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Canton Tower

Canton Tower in Guangzhou

Pünktlich zu den Asia Games, Mitte November in Guangzhou, eröffnete das zurzeit zweithöchste Gebäude der Welt: Mit 610 m überragt die Antennenspitze des Canton Tower sogar den Fernsehturm von Toronto und wird damit zum weltweit höchsten Fernseh- und Aussichtsturm.

Architekt: IBA Information Based Architecture, Amsterdam
Guangzhou Design Institute

Abgesehen von diesen Superlativen ist es vor allem die elegante Gestalt, die die Stahlkonstruktion zum neuen Wahrzeichen der aufstrebenden Metropole machen wird. Dabei ist die Konkurenz an hochkarätigen Neubauten in nächster Umgebung beträchtlich: Der Turm bildet den Fluchtpunkt der Nord-Süd-Achse des Business- und Kulturbezirks, der auf dem gegenüberliegenden Ufer des Perlflusses in Rekordgeschwindigkeit entsteht.

Fast unscheinbar geht der bisherige Fernsehturm im Häusermeer unter.

Der neue Canton Tower des jungen niederländischen Architecturbüros Information Based Architecture bildet dagegen den Blickpunkt der neuen Skyline und steht, ganz nach chinesischer Tradition, auf der Mittelachse der Nord-Süd ausgerichteten Mittelachse. Die Motivation für die Verdrehung der elyptischen Grundrisse ergibt sich aus dem Städtebau:
Im Sockelgeschoss liegt die Mittelachse der elyptischen Grundrisse exakt in der Mittelachse des Masterplans des neuen Guangzhou. Nach oben dreht sich diese Achse immer mehr nach Nordwesten bis der höchste Grundriss mit der geneigten »Zuschauertribüne« der Aussichtsplattform exakt auf den historischen Hafen des alten Kanton ausgerichtet ist. Die Torsion wird so zum Symbol der Verbindung von Geschichte und zukünftiger Entwicklung. Die Hauptattraktion auf dem nördlichen Ufer bildet die neue Oper von Zaha Hadid.

Blick von Norden. Von den zwei höchsten symmetrisch angeordneten Bürotürmen des neuen Business Districts ist erst der Westturm von Wilkinson Eyre errichtet.

Der Fernsehturm ist als vertikaler Erlebnisraum gestaltet, der tausende von Besuchern anziehen soll. In die Röhre aus Stahl sind zu Paketen zusammengefasste Nutzungen auf unterschiedlichen Höhen eingehängt: Restaurants, Cafes, Erlebnisplattformen. Ein spezielles Erlebnis bieten die Zwischenräume zwischen diesen geschlossenen Abschnitten, die als vertikale Gärten einer Stadt interpretiert werden.

Das Tragwerk, für das Arup verantwortlich zeichnet, besteht im wesentlichen aus drei Elementen:

1. Gerade Stahlrohre, die sich nach oben verjüngen, bilden die äußerste Ebene der Röhre, das hyperbolische Paraboloid.
2. Diagonalen sind in der gleichen Ebene mit den Geraden verschweißt und sorgen für die Aussteifung. Durch die dünneren Querschnitte treten die Diagonalen optisch in den Hintergrund es dominiert die gestreckte Wirkung der Geraden.
3. Eine Ringstruktur ist schräg aus der Horizontalen gestellt und über Knoten verbunden in einer nach innen versetzten Ebene angeordnet. Jeder der Knoten folgt derselben Systematik, ist aber in seiner Geometrie individuell. Durch die Neigung kann man unter dem untersten Ring, dem Eingangsgeschoss am Hochpunkt ins Innere der röhrenartigen Struktur gelangen, auf der obersten Plattform bildet der Ring die Neigung der Freilufttribühne in 450 m Höhe.

Alle Baustellenbilder: Information Based Architecture

Blick in einen der vertikalen »Erlebnisgärten«.

Der Blick von Norden der Mittelachse entlang zeigt die Verdrehung der Aussichtsplattform, die auf das alte Kanton ausgerichtet ist. Im Vordergrund der Büroturm von Wikinson Eyre.

Die drei Bestandteile der Stahlröhre:

Gerade Röhren, Diagonale, über Knoten in einer inneren Ebene angeordnete Ringe. In der Turmmitte, wo sich der Querschnitt verjüngt haben die Architekten den Abstand der Ringe verkleinert, um den Eindruck der Verdichtung zusätzlich zu verstärken.

Baustellenbilder: Frank Kaltenbach, Mai 2010

Architekt Mark Hemel von Information Based Architecture in einem der Erlebnisbereiche, 450 m über dem Perlfluss.

Frank Kaltenbach

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 11/2010

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