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Foto: Hotel by Giardino

Das alte und neue Hotel Atlantis in Zürich

Ein Hotel wie jedes andere – das kann man bei diesem Gebäude wahrlich nicht behaupten. Bis auf die klassische Ypsilon-Form, die in der Hotelarchitektur häufig anzutreffen ist, erinnert das in den 70er-Jahren erbaute Gebäude keineswegs an vergleichbare Eidgenossen. Zu aufwendig waren die drei Jahre andauernde Kernsanierung und Renovierung, die zudem unter den wachsamen Augen der Kantonalen Denkmalschutzbehörde eine große Herausforderung darstellten.

Das seit 2013 unter Denkmalschutz stehende Haus, welches nicht nur Hotelgästen, sondern in den letzten Jahren Asylsuchenden und Studenten Unterkunft bot, hat schwierige Zeiten hinter sich. Als Spekulationsobjekt für Luxuswohnungen und nach mehreren Wechseln der Eigentümer befürchtete man das Ende von Atlantis. Erst als ein Investor aus Katar vor vier Jahren den Komplex erwarb und das Architekturbüro Monoplan beauftragte, einen originalgetreuen Umbau vorzunehmen, fand ein jahrelanger und zäher Kampf ein Ende. Mit diesem Unterfangen sollte das Fünf-Sterne-Haus an alte, erfolgreiche Zeiten anknüpfen. In der Baubewilligung wurde ausdrücklich betont, dass es sich um ein wichtiges Bauzeugnis der Nachkriegsmoderne in Zürich handele und das Hotel eine hohe städtebauliche, architektonische, aber auch wirtschafts- und sozialhistorische Bedeutung hat. Dementsprechend hoch waren die baulichen Auflagen. Am 1. Dezember 2015 wurde nun das Hotel auf dem Züricher Üetliberg als Atlantis by Giardino wieder eröffnet.

Ein Highlight ist die neue Fassade, welche mit einem Negativdruck die Charakteristik der alten Waschbetonfassade aufnimmt. »Die Herausforderung war der Spagat zwischen den wärmetechnischen Anforderungen, den gestalterisch ästhetischen Ansprüchen und den Vorgaben des Denkmalschutzes«, erklärt Architekt Moritz Rinne von Monoplan. Die Gebäudehülle sollte seinen Charakter aus Beton beibehalten, jedoch waren die bestehenden Waschbetonplatten nicht mehr zeitgemäß und in die Jahre gekommen. »Wir setzten nicht nur auf Erhalt der Gebäudesubstanz sondern auf Neuinterpretation« führt sein Partner Daniel Schneider den Gedanken weiter.

Im Inneren bildet die ebenfalls unter Denkmal stehende Treppe den Mittelpunkt des Atriums. Sie wurde um drei Geschosse verlängert und erhält durch einen von der Dachkuppe erzeugten Tageslichtkegel ein besonderes Ambiente. Die Kunststeinplatten blieben erhalten, nur das Aluminiumglasgeländer erfuhr eine Neuanfertigung, welches jedoch dem Erscheinungsbild des Vorgängers gleicht. Die vorherrschenden Materialien sind Naturstein, Marmor und Holz. Für Exklusivität sorgen unter anderem die von der italienischen Manufaktur Molteni gefertigten Möbel sowie fein sondierte Dekorationselemente. Auch die Liebe zum Detail zeigt sich zum Beispiel in dem mit großer Sorgfalt restaurierten, aus den 70er-Jahren stammenden Mobiliar.

Jedes der mit einer Fußbodenheizung ausgestatteten 95 Zimmer wurde dem heutigen Stand eines Fünf-Sterne-Hauses angepasst. Die Architekten generierten über das Zusammenlegen von Zimmern mehr Raumgröße, denn nach ihrer Meinung war die bestehende Zimmergröße für ein Hotel dieser Kategorie nicht mehr akzeptabel. Ein gelungenes Beispiel, mit welcher Sensibilität die Gratwanderung zwischen Altem und Neuem gelungen ist.

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