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bautec 2018, Nachbericht, Bauen im Bestand, Vergangenheit mit Zukunft

Bauen im Bestand: Vergangenheit mit Zukunft

Im Rahmen eines Diskussionsforums unter dem Thema »Zukunft Bestand: Umbauen, Umnutzen, Umdenken« auf der bautec 2018 in Berlin stellten Jana Reichenbach-Behnisch (rb Architekten, Leipzig), Philip Norman Peterson (Holzer Kobler Architekturen GmbH, Zürich, Berlin) und Andreas Müsseler (Meili, Peter GmbH, Zürich, München) ihre Positionen zum Umgang mit unserem baulichen Erbe vor. Die Schwerpunkte der Referenten und ihrer Büros reichen von städtebaulichen Überlegungen bis hin zu konkreten Nutzungskonzepten einzelner Gebäudeteile. Allen gemeinsam ist eine spezielle emotionale Komponente, die viele Neubauprojekte vermissen lassen, und die durch die persönliche Auseinandersetzung mit dem Ort, der Nutzung, der Relevanz und der Historie des Gebäudebestandes entsteht.

Kreativ und wirtschaftlich
Jana Reichenbach-Behnisch ist freiberufliche Architektin in und aus Leipzig und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit einer kreativen Leerstandsaktivierung und der Umsetzung flexibler Nutzungskonzepte. Bestes Beispiel ist das Tapetenwerk, eine gründerzeitliche Fabrikanlage im Leipziger Westen, welche sie seit 2007 besitzt. Peu à peu wurde hierfür ein zum Gebäude passender Nutzungsmix entwickelt und umgesetzt: eine Manufaktur, Architekten und Designer, Künstler und Galerien sowie eine öffentliche Kantine beleben heute die historischen Räume und das Quartier. Dabei ist man weit entfernt von investitionsgetriebener »Wohlstandssanierung«, sondern setzt bewusst auf eine behutsame, niederschwellige Instandsetzung. Kaum ein Bauteil, das im Rahmen der Bestandsaufnahme nicht erfasst und für die Wiederaufbereitung und -verwertung vorgesehen wird. Dieses »geborgenen Gut« mit den tatsächlichen Nutzeranforderungen in Einklang zu bringen und einer neuen Verwendung zuzuführen ist eine zentrale Aufgabe für Jana Reichenbach-Behnisch. Kommunen und Vereine unterstützt sie dabei u.a. mit ihrem »Bauteilkatalog« – einer kostenfreien Broschüre zum Thema »Niederschwellige Instandsetzung brachliegender Industrieareale für die Kreativwirtschaft«. In der abschließenden Podiumsdiskussion mit allen Referenten machte sie zudem deutlich, dass ein solcher Ansatz keinesfalls auf die urbanen Zentren in Deutschland beschränkt ist, sondern dass sich gerade im ländlichen Raum ein enormes Potenzial an Gebäuden und Möglichkeiten eröffnet.

Identitätsstiftend und flexibel
Mit einem deutlich großmaßstäblicheren Ansatz ging Philip Norman Peterson in die Diskussion. Sein Schwerpunkt liegt in der Reaktivierung städtebaulicher Quartiere, deren Qualität er mit den drei Schlagworten Heterogenität, Identität und Authentizität charakterisiert. Nachhaltig und weithin wirksam sollen Eingriffe in bestehende Stadtstrukturen erfolgen, ohne dabei die Bedürfnisse der Menschen in ihrem direkten Umfeld aus dem Auge zu verlieren. Anhand von drei Projekten in Zürich, Thur und Cuxhaven sowie in der abschließenden Podiumsdiskussion machte Peterson seine Position deutlich: ergänzende Neubauten sollen aus dem jeweiligen Bestand heraus entwickelt werden, etwa durch das Aufgreifen von Maßstäblichkeiten oder Typologien, aber in Materialität und Erscheinungsbild eindeutig ihrem Zeitpunkt der Entstehung zuzuordnen sein. Flexible Nutzungskonzepte weisen darüber hinaus in die Zukunft.

Überlagerung vs. Ergänzung
Mit einem aktuellen Projekt aus München, in dem es um das zentrale Zusammenspiel von Bauherr, Behörde und Bestand geht, beendete Andreas Müsseler das Vortragsprogramm. Im Fokus stand eine Wohnsiedlung aus den 1950er Jahren, welche unter dem enormen Siedlungsdruck, dem sich München ausgesetzt sieht, nachverdichtet werden sollte. Überlegungen zur Qualität der Architektur der Nachkriegszeit sowie ein gewonnener Architekturwettbewerb sprachen zunächst für die Umsetzung des Entwurfs, der mit einer modifizierten städtebaulichen Struktur und der Co-Existenz der Neubauteile mit dem Bestand überzeugte. Und doch taten sich in der Folge Zweifel auf, ob nicht ein anderer Planungsansatz mit mehr Einfachheit und Modularität eine bessere Planungsgrundlage darstelle. Nicht immer scheint das Gleichgewicht aus Alt und Neu zu bewerkstelligen sein und auch die bewusste Überformung mit etwas Neuem kann einen kreativer Ansatz zum Umgang mit unserem baulichen Erbe darstellen.

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