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Das digitale Schneiderlein: Mass Customization

Egal, ob wir uns im Internet die einzelnen Komponenten unseres neuen Turnschuhs zu einem individuellen Maßstück zusammenstellen oder mit Hilfe des Computers komplexe geometrische Konstruktionen auf einfache Bauteile herunterbrechen: Mass Customization heißt das Zauberwort, das die serielle Herstellung maßgeschneiderter Konsumgüter und Bauelemente zusammenfasst. Das Expertenpanel von DETAIL research auf der BAU 2013 gab Einblick in eine Technik, die bereits angefangen hat, unser Leben zu verändern.

Mass Customization, Bild: The Customization 500 / Dominik Walcher

Es surrt ein bisschen und am Ende piepst es, doch insgesamt hat das Geräusch eine ähnlich beruhigende Wirkung auf uns wie das einer laufenden Spülmaschine: Wenn der 3D-Drucker den aktuellen Entwurf für die neue Espressotasse, die Halskette oder den modular aufgebauten Lampenschirm ausdruckt, wissen wir, dass da eine Maschine gerade eine Arbeit für uns verrichtet, für die wir oder andere sonst Stunden schweißtreibender Tätigkeit investiert hätten. Zugegeben, der 3D-Drucker ist in unseren Haushalten noch nicht ganz so präsent wie die Weiße Ware und andere elektronische Helfer, aber lange wird er mit seinem Stelldichein nicht mehr auf sich warten lassen.

Mass Customization, Bild: NikeID, The Customization 500 / Dominik Walcher

Auf der einen Seite werden wir als Konsumenten künftig nicht mehr ausschließlich fertige Produkte erwerben, sondern auch digitale Datenmodelle, die wir zu Hause in Eigenproduktion zu alltäglichen Gegenständen materialisieren. Auf der anderen Seite werden uns heute bereits viele Möglichkeiten geboten, die Gegenstände, die wir erwerben wollen, zu individualisieren und zu personalisieren. Sei es der Turnschuh, bei dem wir Farbe, Form und Schnürsenkelmaterial selber kombinieren können, bevor wir die Bestellung abschicken, oder das Auto, bei dem wir uns die Ausstattung am Rechner „eigenhändig“ zusammenstellen.

Arch-Tec-Lab der ETH Zürich: mittels parametrischer Verfahren berechnete geschwungene Dachkonstruktion, die aus Abfallholz per Roboter zusammengesetzt wird.

Was der kleine 3D-Drucker für den privaten Haushalt in ein paar Jahren sein könnte, wird auf der Baustelle heute bereits als Werkzeug eingesetzt: Digitale Planungs- und Fertigungsprozesse ermöglichen die serielle Fabrikation maßgeschneiderter Bauelemente. Das ist besonders bei Bauwerken mit komplexen Geometrien von Vorteil, die dank der Vorplanung im Computer genauer und effizienter gebaut werden können als ihre Vorläufer in den sechziger und siebziger Jahren. Die Anfertigung eines digitalen Computermodells, an Hand dessen sowohl unterschiedliche Belastungssituationen simuliert, als auch die Daten sämtlicher Planungsbeteiligter integriert werden können, steht am Anfang dieses Prozesses. Am Ende werden die Daten in eine computergestützte Fertigungsmaschine – von der CNC-Fräse bis zum 3D-Plotter – eingespeist, welche die passgenauen Bauelemente zuschneidet oder auswirft. Im vollautomatisierten Bauprozess werden diese danach von Robotern zusammen gesetzt, auf jeden Fall aber wie ein Bausatz nach einer genauen Anleitung montiert.

Montage eines Holzpavillons für Hermés, Foto: Amann Holzbau GmbH

Das Expertenpanel von DETAIL research auf der BAU 2013 zum Thema Mass Customization spannte den Bogen von der digitalen Maßfertigung über die integrative Planung von Datenmodellen bis zu deren besonderen Aufgaben in Architektur und Bauprozess. Geladen waren:

The Customization 500: Prof. Dr. Dominik Walcher, Salzburg University of Applied Sciences, M.I.T LivingLabs

Building Lifecycle Management: Integrative Planung, Produktdatenmodellierung und Virtual Engineering:  Prof. Dr.-Ing. Petra von Both, KIT Karlsruhe

Mass Customization and Personalization in Architecture and Building Construction: Frank Steiner, Technology and Innovation Management Group, RWTH Aachen

Mehr Infos zum gesamten Programm und den weiteren Referenten finden Sie hier.

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