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Hermann Kaufmann, HK Architekten, Interview

Bauen mit Laubholz: Hermann Kaufmann über Herausforderungen und Potenziale

Welches Potenzial hat Laubholz als Baumaterial?
Es ist eine Ressource, die heute größtenteils zur Fasergewinnung oder in der chemischen Industrie ihre Bedeutung hat und hauptsächlich energetisch verwertet wird, das heißt verbrannt. Laubholz wird noch zu wenig als Baumaterial genutzt. Die Buche wächst in großen Mengen in unseren Wäldern, sie ist die zweithäufigste Baumart überhaupt. Zwar gibt es weltweit in der Architekturgeschichte keine Beispiele für Laubolzkonstruktionen aus Buche. Doch mit der neuen Werkstoffentwicklungen wie Furnierschichtholz aus Buche ist ein Weg aufgezeigt, dass auch diese Holzart für den Holzbau eingesetzt werden kann. Die Fichte stirbt an bestimmten Standorten bedingt durch die Klimaveränderung aus. Insofern ist das Bauen mit Laubholz eine wichtige Zukunftsstrategie, um alternative Ressourcen zu erschließen. In einem Forschungsprojekt loten wir derzeit die Möglichkeiten aus, die Zwischenlagen von Brettsperrholzplatten mit Laubholz zu belegen. Das wäre der Durchbruch dafür, Laubholz in größeren Mengen im Bauwesen zu etablieren. Wir müssen die richtigen Wege einschlagen, dass die Explosion des Holzbaus nicht zu einer Übernutzung unserer Wälder führt und neue Ressourcen erschlossen werden.

Wie steht es um bautechnische Vorzüge von Laubholz?
Hartholz hat grundsätzlich eine sehr gute Druckfestigkeit, auch quer zur Faserrichtung. Das hat konstruktive Vorteile für tragende Bauelemente und ermöglicht, dass bei kraftschlüssigen Fügungen die Verbindungsmittel stark reduziert werden können. Insbesondere Fachwerke profitieren davon, sie sind wirtschaftlich interessant und können ähnlich schlank sein wie Stahl. Laubholz ist durch seine Härte schwieriger zu bearbeiten, teils gibt es auch die Werkzeuge dazu noch nicht, aber das wird sich sicher ändern. Aufpassen muss man auch bei den einzelnen Laubholzarten auf ihre Verträglichkeit in Bezug auf Feuchtigkeit. Buche quillt sehr schnell bei zu hoher Feuchtigkeit, und Durchnässungen sind unbedingt zu vermeiden denn sie beginnt sehr schnell zu quellen. Das spricht dafür, noch stärker vorzufertigen als bisher, um witterungsgeschützt bauen zu können.

Hermann Kaufmann
hat den Holzbau wie kaum ein anderer Architekt vorangebracht. Er studierte in Innsbruck und Wien. Seit der Gründung seines Büros HK Architekten in Schwarzach (AT) 1983 hat er mit seinem Team zahlreiche Bauten in Holzbauweise realisiert – in Europa und Übersee. Der Sohn einer Zimmermannsfamilie aus der Holzregion Vorarlberg unterrichtete in Österreich, Liechtenstein und Deutschland, zuletzt als Professor für Entwerfen und Holzbau an der Technischen Universität München. Er ist die treibende Kraft für viele Forschungsinitiativen, Ausstellungen und grundlegender Fachbücher zum Holzbau.

Ein ausführliches Interview mit Hermann Kaufmann finden Sie in Detail 6.2021.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
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