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BIM-Studie zu digitalen Planungs- und Fertigungsmethoden

Ziel der Online-Befragung war es, den Ist-Zustand hinsichtlich eingesetzter Planungs- und Fertigungsmethoden zu erfragen und aktuelle Probleme in den Bauprozessabläufen zu eruieren. Um Schnittstellenprobleme zwischen den unterschiedlichen Gewerken identifizieren zu können, waren neben Planern und Fachplanern ausdrücklich auch Ausführende und Subunternehmer, die im Bauprozess integriert sind, zur Teilnahme eingeladen. Insgesamt nahmen 378 Befragte an der Umfrage teil, davon etwa dreiviertel Planer, also Architekten, Fachplaner und Generalunternehmer. Etwa 60% der Teilnehmenden arbeiten in kleineren Unternehmensstrukturen mit maximal 10 Mitarbeitern.

Planungsmethode BIM und Datenaustausch
Die Ergebnisse zeigen, dass die Planung mit Gebäudeinformationsmodellen noch längst nicht im Alltag von Planungsbüros verankert ist. Die meisten Büros sind mit 2D-Dateien und Papierplänen zufrieden und sehen auch keinen Anlass sich mit anderen Planungsmethoden zu befassen. Zum einen sind umfassende Informationen zur Planungsmethode BIM und deren Vorteile relevant, zum anderen wird ersichtlich, dass rechtliche Aspekte unzureichend gelöst sind, die HOAI angepasst werden und das Vorgehen mit der Planungsmethode normiert werden muss. Weiterhin könnte man Partnering-Modelle, die auch in öffentlichen Projekten die frühzeitige Zusammenarbeit aller Gewerke ermöglichen, mehr publik machen. Befragte Fachplaner, Wissenschaftler und Ausführende finden es zielführender früher in Bauvorhaben integriert zu werden.

Fertigung von Bauteilen und Schnittstellenprobleme
Fast 60 % aller Befragten bestätigen, dass es aufgrund unterschiedlicher Software und fehlender Austauschformate zu Schnittstellenproblemen zwischen den an der Planung, Ausführung und Fertigung beteiligten Partnern gibt. Diesen Aspekt beklagen vor allem 86 % der Zulieferer und alle Bauhandwerker. Nur 2,6 % aller Befragten verwenden das Austauschformat IFC. Für keinen der Befragten erfüllt dieses Format die inhaltlichen und formalen Anforderungen zu 100%.

Meinungen zur Planungsmethode BIM und Erfahrungen mit Gebäudeinformationsmodellen
Nur 6 % der Befragten sind der Meinung, dass die Abgabe von digitalen Gebäudeinformationsmodellen vom Gesetzgeber vorgeschrieben werden sollte. Lediglich 10 % sehen das Potential, dass der hohe Informationsgehalt des Gebäudemodells genauere Betrachtungen und Simulationen ermöglicht, wodurch kostenintensive Änderungen und Anpassungen vermieden werden. Fast die Hälfte der BIM-Nutzer bestätigen eine bessere und transparentere Kommunikation im Planungs- und Bauprozess sowie ein bessere Kostenkalkulation und Projektcontrolling. Auch herrscht generell eine größere Datengenauigkeit und Mehrfacheingaben entfallen. Im Allgemeinen können Projekte besser geplant werden, finden 40 % der Teilnehmer.

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Zentrale Botschaft der Ergebnisse und offene Fragen
Von der durchgängig digitalen Prozesskette liegt man in der Praxis noch weit entfernt. Die Bereitschaft neue Planungsmethoden einzuführen ist auch nicht wirklich hoch. Die meisten Berfragten sehen keinen Grund mit Gebäudeinformationsmodellen zu arbeiten oder sie assoziieren BIM mit hohen Softwarekosten, die sich die überwiegend kleinstrukturierte Planerlandschaft nicht leisten kann. BIM könnte in Zukunft eine Hürde darstellen, vor allem wenn es bei öffentlichen Aufträgen gesetzliche Vorschriften diesbezüglich geben sollte. Eine drastische These wäre, dass die kleinen Büros entweder lernen mit BIM umzugehen oder nicht länger wettbewerbsfähig sind. Generell fehlen softwareunabhängige Informationen zur Planungsmethode BIM und deren Vorzüge. Obwohl jeder Fünfte Befragte bereits mit Gebäudeinformationsmodellen arbeitet, nutzt kaum einer das Potential der 4D- und 5D-Planung. Die bisherigen BIM-Nutzer bearbeiten vor allem Großprojekte. Weiterhin fehlen zur durchgängig digitalen Bauprozesskette passende und informationsverlustfreie Austauschformate. Rechtliches wie Haftungsfragen sowie Urheber- und Nutzungsrechte müssen geklärt werden. Das Planen und Ausführen mit der BIM-Methode muss reglementiert werden. Hierzu hat sich ein DIN-Normungsausschuss seit Januar 2015 formiert. Weiterhin ist die Frage, inwieweit sich die HOAI ändern muss, da insbesondere der Zeitaufwand mit der Planungsmethode BIM zu Beginn höher, in späteren Leistungsphasen aber geringer ist. Die Benefits und zusätzlichen Vermarktungspotentiale müssen klar herausgestellt werden.

Ausblick
Die Autoren der Studie Steffen Braun, Dr. Alexander Rieck, Carmen Köhler-Hammer vom Innovationsnetzwerk FUCON 4.0 zeigen sich davon überzeugt, dass sich der Bauprozess von der Planung bis zur Realisierung durch folgende Methoden optimieren lässt: Durch frühzeitige Integration von Fachinformationen (Frontloading) wie Materialeigenschaften, Lieferbedingungen, Fertigungsspezifikationen und daraus resultierende Kosten in ein regelbasiertes Mastermodell, stellen sich in einem iterativen Prozess schrittweise Optimierungen ein (z.B. kosteneffiziente Bauteilgrößen in Abhängigkeit von Fertigungsinformationen und Logistik, Tragkonstruktion in Abhängigkeit von der verfügbaren Stahlgüte etc.). Das Frontloading ist auch in öffentlichen Projekten durch Partnering-Modelle möglich.

Download der vollständigen Studie

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