You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Aufbruch und Abschied: Krematorium in Amiens

Auch in Frankreich beschließen immer mehr Menschen, sich am Ende ihres Lebens einäschern zu lassen. Das alte Krematorium der nordfranzösischen Stadt Amiens konnte daher mit der Nachfrage nicht mehr mithalten und entsprach nach 42 Jahren auch nicht mehr modernen Emissionsstandards. Größer, sauberer und eingebettet in die Natur sollte daher der Neubau werden, den die Stadt nun an ihrem nordwestlichen Rand errichtet hat.

Der Neubau des Architektenteams PLAN01 – ein Zusammenschluss aus fünf Architekturbüros – kehrt dem Stadtgebiet demonstrativ den Rücken zu. Unweit des Kreisverkehrs an der Avenue de Grace erhebt sich der größte und einzig zweigeschossige Gebäudeteil, der die beiden Verbrennungsöfen sowie die Zufahrt für die Leichenwagen beherbergt. Zu seinen beiden Seiten sind die Parkplätze untergebracht.

Von dort aus führen Fußwege, teils auf Rampen geführt, in den derzeit noch etwas leer wirkenden Urnenhain. Wenn die Bäume erst herangewachsen sind, sollen sie eine grüne Barriere zwischen den Begräbnisfeldern und den Parkplätzen bilden und auch innerhalb des 2,3 Hektar großen Grundstücks unterschiedlich intime Bereiche voneinander abtrennen. Darüber hinaus wurden auf dem Areal zwei Kolumbarien mit je 50 Fächern errichtet.

Je nach Gemütslage und Mobillitätseinschränkung gelangen die Gäste auf unterschiedlichen Wegen durch den Park zum Haupteingang, der zentral an der Gebäuderückseite liegt. Das Krematorium ist so konzipiert, dass es prinzipiell zwei Trauergemeinden parallel beherbergen könnte. Um den gemeinsamen Eingang und die zentrale Halle gruppieren sich zwei kleine Warteräume sowie die beiden unterschiedlich großen Säle für die Bestattungszeremonien, die ihrerseits wiederum aus zwei Kreissegmenten zusammengesetzt sind. Nach der Bestattungszeremonie gelangen die Familien der Verstorbenen auf unterschiedlichen Wegen ins Freie; eine Begegnung zwischen ankommenden und sich verabschiedenden Gästen wird so vermieden.

Die Materialpalette in den Räumen ist hell und - trotz des vielen Betons – warm. Kreisrunde Oberlichter belichten die Halle sowie die beiden Säle, wobei Letztere zugunsten einer besseren Akustik Gipskartondecken erhielten. Die Wände bestehen aus profiliertem Ortbeton, der durch beigemischte Pigmente eine leicht goldgelbe Färbung erhielt. Fast Ton in Ton damit sind die Fensterrahmen aus goldfarben gestrichenem Aluminium gehalten. Transluzente Vorhänge schützen die beiden Säle vor zu viel Sonne und verwehren von außen den Blick ins Innere. Mit dichter gewebten, weißen Vorhängen lassen sich die Säle außerdem in der Mitte zweiteilen, in eine Hälfte für den Gottesdienst und eine zweite für das Beisammensitzen vor- und hinterher.

Kurze Werbepause

weitere Informationen:

Projektleitung: Clément Keufer
Bauunternehmer:
Léon Grosse
Tragwerksplanung:
Grontmij Sechaud Bossuyt
Energieplanung:
PLAN02
TGA-Planung:
Gem Matthews
Landschaftsarchitektur:
Sempervirens
Kosten:
4,8 Mio. €
Geschossfläche:
1285 m²

Aktuelles Heft

DETAIL 10/2017
DETAIL 10/2017, Mauerwerk

Mauerwerk

Zum Heft

Shop-Empfehlung

Anzeige