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Shau Architecture and Urbanism, Bandung, Microlibrary, Bandung, Indonesien, Foto: Sanrok Studio

Bücher als Fenster zur Welt: Microlibrary Bandung

An einem kleinen Platz zwischen Mittelklassebebauung und einfacherer Wohnarchitektur ergänzt die Bibliothek eine bereits bestehende und vom Viertel vielfach für kleinere Events und Aktivitäten genutzte Bühne. Dabei galt den Architekten die Prämisse, die vorgefundene Situation zu ergänzen und zu optimieren, den öffentlichen, gut angenommen Raum aber nicht grundlegend zu verändern.

Ausdrucksstark schwebt die eigentliche Bibliothek nun als Stahlskelettkonstruktion über der Bühne. Gleichzeitig bildet sie ein Dach, das vor Regen und zu starker Sonne schützt. Die Bühne erhält dadurch eine zusätzliche räumliche Fassung, der Platz eine weitere Bedeutung: Neben Feierlichkeiten und Veranstaltungen kommt man nun auch zum Lesen und Studieren.

Die bestehende Bühne ist mit Beton nachbearbeitet und um eine Treppe ergänzt, die nun in die neue Stahlkonstruktion hineinwächst und Alt und Neu miteinander verbindet. Alle horizontalen Bauelemente wie Boden, Decke und Bühne sind in Beton gehalten. Schlanke, vertikale Stahlelemente lenken den Fokus auf die ausgefallenen Fassadenelemente. Um behagliche Temperaturen im Innenraum auch ohne eine aufwändige und teure Lüftungstechnik zu bewerkstelligen, entwarfen die Architekten eine Sonnenschutzfassade aus alltäglichen, lokalen und sehr preiswerten Materialien. Die Lösung besteht aus 2000 kleinen, bereits gebrauchten, weißen und transluzenten Eispackungen, die ohnehin in großen Mengen verkauft werden. Diese kostengünstige Umhüllung ist nicht nur einfach zu ver- und bearbeiten, sie kann außerdem natürlich belüftet und belichtet werden. Befestigt sind die kleinen Kunststoffeimerchen zwischen Stahlrippen, die von Decke zu Boden spannen und – nach außen geneigt – zudem den Regen abweisen. Für stärkere tropische Regenfälle können innenliegende Schiebetüren temporär geschlossen werden.
Hinter den offenen und geschlossenen Elementen der Fassade übermittelt eine Zahlenreihe außerdem eine binär verschlüsselte Botschaft des Bürgermeisters: »buku adalah jendela dunia« – Bücher sind die Fenster der Welt.
Die Fassade untermauert damit nicht nur den Anspruch des Gebäudes, sie kreiert auch ein atmosphärisches Lichtspiel im Inneren der Bibliothek. Als eine Art natürliche »Glühbirnen« tragen die transluzenten Boxen ein diffuses, milchiges und warmes Licht in den Innenraum ohne dabei zu blenden. Für das Lesen und Lernen kann dieser ebenso flexibel für kleinere Veranstaltungen oder Schulungen genutzt werden.

Stolz soll der neue Ort die Nachbarn machen und ihnen eine Räumlichkeit zur Verfügung stellen, die sich gesellschaftlichen Problemen annimmt. Alle Aktivitäten und Lehrveranstaltungen werden unterstützt und organisiert von Dompet Dhuafa, »Pocket for the Poor« und der Indonesischen »Diaspora Stiftung«. Ziel soll es dabei sein die Nachbarschaft selbst über Inhalte, aber auch über die Instandhaltung des Gebäudes entscheiden und so einen ganz persönlichen Ort der Gemeinschaft, des Wissens und des Austauschs entstehen zu lassen.

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weitere Informationen:

Planung: Florian Heinzelmann, Daliana Suryawinata, Yogi Ferdinand with Rizki Supratman, Roland Tejo Prayitno, Aditya Kusuma, Octavia Tunggal, Timmy Haryanto, Telesilla Bristogianni, Margaret Jo
Grafikdesign: Nusae
Ausführung: Yogi Pribadi, Pramesti Sudjati
Sponsoren: Dompet Dhuafa & Indonesian Diaspora Stiftung

Größe: 160 m² (inkl. Bühne)
Baukosten: 35.000 Euro

Fotos: Sanrok Studio

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