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Das adaptive Habitat – multifunktionale, langfristig nutzbare Wohnangebote

Drängende Energie- und Umweltfragen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und soziale Veränderungen nimmt Sigrid Loch als Ausgangsbasis ihrer Forschungsarbeit. Statt Gebäude nach einer kurzfristigen Nutzungsdauer rückzubauen, sieht sie deutlich mehr Potenzial in einem langfristigen Werterhalt der Bausubstanz durch Umnutzung. Im Kontext der Individualisierung und Differenzierung der Lebensstile, der gewandelten Haushaltsstrukturen, des demografischen und ethnischen Wandels und der zunehmend flexibilisierten Arbeitswelt wachsen dabei besonders auch die Nutzeranforderungen für den Wohnungsbau. Diesen können vereinheitlichte Grundrissmuster mit festgelegten Raumnutzungen häufig nicht mehr entsprechen. Flexible Wohnangebote gewinnen an Bedeutung. 

Die Forschungsarbeit "Das adaptive Habitat" widmete sich dieser noch immer aktuellen Thematik mit einer systematischen Strukturierung von verschiedenen Flexibilitätstypen und einer Bewertung der jeweiligen Potenziale für eine nachhaltige Wohnbauplanung. »Flexibilität und individuelle Interpretierbarkeit des Wohnungsgrundrisses sind in den letzten Jahrzehnten zu zentralen Themen und zu bewusst angestrebten Planungszielen geworden, und in der Bewertung von Wohnangeboten avancieren sie mehr und mehr zu wesentlichen Qualitätskriterien«, so die Autorin. Ein neuartiges Strukturierungsmodell für den Wohnbau ordnet Wohntypen nicht mehr entsprechend der städtebaulichen Erscheinungsform in Einfamilienhäuser, Reihenhäuser, Wohnriegel oder Blockrandbebauungen, sondern stellt als Kategorien die innere Grundrisskonzeption in den Vordergrund. 

Funktionale Flexibilität 
»Insbesondere nutzungsneutrale Raumzuschnitte, die einen Nutzungswandel ohne Umbauaufwand ermöglichen haben sich als einfach anzuwendendes Flexibilitätsprinzip besonders für das Koppeln von Wohnen und Arbeiten wie auch für die Anpassungsbedürfnisse größere Haushaltsformen bewährt. Im Gegensatz dazu eignen sich die multifunktionalen Lofttypen eher für kleinere Haushaltsformen. Deutlich wurden die besonderen Potentiale dieser Wohnungstypen für die speziellen Anforderungen nach Identität, Selbstbestimmung und Selbstinszenierung im Wohnen kreativer urbaner Gruppen.«

Integrierte Flexibilität 
»Typen der integrierten Flexibilität bieten dem Nutzer mittels flexibler Raumbegrenzungen wie Schiebe- oder Faltwände etc., flexibler Möblierungen oder wandelbarer Oberflächenmaterialien die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Raumsituationen wählen zu können. Durch dieses Angebot zur Raumvermehrung besitzen sie besondere Potentiale zur Aufwertung und Gebrauchswertverbesserung kleiner Wohneinheiten, insbesondere auch im Altenwohnbereich. Sie ermöglichen flächensparende Nutzungsüberlagerungen und können zugleich Wohnkomfort und Wohnerlebnis steigern. Ein besonderer Reiz dieser flexiblen Elemente liegt in der einfachen Steuerbarkeit durch den Nutzer.«

Konstruktive Flexibilität 
»Die Typen der konstruktiven Flexibilität sind im Gegensatz zu den Typen der funktionalen und integrierten Flexibilität mit Umbauaufwand verbunden. Sie haben sich besonders zur Gestaltung von Angebotsflexibilität und für langfristige Anpassungsrhythmen bewährt. Das Trennen von Tragstruktur und Ausbau ermöglicht auch im anonymen Geschosswohnungsbau eine Nutzerbeteiligung, da die genauen Wohnungsgrößen und Wohnungsaufteilungen an die individuellen Wünsche der Erstbewohner angepasst werden können. Darüber hinaus können Wohneinheiten und Wohngebäude mittels Schaltraum- oder Kombinatorik-Konzepten oder mittels versetzbarer leichter Trennwände auch langfristig an sich wandelnde Bedürfnisse angepasst werden.«

Durch Auswertung ausgewählter Nutzerbefragungen konnte ein deutlich gewachsener Anspruch der »souveränen Nutzer« an Wahlmöglichkeiten im Wohnen festgestellt werden. Nicht nur die Anpassbarkeit an individuelle Wohnvorstellungen und individuelle Aneignungspotentiale werden von Nutzerseite zunehmend positiv bewertet und stärker nachgefragt, gewachsen ist auch das Bewusstsein der Nutzer für die langfristige Wohnsicherheit, die insbesondere altersgerecht anpassbare Wohneinheiten gewährleisten können, lautete das Fazit der Forschungsarbeit.

Diskutieren Sie das Thema des "Wandelbaren Wohnungsbaus" mit Experten aus Architektur, Lehre, Forschung und Politik am 23. Juni 2016 im Rahmen der DETAIL Veranstaltung "Die Zukunft des Bauens" in Hamburg. 

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