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Baukultur konkret

Das zugrundeliegende Forschungsvorhaben »Baukultur konkret« befasste sich von 2014 bis 2016 mit der Vielzahl der baukulturellen Aktivitäten in kleinen bis mittleren Städten und Gemeinden. Insgesamt wurden 40 Initiativen durch das Projekt unterstützt, drei Baukulturinitiativen in Bischofswerda, Baiersbronn und Dingden wurden zu Pilotprojekten und langfristig durch das Forschungsvorhaben begleitet. Ziel des Forschungsprojekts war es, das private und kommunale Planen und Bauen identitätsstiftend zu unterstützen. Lokale Initiativen wurden gefördert, vernetzt und erhielten durch kurze Aktionen der Experten vor Ort Hilfestellungen. Zum Einsatz kamen dabei Formate wie die Durchführung von Workshops, temporäre oder künstlerische Interventionen, die Hilfe bei der Einrichtung von Arbeitskreisen oder Gestaltungsbeiräten sowie Beratungsleistungen bei der medialen Aufbereitung, Netzwerk- und Pressearbeit. Auch die Art der baukulturellen Entwicklungsarbeit sowie ihre Akteure zeigten sich mannigfaltig: von der Gestaltung eines Dorfplatzes, über strategische Überlegungen zu Neubaugebieten oder Leerständen bis hin zu Experimenten mit partizipativen Planungsprozessen reichten die Aufgaben, während auf Akteursseite vom baukulturellen und planerischen Laien bis hin zum Experten alles vertreten war. Die Arbeit mit den Initiativen bestand aus jeweils vier Projektphasen, dem Kennenlernen, der inhaltliche Einarbeitung und Prozesskonzeption, einer zentralen Aktion oder Veranstaltung sowie der Ergebnisevaluierung. Um die Arbeit vor Ort durchzuführen wurde ein »Formate-Baukasten« erstellt, der 33 Instrumente und Methoden vorschlug, mit denen die Baukulturinitiativen vor Ort ihre Aktivitäten umsetzen konnten.

Parallel zur eigentlichen Studie entstand daraus die Publikation »33 Baukultur Rezepte«, die nun mit einem Augenzwinkern die 33 Vermittlungsformate in Rezeptform als baukulturelles Kochbuch präsentiert. Die Küchen-Metapher wurde dabei ganz gewusst gewählt: »Wir wollen zeigen, wie mit vielen Köchinnen und Köchen, mal mehr, mal weniger Zutaten, gemeinschaftlichem Engagement und kollektiver Begeisterung Baukultur entstehen kann.« Dabei machen die Autoren deutlich, dass ein reines Nachkochen der Rezepte nicht möglich ist, denn »die Suche nach der einfachen Formel, der schlichten Rezeptur zur Herstellung von Baukultur wird erfolglos bleiben, es gibt sie nicht. Im Gegenteil: Baukultur entsteht immer aufs Neue, individuell, spezifsch und lokal.«

Je nach Zielsetzung, Ort und Anlass muss jeder Akteur seine eigene Komposition finden. Die Rezepte enthalten Angaben zu Beteiligten (dem Küchenpersonal), zu den Werkzeugen, Materialien und Räumen (den Zutaten), der Zeitplanung (der Vorbereitung) und den Vorgehensweisen und Abläufen (der Zubereitung) der unterschiedlichen baukulturellen Formate. Klassisch unterteilt in Vor-, Haupt- und Nachspeisen reicht das Repertoire von öffentlichen Aktionen und Exkursionen über Ausstellungen bis hin zu offenen Werkstätten oder Beratungsangeboten und richtet sich mit seinen übertragbaren Impulsen an alle, die sich für ihren Ort engagieren wollen. »Unser Rezeptbuch zeigt, dass viele oft auch unkonventionelle Wege das Gespräch in den Gemeinden über Baukultur beleben – und damit den Mehrwert qualitätsvoller Architektur und von Freiräumen deutlich machen. Attraktive Orte stiften Identität, gerade in ländlichen Räumen«, beschreibt Karin Hartmann, BBSR.

Und richtig, das gewählte Kochbuchformat mag Planern vielleicht wirklich zunächst sehr unkonventionell erscheinen und dem Thema als Sach- und Nachschlagebuch nicht auf Anhieb gerecht werden, dennoch gibt die Publikation einen gut gebündelten Überblick über die Bandbreite der zur Verfügung stehenden Formaten und deren Anwendung. Das Thema der partizipativen Bürgerbeteiligung und deren Umsetzung ist für viele Akteure Neuland – auch für die meisten Planer. Das Rezeptbuch kann also als informative Ideenquelle verstanden werden. Es richtet sich an alle Akteure gleichermaßen – den Profis aus der Baubranche, den Organisationsteams, den heimatverbundene Ehrenamtliche oder den Kulturaktivisten. Sie alle fördern eins ganz konkret: unsere Baukultur.

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