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Das Architekturmodell – Werkzeug, Fetisch, kleine Utopie

Modelle sind eines der wichtigsten und sinnlichsten Elemente im architektonischen Gestaltungs-, Entscheidungs- und Bauprozess. Doch sie sind weit mehr als das. Oft sind sie kleine Kunstwerke mit einer eigenen Identität. Vom 25. Mai bis 16. September beschäftigt sich das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt weltweit erstmalig mit der Verwendung von Architekturmodellen im 20. und 21. Jahrhundert und präsentiert auf allen vier Etagen 300 Modelle von über 100 Architekten.

Ort: Deutsches Architekturmuseum (DAM) , Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main
Eröffnung: Do, 24. Mai 2012, 19 Uhr
Dauer: 25. Mai 2012 – 16. September 2012

Medizinische Akademie, Ulm, nicht realisiert, Modell 1965, Frei Otto, Warmbronn, Foto: Hagen Stier. Das sogenannte »Schiffshaus« mit eingehängten Räumen wäre zumindest theoretisch eine kostengünstigere Lösung als ein konventionelles Gebäude. Frei Otto beschäftigte sich intensiv und immer anhand von Modellen mit Leichtbau-Konstruktionen.

"Das Architekturmodell  – Werkzeug, Fetisch, kleine Utopie" zeigt, auf welche Weise Architekten seit etwa 1920 mit Architekturmodellen gearbeitet haben und was die neuesten Entwicklungen sind. Auf Basis intensiver Forschungsarbeit, die durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain ermöglicht wurde, werden Architekturmodelle in ein neues Licht gerückt: Sie dienen Architekten als Werkzeuge, Fetische oder zum Erproben von Utopien.

Die circa 300 Exponate der Ausstellung stammen zu einem Drittel aus der Sammlung des DAM. Zu den Höhepunkten zählen die Statik-Hängemodelle von Frei Otto sowie zwei riesige, jeweils zwölf Quadratmeter große Modelle von Rem Koolhaas zu städtebaulichen Planungen in Paris La Villette (1983) und Melun-Sénart (1987).

Zwei Drittel der Exponate sind Leihgaben, beispielsweise aus dem Museum of Modern Art, New York, dem FRAC Centre Orléans, dem Deutschen Museum München und aus mehreren Berliner Architektursammlungen. Auch viele Architekten unterstützen die Ausstellung durch Leihgaben: So werden von Herzog & de Meuron aus Basel rund 50 Arbeitsmodelle zum Prada-Store in Tokio gezeigt. Von den Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank aus Berlin werden in einem magisch anmutenden dunklen Kabinett hinterleuchtete Styrodurmodelle präsentiert.

Zu den herausragenden Leihgaben zählen die drei Modelle aus dem MoMA in New York: Das älteste noch erhaltene Modell von Mies van der Rohe zum Resor House (1937–1947) und ein in Bronze ausgeführtes Architekturmodell (1955) zum berühmten Seagram-Hochhaus, ebenfalls von Mies van der Rohe. In New York, gegenüber dem Seagram Building, steht das Lever House (1949–52), der erste Wolkenkratzer mit einer Curtain-Wall-Fassade. Das erhaltene Modell von 1952/53 reist ebenfalls aus dem MoMA ins DAM. 

Variables Raum-Musik-Theater, nicht realisiert, Modell 1963, Wolfgang Döring, Düsseldorf, Foto: Hagen Stier. Das Modell zeigt den Querschnitt eines neuartigen Theaterraums. Im Zentrum steht eine bewegliche Drehscheibe mit Sitzplätzen für 700 Personen. Die blasenförmige Innenhaut nimmt die »Blobs« der digital erzeugten Architektur der Jahrtausendwende vorweg.

Viele „Premieren“: Zahlreiche Modelle wurden auf Dachböden, in Lagerhallen und Modellbau- Werkstätten aufgespürt und werden in der DAM-Ausstellung erstmals zu sehen sein. Ein besonders spektakulärer Fund ist ein spiralförmiges Hochhaus-Modell aus dem Jahr 1963/64, das der Architekt Conrad Roland in den vergangenen 24 Jahren bei einer Berliner Spedition eingelagert hatte.

Die Ausstellung zeigt Modelle aus den unterschiedlichsten Materialien. Traditionell werden Modelle aus Holz oder Karton gefertigt. Zu den kuriosesten Stücken zählen Wachsmodelle, die in einem Wasserbecken geformt wurden, und Styropormodelle, die der Architekt Franz Krause mit einer brennenden Kerze verschmolzen hat. Eigens für die Ausstellung wurde ein 3D-Drucker erworben. Mit dieser Technologie können seit einigen Jahren Architekturmodelle in einem Arbeitsgang aus Kunststoff hergestellt werden.

Haus mit Vorhängen, nicht realisiert, Modell 1972, Raimund Abraham, Foto: Hagen Stier
Kapselhäuser, nicht realisiert, Modell 1969, Wolfgang Döring, Düsseldorf, Foto: Hagen Stier
Stück Natur eingeweckt, nicht realisiert, Modell 1973, Haus-Rucker-Co, Wien, Foto: Hagen Stier
Raumspiele in Styropor (Objekt 1), nicht realisiert, 1967–73, Franz Krause (1897–1979), Foto: Hagen Stier

Zur Eröffnung am 24. Mai um 19 Uhr sprechen:

Peter Cachola Schmal (Direktor Deutsches Architekturmuseum)
Ruth Wagner (Staatsministerin a.D. und Vorsitzende des Kuratoriums, Kulturfonds Frankfurt RheinMain)
Oliver Elser (Deutsches Architekturmuseum, Kurator der Ausstellung)

 

Begleitprogramm:

30. Mai, 18 Uhr 
Kuratorenführung für Lehrerinnen und Lehrer aller Schulstufen, kostenlos

31. Mai,14–17 Uhr 
Workshop für Erwachsene in der Reihe „Architektur + Kaffee“: 
Modellbau im und zum DAM; 15 Euro

20. Juni, 18 Uhr 
Kuratorenführung mit Oliver Elser
Eintritt ins Museum 7 Euro / 3,50 Euro ermäßigt

August/September 
Symposium „Modellbau – analog und virtuell“
sowie weitere Kuratorenführungen und Veranstaltungen

Modellbauwerkstatt
für Kinder, Jugendliche und Familien 
Jeden Samstag 12–16 Uhr, 5 Euro

„Vitrine der Woche“ in der Modellbauwerkstatt 
Alle kleinen und großen Architekturmodellfreunde, Modelleisenbahner und Legoexperten sind aufgerufen, ihre besten Werke in einer Vitrine auszustellen. Bewerbung unter bildung.dam@stadt-frankfurt.de

Cluster in the Air, 1962, nicht realisiert, Modell vor 1982, Arata Isozaki, Tokio, Foto: Hagen Stier. Ein utopischer Vorschlag zur Überbauung von Stadtzentren im Großraum Tokio mit baumartigen Kapseltürmen. An traditionelle japanisch-chinesische Pagoden erinnert die Struktur der Türme, die auch wie riesige Bäume wirken und zugleich die besondere Technik der über Jahrhunderte erprobten Holzverbindungen zitieren.

Begleitende Publikation zur der Ausstellung:

"Das Architekturmodell  – Werkzeug, Fetisch, kleine Utopie"
Rund hundert Architekturmodelle wurden hierfür
 neu fotografiert und werden eingehend vorgestellt begleiet von thematischen Essays internationaler Experten.
Herausgeber: Oliver Elser, Peter Cachola Schmal, Scheidegger & Spiess Verlag, 360 Seiten, 65 Euro


www.dam-online.de

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