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Die Zukunft des Bauens, Research, Leipzig, Bestandsbau

»Chance Bestand«, Leipzig // Rückblende

Die Gründe für einen Neubau sind mannigfaltig. Da ist zunächst das Geld. Es geht wesentlich schneller, einen Neubau auf einer Wiese zu planen und ihn mit modernen Fertigungsmethoden hochzuziehen. Da obendrein Baukredite enorm günstig sind, lässt sich mit Neubauten schneller eine bessere Rendite erzielen. Wer in bereits existierenden Gebäuden plant und baut, der muss zunächst eine umfangreiche Bestandsaufnahme machen. Das ist mühsam und langwierig. Dabei bietet der Bestand ein riesiges Reservoir an Bauaufgaben, denn zwei von drei Wohngebäuden in Deutschland sind älter als 35 Jahre.

Bauen im Bestand bedeutet Überzeugungsarbeit

Chance Bestand hieß denn auch die vierte Vortragsveranstaltung, zu der DETAIL, das Bundesbauministerium und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau nach Leipzig einluden. Arnd Rose vom Referat Forschung im Bauwesen am Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Bonn, Prof. Karsten Tichelmann, Leiter des Fachgebiets Tragwerksentwicklung und Bauphysik im Fachbereich Architektur der TU Darmstadt, Hauke Möller, Architekt und Teilhaber im Büro Pfister Schiess Tropeano und Partner aus Zürich, Prof. Oliver Steffens, Dekan der Fakultät Allgemeinwissenschaften und Mikrosystemtechnik der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und der Architekt Heinrich Böll aus Essen erläuterten ihre Ansätze im Umgang mit Bestandsgebäuden. Sie alle konstatierten, dass das Arbeiten im und mit dem Bestand wesentlich aufwendiger ist als eine Neuplanung. Und doch haben sie sich bewusst dafür entschieden. Heinrich Böll und sein Essener Büro etwa gehen aktiv auf Bauherren zu. Oft gelingt es ihnen, sie davon zu überzeugen, auf einen Abriss zu verzichten und stattdessen zu sanieren. Hinterher seien die Bauherren froh, nicht neu gebaut zu haben. »Als Architekt muss man sich seine Aufträge suchen. Sanierungen kommen nicht einfach auf einen zu.«

»Problemlöser« mit Kompetenz und Wissen

Das bestätigt auch Arnd Rose vom Referat Forschung im Bauwesen am Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung so: »Das Interesse an einer Sanierung muss von unten kommen.« Der Architekt sei immer auch dann gefragt, wenn etwas schief laufe, sagte Hauke Möller von Pfister Schiess Tropeano und Partner. »Wir sind die Problemlöser.« Tatsächlich ist eine gewisse Kompetenz und ein bestimmtes Wissen nötig, damit man eine Sanierung dem Abriss vorziehe. »Wir müssen als Fachleute Eigentümer und Investoren auf die Eigenheiten und Vorteile älterer Gebäude aufmerksam machen. Das gilt vor allem für nicht denkmalgeschützte Gebäude«, sagte Böll. Eine Mammutaufgabe angesichts der vielen Gebäude etwa aus den 1970er-Jahren, deren Sanierung nun ansteht.

1,5 Millionen Wohnungen durch Aufstockungen

In diesem Zusammenhang wies Arnd Rose darauf hin, dass man zwar die Zahl der Gebäude und deren Alter kenne, nicht jedoch den tatsächlichen Zustand. Man könne also aus der Statistik nicht herauslesen, ob und wann ein Gebäude aus den 1950er-Jahren saniert worden ist. Entsprechend schwierig sei es, den genauen Sanierungsstand in Deutschland festzustellen. Karsten Tichelmann von der TU Darmstadt setzt vor allem auf Aufstockungen. Dadurch könne man ohne zusätzlichen Flächenverbrauch 1,5 Millionen zusätzliche Wohnungen schaffen. Er selbst hat bislang 400 Aufstockungen geplant. Das Problem sei dabei in der Regel weniger die Statik denn die strengen Brandschutzvorschriften.

Informationen zur Reihe »Zukunft des Bauens« und den bisherigen Veranstaltungen erhalten Sie hier.

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