrat Bjarke Ingels, Zhang Ke von standardarchitecture aus Peking, Jürgen Mayer H. aus Berlin, Alison Brooks aus London und Enric Ruiz-Geli von Cloud 9 aus Barcelona.

Preisträger Jürgen Mayer H. bei der Laudatio der Jury-Vorsitzenden Saskia Sassen. Hinter Ihr links Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG und rechts Christian Gärtner, Kurator des Awards und Vorstand bei Stylepark.

Das Preisträger-Team von J.Mayer H. auf der Fahrt zur Preisverleihung.

»Völlig Ergebnis offen« als einen »Aufbruch ins Unbekannte« formulierten Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG und Christian Gärtner Vorstand der Stylepark AG den Prozess des Architektenwettbewerbs beim Kick Off in München im Februar dieses Jahres. Nach Besuchen bei Audi in Ingolstadt fanden Workshops und die Zwischenpräsentation der ersten Konzepte im Mai im Designmuseum in London statt. Der Höhepunkt, die Preisverleihung und Abschlussveranstaltung wurde dagegen als medienwirksamer Event zeitgleich zum Auftakt der Architekturbiennale in Venedig zelebriert. Fast pompös für den sonst eher auf Understatement setzenden Ingolstädter Autobauer wirkte die spektakuläre Location – die Scuola Grande di Santa Maria della Misericordia, des Renaissancearchitekten Jacopo Sansovino.

Großes Medien-Aufgebot mit »Aspekte«-Moderatorin Luzia Braun.

In die Basilika artige Halle der Scuola Grande di Santa Maria della Misericordia stellten die Austellungsgestalter von Raumlaborberlin jedem der fünf Architekturbüros der Endrunde eine poppig bunte »Straße« als Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Bereits 1928 hatte der Architekt und Städteplaner Le Corbusier mit seiner »voiture maximum«, dem Vorbild für den Citroen 2CV, einen Paradigmenwechsel von großen Karossen zu leichten Minimalautos eingeleitet, Renzo Piano stellte im Jahre 1978 für Fiat eine neuartiges Konzept von Chassis als Rahmenkonstruktion vor und Otl Aicher hinterfragte 1984 in seiner Analyse »Kritik am Auto« die autogerechte Stadt, jedoch nicht ohne konkrete Vorschläge zu machen für flexiblere, dem neuen Lebensstil sich anpassende Automobiltypologien.

Die Aufgabenstellung des Audi Urban Future Award 2010 war dagegen wesentlich umfassender. Die Architekten wurden nicht als Konstrukteure gefragt, sondern als internationale Trendscouts in Sachen Konzept, Design und für die Entwicklung von konkreten Zukunftsszenarien urbaner Mobilität. Die Auswahl der Kuratoren von Stylepark fiel auf bekannte transdisziplinär arbeitende Büros.

»Mit dem Aufkommen digitaler Technologien zu Beginn des 21. Jahrhunderts und mit
Elektrizität als Hauptenergieversorgungsquelle werden unsere Städte von nun an ohne
Umweltverschmutzung und Staus wachsen; grün, sauber, ruhig und effizient.« J.M.H.

Jürgen Mayer H. wählt bei seinen Visualisierungen als Ausgangspunkt den Typus der europäische Stadt und setzt auf die Sichtbarmachung der Digitalisierung der Umwelt. Aus den von ihm bereits seit Jahren verwendeten Chiffren, die auf der Innenseite von Briefumschlägen den Inhalt vertraulicher Nachrichten verbergen, kreiert er virtuell eine dreidimensionale elastische Raumschicht, die sich über bestehende Häuserblocks legt. Die prominente Jury sah darin nicht nur die »Urbanisierung von Technologie, sondern die »Humanisierung unserer Städte.«

Wer Schwierigkeiten hat diese Argumentation nachzuvollziehen, dem hilft vielleicht das kleine Büchlein mit zahlreuichen Renderings und Diagrammen, das J.M.H. zu seinem Beitrag von Trademark Publishing produzieren lies.

Die professionelle Visualisierung des Wunschdenkens zu Flexibilität, Wandelbarbeit und Anpassungsfähigkeit hat wohl auch den Auslobern von Audi gefallen. Einen Makel haben die Darstellungen jedoch: Wie bei einschlägigen Webefilmen der Automobilbranche sieht man immer nur eines der Traumfahrzeuge in den neuen flexiblen Städten. Freie Mobilität für wenige Privilegierte?

Alison Brooks hat sich eine der dynamischsten Metropolen der Welt für Ihren Beitrag ausgesucht: Mumbai. Ihre Analyse der Stadt mündet in ein Plädoyer die dort vorhandenen Ihrer Meinung nach positiven Strukturen zu erkennen und auf die Stadt der Zukunft zu übertragen: Mobilitätskonzepte, die heute der sozial armen Schicht zugeordnet werden wie Fahrradfahrer, Rikschakunden oder Nutzer von Car-Sharing Konzepten müssen in Zukunft gesellschaftsfähig werden. Gestalterische poppige Dekorationen sollen die Attraktivität erhöhen. Für die Individuelle Mobilität sieht Brooks den indischen Tata als Vorbild.
Mit diesem Gesellschaftsmodell konnte sich die Jury und der Automobilhersteller von Premiumfahrzeugen anscheinend nicht so recht anfreunden.

Enric Ruiz-Geli von Cloud 9 fordert »Barcelonas einfühlsames Auto«, ein Auto als Blase? Ausgangspunkt für seine Stadt der Zukunft ist sein Gebäude Media TIC, dessen mit Membrankissen bekleidete Fassade Teil eines komplexen Nachhaltigkeitskonzepts ist.

Bjarke Ingels hat sich mit seinem Team von BIG den Leipziger Platz in Berlin ausgewählt und stellt die Frage: »Wie wird der Aufstieg des elektrischen, schadstofffreien, geräuschlosen, und Fahrer losen Autos die Stadtlandschaft verändern?«.

Zhang Ke und sein Büro standardarchitecture setzen sich mit ihrer Heimatstadt Peking auseinander. Entsprechend der in Ringen ständig wachsenden Metropole schlagen sie einen ring aus U-Bahnen vor an dem entlang Hochhäuser stehen, mit »grüner Farbe,die Sauerstoff produziert.« Auf den Hauptringstraßen wird der Verkehr unabhängig von individuellen CO2 Emissionen gesteuert, individuelle Mobilität ermöglichen Blasen artige Fahrzeuge, in denen man sich zwischen den Hauptschlagadern der Stadt bewegen kann. Schließlich soll im Rahmen eines »Agri-Urbanismus« die LAndwirtschaft zurück ins Zentrum geholt werden.

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