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Campus mit Star-Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien

Nach nur vier Jahren Bauzeit eröffnete Anfang Oktober 2013 der neue Campus der Wirtschaftsuniversität in Wien. Nach dem Masterplan des Wiener Büros BUSarchitektur entstanden sechs Gebäudekomplexe, geplant von sechs verschiedenen internationalen Architekten. Sie bieten insgesamt rund 100.000 Quadratmeter Nettonutzfläche für Hörsäle, Seminarräume, Mensa, Sportmöglichkeiten, Büros und Aufenthaltsflächen. Das besondere an dem Projekt: Sowohl die Zeitpläne, als auch die Kosten von rund 492 Millionen Euro konnten eingehalten werden.

Architekten:
No.MAD Arquitectos, CRABstudio Architects, Estudio Carme Pinós, Zaha Hadid Architects, BUSarchitektur, Atelier Hitoshi Abe
Standort: Welthandelsplatz 1, A-1020 Wien

Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Foto: BOAnet.at

Der neue Campus entstand auf dem früheren Weltausstellungs- und Messegelände in Wien Leopoldstadt, von dem gut 90.000 Quadratmeter freigemacht und der WU zur Verfügung gestellt wurden. Die Masterplanung vom Wiener Büro BUSarchitektur legte die Infrastrukturplanung und Freiflächengestaltung fest. Demnach wurde die neue WU nicht in Instituts-, sondern in Departmenteinheiten gegliedert. Jedes dieser Departments hat nicht nur eine ganz eigene architektonische Identität, sondern ist auch komplett eigenständig mit eigenem Eingangsbereich ausgestattet. 

Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Lageplan WU Campus Wien<br> 1: Gebäude der WU Executive Academy / No.MAD Arquitectos<br>2: Department- und Verwaltungsgebäude / CRABstudio Architects<br>3: Departmentgebäude / Estudio Carme Pinós<br>4: Library & Learning Center / Zaha Hadid Architects<br>5: Hörsaalzentrum / BUSarchitektur<br>6: Gebäude für Departments und externe Dienstleister / Atelier Hitoshi Abe

Der Campus-Charakter des Geländes wird wesentlich durch die großzügigen Außenanlagen kreiert. Ein Boulevard führt durch das Areal. Wasserflächen, Sitzgelegenheiten, Wiesen und Ginkobäume sorgen für eine entspannte Atmosphäre. Zwei Buchgeschäfte, fünf Cafés, ein Biergarten, ein Lebensmittelgeschäft, eine Bäckerei, ein Restaurant, die Mensa sowie ein Sportzentrum und ein Kindergarten garantieren eine umfassende Versorgung direkt am Campus. Die Freiflächen und Erdgeschosse sind öffentlich zugänglich.

Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Foto: BOAnet.at

1. Gebäude der WU Executive Academy / No.MAD Arquitectos
Als Kopfgebäude des Campus gilt die Executive Academy am westlichen Eingang der Anlage. Das Gebäude ist als siebengeschossiger kompakter Turm ausgebildet und folgt dem Gestaltungsprinzip der Monomaterialität. Die Außenfassade ist aus Glas und Aluminium errichtet und ist in Abstufungen von opak bis transparent lichtdurchlässig. Von den oberen Geschossen bietet sich ein spektakulärer Ausblick auf die Wiener Innenstadt und den nahe gelegenen Prater. Die Anordnung der Fenster scheint willkürlich, folgt jedoch einem bestimmten Algorithmus.

Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Foto: Roland Halbe

Funktional ist das Gebäude in drei Bereiche gegliedert:
Vier Geschosse werden als Bürofläche mit Arbeitsplätzen im Open Space genutzt.
Die obersten Ebenen stehen den Studierenden als Lehr- und Selbststudienbereich zur Verfügung.
Im Erdgeschoss befindet sich eine multifunktionale Veranstaltungsfläche, die durch flexible Abtrennungen für Events unterschiedlichster Art genutzt werden kann. Das Gebäude beherbergt weiters zwei öffentlich zugängliche Gastronomiebetriebe, ein Café mit großzügiger Terrasse im Erdgeschoß und ein Restaurant mit Bar im Dachgeschoss. 

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Erdgeschoss, Grafik: No.MAD Arquitectos
Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
2. OG, Grafik: No.MAD Arquitectos
Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
5. OG, Grafik: No.MAD Arquitectos
Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Foto: Roland Halbe

2. Department- und Verwaltungsgebäude / CRABstudio Architects
Der Gebäudeteil D3, von Sir Peter Cook und seinem Londoner CRABstudio entworfen, stellt ein organisches Gebilde dar, das sich vom westlichen Zugang bis hin zum Zentrum des Campus erstreckt und um mehrere Höfe windet. Die entstandenen Durchgänge, Nischen, Terrassen, Atrien, Freiräume bieten Sitzgelegenheiten und Ausblicke auf den grünen Prater. Direkt nebenan entstand das Gebäude AD, dass die Verwaltung der WU beherbergt.

Die Erdgeschosse beider Gebäude haben geschlossene Fassaden mit minimierten Fensteröffnungen – mit Ausnahme der Lesebereiche in der Bibliothek, der Lounge im Seminarraumbereich und der Bäckerei, die voll verglast sind. Die Obergeschosse sind durch Fassadenbänder, farblich abgestuft von dunklem Orange bis zu hellem Beige strukturiert. Diese Farbigkeit setzt sich auch in den Innenräumen beider Gebäudeteile fort: die gelben Fensterrahmen harmonieren mit bunten Akzenten an den Wänden, Decken und Parkettböden.

Die Gebäudeteile erfüllen sehr unterschiedliche Funktionen: Im D3 sind drei Departments, vier Forschungsinstitute, die Spezialbibliothek Wirtschaftsrecht sowie Seminar- und Projekträume untergebracht.

Fotos: BOAnet.at


Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Department- und Verwaltungsgebäude von CRABstudio, Foto: BOAnet.at

3. Departmentgebäude / Estudio Carme Pinós
Das Departmentgebäude D4, vom spanischen Architekturbüro Estudio Carme Pinós entworfen, liegt dem Administrationsgebäude gegenüber und begrenzt den Campus im Norden zur Messe Wien hin.

Die Fassadengestaltung und der Grundriss des Gebäudes spielen mit Parallelogrammen und einer dynamischen Fensteranordnung, die ebenfalls auf einer Folge von ineinander verschobenen Parallelogrammen basiert. Faltschiebeläden aus Aluminiumlochblech fungieren hier als Sonnenschutz und generieren ein abwechslungsreiches Fassadenspiel. 

Der Eingangsbereich ist der Knotenpunkt zu den Büros, zum Café und zur Spezialbibliothek Sozialwissenschaften im Erdgeschoss. Die vier Obergeschosse werden ebenfalls über diesen zentralen Kern erschlossen, in dem die Frontoffices der drei Departments und fünf Forschungsinstitute liegen. Darauf folgen die Büroflächen, die Departments sind über zwei Stockwerke verteilt und über interne Treppen verbunden. Die Seminar- und Projekträume befinden sich im selben Baukörper im Erdgeschoss, ebenso wie die Selbststudienzonen. 

Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Foto: BOAnet.at
Departmentgebäude von Estudio Carme Pinos, Foto: BOAnet.at

4. Library & Learning Center / Zaha Hadid Architects
Das Herzstück des Campus bildet das von Zaha Hadid geplante Library and Learning Center (LC). Das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes ist durch einen dunklen und einen hellen Baukörper geprägt. Die Fassadenelemente sind aus Betonfaser hergestellt und eingefärbt. Die beiden Baukörper werden durch eine Glasfuge getrennt.

Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Grafik: Zaha Hadid Architects
Foto: BOAnet.at

Der Hauptzugang des Gebäudes ist klar zum zentralen Platz des Campus ausgerichtet und durch das auskragende Dach markiert. Das Forum und der öffentliche Eingangsbereich werden als Teil des außenliegenden Platzes gesehen. Dort befindet sich auch der zentrale Empfangsbereich der WU, das Atrium. 

Über Rampen und Treppen wird man von Eingangsniveau spiralförmig durch das OMV Bibliothekszentrum nach oben geführt. Dieses erstreckt sich trichterförmig über sechs Geschosse des Gebäudes und nimmt die kompletten oberen beiden Stockwerke ein. Von den Arbeitsplätzen der Studenten aus hat man einen spektakulären Blick auf den Prater. 

Neben der Bibliothek, den Serviceeinrichtungen für Studierende, der Buchhandlung und dem Copyshop beherbergt das Library & Learning Center die beiden Festsäle der WU, den Clubraum, das Zentrum für Auslandsstudien und das WU ZBP Career Center. 

Bibliothek, Foto: BOAnet.at
Foto: BOAnet.at
Foto: BOAnet.at

5. Hörsaalzentrum / BUSarchitektur
Das Teaching Center begrenzt den Campus im Nordosten und bildet den östlichen Eingangsbereich des Campus. Für den Entwurf zeichnet BUSarchitektur aus Wien verantwortlich.

Die Fassade des Teaching Centers besteht aus wartungsfreiem Cortenstahl und wird sich über die Jahre langsam farblich verändern. Die Fassadengestaltung wird im Inneren des Gebäudes weitergeführt: Im Auditorium Maximum kommt ebenfalls das Material zum Einsatz.

Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Foto: BOAnet.at

Das dem LC zugewandte Gebäude D1 beherbergt das Department Welthandel sowie Forschungsinstitute. Der mittlere, flachere Bereich wird von der Mensa WU, mit mehr als 600 Sitzplätzen und einem einzigartigen Dachgarten eingenommen. Der Bereich kann durch einen direkten Zugang vom TC aus erreicht werden. Der hohe monolithische Block rechts davon beherbergt das multifunktionale Hörsaalzentrum. In unterschiedlichen Hörsälen mit modernster Technik finden bis zu 5.000 Personen gleichzeitig zum Lernen und Lehren Platz.

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Grundriss Erdgeschoss, Grafik: BUSarchitektur
Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Grundriss 2.Obergeschoss, Grafik: BUSarchitektur
Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Foto: BOAnet.at

Über das Atrium gelangen die Studierenden in Selbststudienzonen, die spiralförmig am Atrium entlanglaufen und konzentriertes Lernen ermöglichen. Hier ist auch ein Café untergebracht. Der Austausch unter WU-Studierenden wird durch Projekträume gefördert, Rückzugsmöglichkeiten und offene Räume wechseln einander ab und sind durch Treppen und Rampen verbunden. Im Teaching Center sind alle großen Hörsäle sowie das Auditorium Maximum der WU untergebracht, in dem 650 Studierende Platz finden.

Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Grafik: BUSarchitektur<br>Die Aula des Hörsaalzentrums breitet sich in der Länge und Höhe des Gebäudes aus. Mittels eines fließenden Raumes wird der Eingangsbereich mit den Selbsstudienzonen im Atrium der vertikalen Erschließung verbunden. Diese große Öffnung unterteilt die Volumetrie der Erdgeschosszone mit den fliegenden Körpern der Seminarräume.
Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Foto: BOAnet.at

6. Gebäude für Departments und externe Dienstleister / Atelier Hitoshi Abe
Das aus zwei länglichen Baukörpern bestehende Gebäude, vom japanischen Architekturbüro Atelier Hitoshe Abe entworfen, begrenzt den Campus südöstlich zum Prater hin und ist über die U-Bahnstation Krieau erreichbar.

Das südliche Gebäude D2 besteht aus zwei länglichen, schlanken Baukörpern und ist mit einer Fassade aus übereinandergelegten, dünnen Schichten versehen. Die Fassadengestaltung ist von Millefeuille (franz. Süßigkeit aus Blätterteigschichten) inspiriert, die Durchlässigkeit, Nähe, Sichtschutz und interessante Perspektiven ermöglicht. Zwischen den zwei Bauteilen entstehen kleine Plätze, die zum Verweilen und Treffen einladen und für die einzelnen Departments einen jeweils eigenen Vorplatz darstellen. Die Seminar- und Projekträume sind hauptsächlich im Erdgeschoss angesiedelt um einen hohen Grad der Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden zu fördern. Der Abstand zwischen den beiden Baukörpern ermöglicht ein Maximum an natürlichem Lichteinfall.

Fünf Departments, ein Forschungsinstitut und die Bibliothek Wirtschaftssprachen sind hier untergebracht. Im blockartigen Gebäudeteil SC finden das Sportzentrum mit drei Trainingsräumen, ein öffentlicher Kindergarten und die Österreichische HochschülerInnenschaft an der WU ihren Platz.

Campus mit Star - Appeal: Wirtschaftsuniversität Wien
Foto: BOAnet.at

Die neue Wirtschaftsuniversität setzt auch bei Energieeffizienz und Nachhaltigkeit neue Maßstäbe. So liegt dem Bau ein »Green Building« Konzept zugrunde. Demzufolge sollen unter anderem Lebenszykluskosten minimiert sowie die Energieeffizienz der Gebäudehülle bzw. der technischen Anlagen gesichert werden. Campusweit sorgt »Green IT« dafür, dass die Abwärme aus den Serverräumen wieder in das Energienetz eingespeist wird. Insgesamt sollen rund zwei Drittel des Wärme- und Kältebedarfs der WU durch energetische Nutzung des Grundwassers abgedeckt werden. Das ermöglicht eine eigene Geothermieanlage: Große Anlagen pumpen z. B. im Sommer das kalte Wasser durch »Schläuche« im Gebäude, wodurch sich die Decken deutlich abkühlen. Im Winter kommen so genannte »Wärmepumpen« zum Einsatz, die das Wasser »vorheizen«.

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