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cityförster architecture + urbanism, Hannover, Recycling

Bauteilernte aus der Region: Recyclinghaus in Hannover

Fensterelemente und Faserzementplatten aus einem ehemaligen Jugendzentrum. Profilbauglas, von einer stillgelegten Lackiererei und Holzleisten von den Saunabänken eines Sportzentrums. Statt als Bauschutt zu enden, fanden diese Bauteile neue Verwendung an der Fassade des experimentellen Einfamilienhauses bei Hannover. Architekt und Bauherr haben sich zur Aufgabe gemacht, bei diesem Projekt  soweit möglich gebrauchte Bauteile und recycelte Materialien zu verwenden. „Bauteilernte“ nennt das Projektteam die Beschaffung der Baustoffe. Auch die Transportwege wurden kurzgehalten: Die abgebauten Elemente und Materialien stammen alle aus der Region Hannover.

Entstanden ist ein Massivholzbau mit einer markanten Fassade, die in Bänder aus schwarzen Faserzementplatten und Profilglas gegliedert ist. Den wettergeschützten Bereich verkleiden Leisten aus hellem Holz, das von ehemaligen Saunabänken stammt. Es soll noch immer ein zarter Eukalyptusduft von ihnen ausgehen, erzählen Besucher. Im Erdgeschoss befindet sich die offene Wohnküche. Der mit einem Opus-Signium-Terrazzo belegte Boden enthält Fragmente und Splitt von Abbruchziegeln einer alten Scheune. Aus derselben Quelle stammt auch das Sichtmauerwerk der Zwischenwände im Erdgeschoss. Eine doppelflügelige Eingangstür, die einst der Zugang zu einem Bauernhaus war, haben Handwerker überarbeitet und zu zwei raumhohen Innentüren umgearbeitet. Im Obergeschoss führt ein lichtdurchfluteter Flur zu den Schlafräumen. Dekorspanplatten, die eine Messefirma abzugeben hatte, bilden hier die Beplankung der leichten Trennwände oder wurden zu Einbauschränken. Ein Mosaik aus Kronkorken ziert in den Bädern die Wand über den Waschbecken, die der Bauherr gebraucht in der Bauteilbörse Hannover erstehen konnte.

Die Planung des ungewöhnlichen Projekts nahm drei Jahre in Anspruch und erforderte viel Flexibilität. Oft musste auf das Angebot der Bauteile spontan reagiert werden, die Detailplanung lief zeitgleich zum Bauprozess und so wurde der vorgefertigte Massivholzbau quasi „um die Fenster herumgeplant“, wie Nils Nolting von cityförster erzählt.
Dass es für gebrauchte Bauteile oft keine Normen und Zulassungen gibt, machte das Vorhaben nicht leichter. Von der Idee, den Rohbau aus gebrauchten Stahlteilen einer Lagerhalle zu erstellen, kamen die Planer daher ab, da die tatsächliche Tragfähigkeit der Träger einzeln nachgewiesen werden müssten.

Wirtschaftlich günstiger ist das Bauen mit wiederverwendeten Bauteilen nicht. Der Zeitaufwand für Materialrecherche, der vorsichtige Ausbau und die Aufbereitung der Bauteile ist teuer. Das Pilotprojekt Bauen mit gebrauchten und recycelten Materialien ist dennoch gelungen. Auch wenn das Recyclinghaus nicht in Serienproduktion gehen kann,  
möchte der Bauherr der Verwendung von Recyclingmaterial und ressourcenschonendem Bauen bei künftigen Projekten mehr Beachtung schenken.

Über das Projekt berichten wir in Detail 6.2021.

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