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Aufbau von Chancenregionen in Afrika

Unter dem Motto „Globale Herausforderungen – Lösungen aus Deutschland“ des diesjährigen Außenwirtschaftstags Architektur, Planen und Bauen 2015, der Ende Januar in Berlin stattfand, wurde gemeinsam über mögliche Lösungsstrategien aus Deutschland für internationale Bauaufgaben diskutiert. Die Vorträge und Workshops stellen dabei die Zusammenarbeit der deutschen Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette Bau im Ausland dar und sollen enge Kooperation von Architekten und Ingenieuren mit der Bauwirtschaft und der Politik anregen. Fokusthemen waren in diesem Jahr unter anderem die „Nachhaltigkeit in China“ und der „Aufbau von Chancenregionen in Afrika“.

Haram City, Ägypten (Foto: Orascom Development Holding AG)

Der Workshop „Aufbau von Chancenregionen in Afrika“ wurde von der Bauingenieurin Prof. Dr.-Ing. Lamia Messari-Becker von der Universität Siegen geleitet. Laut Lamia Messari-Becker ist Afrika mehr als Armut, Hunger, Krieg und Epidemien; Afrika ist ein Kontinent der Chancen, dessen Wachstum schwindelerregend und kaum aufzuhalten ist. Es sei daher wichtig, den Weg einer nachhaltigen Partnerschaft zu suchen und ihn auch zu gehen. Die Deutschen, so Messari-Becker, können dabei wichtige Beiträge leisten. Auch Investitionen in Afrika, z.B. in Energieeffizienztechnologien, CO2-Minderung oder Klimaschutz können aufgrund des Wachstums ungleich höhere Wirkungen entfachen als dies jemals im Westen möglich sein wird.

Eröffnet wurde der Workshop von Holger Ziegeler, Leiter des Referats Außenwirtschaftsförderung in Ländern und Regionen im Auswärtigen Amt. Vertreter des Auswärtigen Amtes informierten über die Potenziale, Entwicklungen und Chancen im Kontinent Afrika sowie über Maßnahmen der Bundesregierung, den Zugang zum afrikanischen Markt für deutsche Akteure zu erleichtern. Sie verwiesen u.a. auf die erreichten Erfolge, z.B. zur Hermes-Deckung. So gibt es seit Dezember 2014 neue Deckungsmöglichkeiten für Kreditgeschäfte mit dem öffentlichen Sektor in Äthiopien, Ghana, Mosambik, Nigeria und Tansania sowie seit Januar 2015 in Kenia. Auch habe die Bundesregierung Interesse an einem nachhaltigen Infrastrukturaufbau in Afrika, so die Vertreter des Auswärtigen Amtes.

Der ägyptische Investor und Unternehmer Samih Sawiris, CEO und Verwaltungsratspräsident der Orascom Development Holding AG Kairo/Altdorf, der als prominenter Gast der Einladung von Messari-Becker folgte, berichtete aus seiner Perspektive über notwendige Maßnahmen in Afrika. Sawiris blickt auf fundierte Erfahrungen bei Großprojekten, u.a. des großflächigen Wohnungsbaus, zurück. Beispiele sind El Gouna in Ägypten, heute eine private und unabhängige Lagunenstadt mit rund 22.000 permanenten Einwohnern sowie Haram City in Kairo, eine Siedlung mit 50.000 Wohnungen für einkommensschwächere Bewohner der Stadt. Samih Sawiris – der derzeit im Herzen der Schweizer Alpen, in Andermatt eines der größten Tourismusprojekte Europas baut – plädierte in seinem Impulsvortrag beispielsweise bezüglich des deutschen Engagements in Ägypten für eine Neu-Priorisierung bei der Förderpolitik von Regierungen. Wohnungsbau, Schulbau und Bildungskooperationen nannte der Unternehmer als wichtige Bausteine für eine nachhaltige und stabilisierende Entwicklung Afrikas. 

Workshop „Aufbau von Chancenregionen in Afrika“ (Quelle: Till Budde, Berlin)

Weitere Teilnehmer der Diskussionsrunde waren Marie-Theres Deutsch, Architektin aus Frankfurt a.M., Olaf Hoffmann, CEO/ President der Dorsch Gruppe, Prof. Dr. Andres Lepik, Direktor des Architekturmuseums der TU München, Achim Becker, Leiter Business Development Julius Berger International und Heinz Rittmann von den baugewerblichen Verbänden. Sie alle sind Akteure, die über ihre Erfahrungen und Erwartungen berichtet haben. Im Workshop wurden die Potenziale des afrikanischen Bausektors erörtert und die Herausforderungen deutscher Unternehmungen im aufstrebenden Kontinent Afrika diskutiert.

Schätzungen zufolge wird bis ins Jahr 2050 eine Verdoppelung der Bevölkerung vorausgesagt. Dabei befinden sich sieben der zehn weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Afrika. Bis 2040 werden nach Schätzungen 1 Billion Euro (1000 Milliarden Euro) in den Ausbau von Kraftwerken und Leitungen investiert. Gegenwärtig leben dennoch rund 600 Millionen Afrikaner (ca. 70% der Bevölkerung) ohne Stromanschluss. Auf dem Kontinent ist daher ein großes Potenzial in den Bereichen Bau, Transport und Infrastruktur zu verzeichnen. Insbesondere in den Bereichen Versorgungs- und Dienstleistungen sowie erneuerbare und dezentrale Energietechnik besteht ein großer Bedarf mit entsprechenden möglichen Aufgaben für Architekten, Ingenieure, Planer und  Bauindustrie. Mit Unternehmungen in Afrika sind allerdings auch Risiken und Herausforderungen verbunden. Sicherheit und Stabilität sind deshalb wichtige Grundvoraussetzungen jeglichen Engagements. Dennoch sprechen die Zahlen eine andere (positive) Sprache. Die Zahl der Länder mit freien und demokratischen Wahlen nimmt zu. Es gilt wie für jeden anderen Markt auch: Man sollte sondieren und und klug wählen. Sprachliche, kulturelle und historische Barrieren erschweren den Zugang. Verbunden mit der internationalen Tendenz, Projekte größer auszuschreiben und kompakt zu vergeben, stellen diese Aspekte für die klein- und mittelständig geprägte deutsche Planungs- und Baulandschaft eine große Herausforderung dar.

Solarkiosk in Äthiopien von GRAFT (Foto: Georg Schaumburger)
Aufbau des Solarkiosks in Äthiopien von GRAFT (Quelle: GRAFT)

Einigkeit herrschte darüber, dass der Aufbau Afrikas keine Einbahnstraße ist, sondern einen bautechnologischen und baukulturellen Austausch mit dem Westen fördern kann. Für das Bauen in Afrika ist eine andere Haltung der Akteure erforderlich. Es geht nicht nur um Entwurf, Planung und Ausführung im klassischen Sinne. Vielmehr sind Architekten und Planer Katalysatoren der Bedürfnisse und der regionalen Möglichkeiten. Als Beispiel ist das Projekt Solarkioske in Äthiopien von Graft zu nennen. 

Da der Wissenstransfer bei der Gestaltung von außenwirtschaftlichen Beziehungen eine wichtige Rolle spielt, gehöre dieser in den Fokus der Maßnahmen zur Stärkung der Zusammenarbeit mit dazu. Entwicklungsfonds und KMU-Initiativen sind ebenfalls Maßnahmen, die den Marktzutritt erleichtern können. Und schließlich sei ein differenziertes Bild Afrikas, fern von Einzelerscheinungen, in den Medien von Nöten. Vorschläge rund um Unterstützungsmaßnahmen und Empfehlungen für die Politik wurden gemeinsam gesucht.

Organisierende Verbände und Institutionen: Holger Ziegeler (Auswärtiges Amt), Lamia Messari-Becker (Universität Siegen), Frank Kehlenbach (Geschäftsführer HDB), Gernot Reker (Präsident der AK Rheinland-Pfalz), Thomas Welter (Bundesgeschäftsführer BDA), Katrin Kandaouroff (ZDB), Staatssekretär Stephan Steinlein (Auswärtiges Amt), Constantin von Mirbach (Bundesgeschäftsführer BDIA), Thomas Krause (Vorsitzender LK Internationales Bauen, HDB), Christian Berger (Auswärtiges Amt), Volker Cornelius (Präsident VBI); (Quelle: Till Budde, Berlin)

Über den Außenwirtschaftstag Architektur, Planen und Bauen:
Der Außenwirtschaftstag wird durch einen Zusammenschluss der großen Verbände der Planungs- und Bauwirtschaft organisiert und ist ein branchenübergreifendes Netzwerktreffen erfahrener Unternehmer und Freiberufler aus dem Bereich des Planens und Bauens. Erfahrungen der außenwirtschaftlichen Tätigkeiten der Planungs- und Baubranche werden dargestellt, spezifische Problemlagen diskutiert und Lösungsansätze im Dialog mit den beteiligten Ministerien und der Politik erarbeitet.

Veranstalter: 
Auswärtiges Amt

Tragende Institutionen:
Bundesarchitektenkammer / Netzwerk Architekturexport NAX
Bund Deutscher Architekten BDA
Bund Deutscher Innenarchitekten BDIA
Hauptverband der Deutschen Bauindustrie
Verband Beratender Ingenieure VBI
Vereinigung freischaffender Architekten Deutschlands VfA
Zentralverband Deutsches Baugewerbe ZDB

Beteiligte Ministerien:
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Stichworte:
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