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Kirche von Espen Surnevik, Foto: Rasmus Norlander

Auferstanden in weißem Porzellan: Kirche von Espen Surnevik

„Reis opp – Steh Auf!“ nennen die Architekten das Gotteshaus, das sich an Stelle der niedergebrannten Holzkirche erhebt. Seine Tragstruktur aus Stahl ist innen und außen mit glänzend glasierten, weißen Porzellanfliesen verkleidet. Das ist nicht nur eine Referenz an die Farbe des Vorgängerbaus, sondern verweist auch auf die traditionsreiche Industrie der Stadt, in der schon seit dem 19. Jahrhundert Porzellan produziert wird.

Archaische Grabmale in Form von Obelisken auf dem historischen Friedhof, der die Kirche umgibt, inspirierten die Architekten beim Entwurf des Sakralbaus: Sie gruppieren elf kubische Raumkörper um den eigentlichen Kirchenraum. Diese verjüngen sich nach oben mit einer Neigung von 3,3 Grad. Ihre Höhen sind hierarchisch nach ihren Funktionen gestaffelt: Mit 34 m überragt der Kirchturm in Form eines schlanken Obelisken die anderen Volumina. Im zweithöchsten Körper ist der Altarraum untergebracht. Es folgt eine Doppelpyramide, die eine Kapelle beherbergt. In den sechs niedrigeren Kuben finden Orgel, Sakristei und weitere Nebenräume ihren Platz. Alle elf Räume sind statisch eigenständige Strukturen. Zwischen ihnen spannt sich die Decke des Langhauses auf. Oberlichter und Verglasungen verbinden die einzelnen Raumkörper miteinander und bringen Tageslicht in den Raum. Strahlend weißen Porzellanoberflächen reflektieren das Licht und schaffen eine erhabene, spirituelle Stimmung. Den Kontrast zur Verkleidung in kühlem, glattem Porzellan bildet Eichenholz. Das Wärme ausstrahlende Material ist Gestalt gebend für die nichttragenden Bauteile wie Trennwände, abgehängte Decken, Möbel und Türen.

Das Altarbild stammt von den Künstlern Marie Buskov und Espen Dietrichson: Das fast 7 x 5 m große Relief aus 236 Porzellanstücken in Weiß, Gold, Grün und Blautönen, erinnert an Licht, das durch eine Wolkendecke dringt. Diese Wirkung unterstützt Tageslicht das von oben die mit blauen, matten Mosaikfliesen verkleidete Chorwand streift. Obwohl die neue Kirche in Porsgrunn hauptsächlich aus einem traditionellen Kirchenraum besteht, kann dieser flexibel auch für eine Vielzahl von Aktivitäten genutzt werden. In seiner hellen lichtdurchfluteten Atmosphäre vermittelt das neue Gotteshaus Optimismus und Offenheit. Ein großes Fenster an seiner Eingangsfassade schafft einen Dialog zwischen dem Geschehen im Inneren und den Menschen draußen. Vielleicht dauert es einfach noch ein wenig, bis sich auch die Verfechter eines Wiederaufbaus der alten Kirche mit dem Neubau anfreunden werden.

Weitere Informationen:

Altarbild: Espen Dietrichson und Marie Buskov
TGA-Planung: Erichsen & Horgen
Bauunternehmen: Tor Entreprenør

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