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Hölderlinhaus in Lauffen am Neckar, VON M, Foto: Zooey Braun

Blick in die Vergangenheit: Hölderlinhaus in Lauffen am Neckar

Ob Friedrich Hölderlin tatsächlich in dem zum Museum umgestalteten Haus geboren ist, ist nicht belegt. Sein Großvater und sein Vater waren Verwalter des benachbarten Klosters, dessen Mauer das Grundstück im Westen begrenzt. Im Gebäude, das heute sein Geburtshaus genannt wird, lebten Hölderlins Tanten. Sicher ist, dass seine Mutter zwei Jahre nach der Geburt des Lyrikers, als junge Witwe, mit ihren drei Kindern dorthin umgezogen ist und der kleine Friedrich dort bis 1774 seine frühe Kindheit verbrachte.

Das barocke Wohngebäude mit angebauter Scheune haben Von M Architekten behutsam saniert und das Ensemble um drei neue Baukörper erweitert. Ihre Materialien – Stahl und Sichtbeton – grenzen die Neubauten deutlich von den Bestandsgebäuden ab und verorten sie in der Gegenwart. Im Süden nimmt ein kleines Technikgebäude die Baulinie auf. Seine Fassade aus Sichtbeton ist vertikal strukturiert um die anfallenden Verschmutzungen durch seine Lage unmittelbar an der Straße dauerhaft zu kaschieren. Im Norden setzt ein dreigeschossiger Bau mit Treppenhaus und Aufzug die Kubatur der alten Scheune fort. Westlich davon ist ein weiterer, eingeschossiger Flachbau entstanden. In ihm sollen künftig Wechselausstellungen und Veranstaltungen stattfinden. Er öffnet sich über seine gesamte Breite zum Innenhof, dessen Mittelpunkt eine neu gepflanzte Linde bildet.

In der ehemaligen Scheune befindet sich der Eingang zum Museum. Ihn erreichen die Besucher entweder direkt über die ehemalige Zufahrt und den Hof oder barrierefrei über eine Rampe. Sie führt östlich am Gebäude vorbei in das neue Treppenhaus. Im Eingangsfoyer, das sich in der Scheune des Bestands befindet sind Reste der Klostermauer von 1560 erhalten. Die geöffneten Zwischendecken geben den Blick bis in den Dachstuhl frei. Zwei Stege aus Cortenstahl durchqueren den offenen Raum und führen im Obergeschoss vom Treppenhaus in den Wohntrakt. Hölderlins typische Wortschöpfungen hängen in Leuchtschrift von der Decke und begleiten die Besucher auf ihrem Weg zur Ausstellung im sanierten Wohnhaus.

Um den Besuchern einen möglichst plastischen Blick in die Vergangenheit des Hauses zu bieten, ließen die Planer an exemplarisch ausgewählten Wänden die unterschiedlichen Zeitschichten der Wandbeläge sichtbar. Ein Leit- und Orientierungssystem in Form von pultartigen Aufstellern erlaubt es den denkmalgeschützten Gebäudebestand weitestgehend unangetastet zu lassen. In vier Wohnräumen präsentiert die Ausstellung den Menschen und Dichter Hölderlin. Die Besucher sollen dabei nicht „auf den Dichter schauen, sondern aus ihm heraus“. Kuratoren und Ausstellungsgestalter lassen deshalb den Lyriker in seinen eigenen Briefen selbst zu Wort kommen oder stellen seine zerrissene Persönlichkeit mit Hilfe von zweiseitig begehbaren Kulissen dar.

Weitere Informationen:

Bauaufnahme, Bauhistorische Untersuchung, Planung Bestand LPH 1-3: strebewerk Architekten

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