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Bauen als Infektionsprävention

In den letzten Jahren haben Berichte über das zunehmende Auftreten von multiresistenten Keimen sowie einzelne Fälle mangelnder Hygiene das Vertrauen vieler Patienten in die deutsche Krankenhauslandschaft erschüttert. Zugleich entstand durch die letzte Änderung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2017 Handlungsbedarf. Somit sind Klinikbetreiber und -planer hinsichtlich der Thematik Krankenhaushygiene bei der Planung und Errichtung von Gesundheitsbauten stärker denn je gefragt.

Hilfestellung leistet die aktuelle BBSR-Broschüre »Zukunft Bauen – Bauliche Hygiene im Klinikbau«, die die Ergebnisse des interdisziplinären Forschungsprojekts HYBAU+ unter der Leitung von Wolfgang Sunder vom Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen der TU Braunschweig sowie Petra Gastmeier, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Berliner Charité, für Planer dokumentiert. Gemeinsam mit zahlreichen Klinikbetreibern, Architekten und Fachplanern, Materialherstellern und Ausstattern wurde untersucht, wie baulich-funktionelle Abläufe im Krankenhaus hygienesicher zu optimieren sind, welcher Materialeinsatz sinnvoll ist und wie letztendlich Gebäude und Funktionsstellen effizient, infektionsarm und nachhaltig strukturiert sein sollten.

Neben allgemeinen Empfehlungen oder Bewertungen von Material und Ausstattung widmet sich die Broschüre insbesondere den drei Bereichen höchster Hygieneanforderungen, nämlich Operation, zentrale Notaufnahme und Intensivstation. Detaillierte Schemata der Betriebs- und Prozessabläufe sowie standardisierte Idealgrundrisse dieser Zonen zeigen die neuralgischen Punkte des Infektionsschutzes im übergeordneten Maßstab auf. Materialkataloge, Einzelraumdarstellungen und Wandabwicklungen setzen die Empfehlungen im kleineren Maßstab fort. Beispielhaft sind hier bei der Großstruktur der getrennte Verkehrsstrom von Besuchern und Liegendkranken oder die Vermeidung von Wandversprüngen insbesondere ab einer Höhe von 2 Metern in der Raumgestaltung zu nennen. Eine Übersicht der geltenden Gesetze, Normen und Richtlinien im Gesundheitsbau sowie grafisch dargestellte Umfrageergebnisse zur derzeitigen baulichen Krankenhausstruktur in Deutschland runden den Leitfaden ab.

Zur Vermeidung von multiresistenten Keimen und nosokomialen Infektionen unternehmen Mediziner und Klinikverwaltungen höchste Anstrengungen. Die bauliche Prävention, so das Fazit der Studie, stand bisher jedoch nicht im Fokus. Dabei konnten Zusammenhänge zwischen der Anordnung, Aufteilung und Größe hygienerelevanter Bereiche einer Klinik und der Gefahr von Krankenhausinfektionen durchaus hergestellt werden. Schon allein die Anordnung und Anzahl der Spender zur Handdesinfektion kann zu einer verbesserten Infektionsabwehr beitragen. »Die Forschungsarbeit zeigt, dass Baukultur im Klinikbereich und Infektionsprävention Hand in Hand gehen müssen. Dank der vielen Praxispartner richten sich die Ergebnisse vor allem an Anwender«, resümmiert Robert Kaltenbrunner, stellvertretender Leiter des BBSR. Und führt den gedanklichen Ansatz fort: »Weitergedacht helfen die Erkenntnisse aber auch, über hygienerelevante Orte im großen Maßstab wie Flughäfen oder auch intensiv genutzte Stadträume nachzudenken«.

Bei aller Hygienesorgfalt und hochkomplexen Krankenhausplanung dürfen Architekten, Fachplaner und Betreiber jedoch nicht die wichtigste Funktion eines Gesundheitsbaus außer Acht lassen, Patienten zu untersuchen, zu behandeln und möglichst zu heilen.

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