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Ruhrgebiet, Nachkriegsarchitektur, Big Beautiful Buildings

Big and Beautiful: 
Großbauten der Nachkriegszeit neu entdeckt

Besonders dezent tritt das Projekt »Big Beautiful Buildings« von StadtBauKultur NRW und TU Dortmund nicht gerade in Erscheinung: Übermannshohe goldene Lettern aus Klebefolie lassen die Initiatoren an ausgewählten Nachkriegsbauten rund um das Ruhrgebiet anbringen. Gern direkt an die Fassade, über oder neben dem Haupteingang.

Keine falsche Bescheidenheit – mit diesem unausgesprochenen Leitsatz entspricht Big Beautiful Buildings zum einen dem Geist der Ära, in der die Gebäude entstanden sind, und zum anderen der eigenen Zielsetzung. In der Fachwelt sei der Wert der Nachkriegsarchitektur längst unumstritten, so Tim Rieniets, Geschäftsführer der vom Land Nordrhein-Westfalen finanzierten Initiative StadtBauKultur NRW. In der Bevölkerung ist meist das Gegenteil der Fall – und das findet Rieniets einigermaßen bizarr. Denn die Ära, in der die nun ausgezeichneten Gebäude entstanden, die Wirtschaftswunderjahre der 60er und 70er also, sind im kollektiven Gedächtnis der deutschen Gesellschaft ja eigentlich positiv konnotiert.

Anlässlich des europäischen Kulturerbejahrs 2018 soll »Big Beautiful Buildings« nun dazu beitragen, dass dieses Fremdeln mit dem eigenen baulichen Erbe langsam nachlässt. Rund 400 potenzielle Kandidaten für eine Auszeichnung hat die Initiative sondiert, 200 davon schließlich ausgewählt, die auf der Website des Projekts veröffentlicht werden sollen. Etwa 60 sind dort schon zu finden. Manche davon haben Fotografen im Auftrag der Landesinitiative neu dokumentiert. Dazu zählen bekannte Beispiele wie die Ruhr-Universität Bochum, die Essener Grugahalle oder Hans Scharouns wegweisende Schulbauten in Marl und Lünen. Aber es gibt auch viel Neues zu entdecken wie etwa vier eigenwilligen Hügelhäuser, die Peter Faller, Roland Frey, Claus Schmidt und Hermann Schröder zwischen den 60er- und 80er-Jahren in der Retortenstadt Marl am Nordrand des Ruhrgebiets bauten.

Die visionäre Kraft dieser Bauten begeistert bis heute, ihre Bewohner und Nutzer wissen sie zu schätzen – Zeit also, dass eine breitere Öffentlichkeit dies auch tut. Doch natürlich gibt es auch ungelöste Problemfälle, wie Tim Rieniets berichtet. Der Wohnkomplex »Habiflex« in Dorsten etwa galt mit seinen 40 Wohneinheiten einmal als Paradebeispiel für anpassungsfähiges Wohnen im Baukastenprinzip. Heute steht Habiflex leer, die meisten Fensteröffnugen sind zugemauert, und unlängst war der ganze Gebäudekomplex im Internet für einen Euro zum Kauf angeboten. Wertschätzung ist also nicht das Einzige, was die Nachkriegsmoderne an der Ruhr zum Überleben braucht. In vielen Fällen müssen Millionen Euro an Sanierungsgeldern hinzukommen.

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