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Behutsame Bibliotheks-Ergänzung für das Augustinerkloster zu Erfurt

Alle Fotos: Thomas Weiß, Erfurt

Das Augustinerkloster zu Erfurt gehört heute zu den bedeutendsten Lutherstätten in Deutschland. Die Entscheidung für den Wiederaufbau der denkmalgeschützten Ruine der Klosterbibliothek, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, fiel schon im Jahre 2004. Im Rahmen eines Wettbewerbs setzte sich der Entwurf des Architekturbüros Junk & Reich durch. In Anlehnung an die Geometrie des gotischen Baus – doch ohne einen Versuch der architektonischen Rekonstruktion – wurden auf dem Gelände der Klosteranlage die historische Bibliothek und die »Waidhäuser« genannten Lagerhäuser wiederaufgebaut. Das Architekturbüro wurde für dieses Projekt mit dem »Staatspreis für Architektur und Städtebau« des Landes Thüringen ausgezeichnet.
 
Den ersten Bibliotheksbau an dieser Stelle kannte vor über 500 Jahren Martin Luther selbst: im Jahre 1505 trat er dem Augustinerorden bei und lebte bis 1511 als Mönch in der Klosteranlage zu Erfurt. Das Kloster stand schon früh unter dem Einfluss der Reformation und erlebte eine bewegte Geschichte. Es wurde säkularisiert und diente im Verlauf der Jahrhunderte unter anderem als Waisenhaus, Ratsgymnasium, evangelische Bibliothek und Martinsstift. Seine historische Büchersammlung wurde im Zuge der Reformation zum größten Teil zerstört. Doch 1646 richteten die evangelischen Pfarrer Erfurts im ehemaligen Dormitorium des alten Klostergebäudes eine neue Bibliothek ein, die heute mit etwa 60000 Bänden zu den wichtigsten kirchlichen Sammlungen in Deutschland gehört.

Eine 30 cm hohe, verglaste Horizontalfuge zwischen den mittelalterlichen Grundmauern und dem Wiederaufbau trennt und verbindet zugleich das historische und das neue Bibliotheksgebäude. Um die neue Bibliothek über der Ruine »schweben« zu lassen, war eine umfassende, anspruchsvolle statische Planung notwendig. Gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Trabert und Partner fanden die Architekten eine elegante Lösung. Das mächtige Bestandsmauerwerk aus Bruchstein ermöglichte es, den Neubau auf mittig gesetzten Mikrobohrpfählen zu gründen. Die sichtbare Kante zwischen den beiden Bauwerken dokumentiert in gewisser Weise die 65 Jahre, die zwischen der Zerstörung und dem Wiederaufbau liegen. Ein an der Nordseite ergänzter, frei stehender Erschließungsriegel, an beiden Längsseiten komplett verglast, gibt den Blick frei auf die wenigen noch erhaltenen historischen Gewände und Mauerreste, die in den Entwurf integriert wurden. Die glatten Glasflächen dieses Riegels spiegeln sich in der planen Oberfläche des Daches wider.

Die Schaffung einer homogenen Außenhaut war Teil des Entwurfskonzepts. Dazu gehörten auch die Idee einer flächenbündigen Dachaufsicht ohne sichtbare Aufbauten sowie der nahtlose Übergang zwischen Dach und Fassade. Ein Dreigelenkrahmen aus Leimholzbindern bildet dabei das Grundgerüst des Dachs. Die Verbundplatte »VMZ Composite« von VMZinc, ausgeführt als Kassettensystem, kam auf 615 m² zum Einsatz. Die Konstruktion wurde mit Einzelzulassung für die Fassade und das Dach des Bibliotheksneubaus realisiert. Durch die hohe Festigkeit bei geringem Gewicht bietet das Composite-System laut VMZinc eine Vielzahl architektonischer Möglichkeiten – und das auch für die »fünfte Fassade« eines Gebäudes. Die Verbundplatten be­stehen aus zwei vorbewitterten Titanzink­blechen mit 3 mm starkem PE-Kern. Kom­biniert wurde das System als Dachbekleidung mit einem wasserführenden Unterdach aus Kalzip-Sandwichelementen

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 5/2012

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