You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Das Forschungs- und Erlebniszentrum »Paläon« erhält eine Spiegelfassade als Camouflage

Fassade von 3A Composites

Die Spuren der Erdgeschichte liegen nicht weit unter der Oberfläche verborgen. Wenn man lange genug gräbt, stößt man irgendwann unweigerlich auf historische Funde. So förderte in den Neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Braunkohletagebau des Landkreises Helmstedt einen interessanten archäologischen Fund zutage. Bei den 300?000 Jahre alten, sogenannten »Schöninger Speeren« handelt es sich um die ältesten Jagdwaffen der Menschheit. Die acht gefundenen Wurfspeere aus Fichte und Kiefer sowie die 12 Klemmschäfte und ca. 1?500 Steinartefakte erzählen den kundigen Archäologen spannende Geschichten aus der Vergangenheit. Nach jenen sind die damaligen Bewohner der Region in der ehemaligen Uferzone wohl ausgiebig, zum Teil kultisch, der Jagd von Wildpferden, Rothirschen und Wisenten nachgegangen. Die dazu erforderlichen logistischen Fähigkeiten, inklusive der Herstellung der vermutlich ersten Kompositwerkzeuge der Menschheit, hatte man unserem Vorfahr, dem Homo heidelbergensis (eng verwandt mit dem Homo erectus) bislang gar nicht zugetraut. Bald entstand in Schöningen der Wunsch, diesen einzigartigen Schatz Besuchern im Rahmen eines gut gestalteten Ausstellungskonzepts zugänglich zu machen. Gläserne Labore, eine zum Teil von Künstlern konzipierte Ausstellung sowie die Exponate selbst, sollten einen kurzweiligen, lehrreichen Spaziergang durch die Steinzeit ermöglichen. Die Stadt Schöningen schrieb für den Bau des kurz »Paläon« genannten »Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere« ein Architektenauswahlverfahren aus, welches die Büros pbr Planungsbüro Rohlingen AG aus Braunschweig, Holzer Kobler Architekturen aus Zürich sowie die Landschaftsplaner von Topotek1 aus Berlin für sich entscheiden konnten. Der Entwurfsgedanke der Schweizer klingt zunächst ein wenig verrückt, denn einerseits verstehen die Architekten ihr Gebäude als »Camouflage«, andererseits bekleideten sie es mit einer spektakulär spiegelnden Fassade. Die beiden scheinbar widersprüchlichen Pole erfahren bei genauer Betrachtung ihre Berechtigung. Aus der Nähe beeindruckt das Gebäude, dessen Schrägen und Verschneidungen an gegeneinander verschobene Erdschichten erinnern sollen, aufgrund seiner komplexen Geometrie und deren unglaublich präziser Ausgestaltung. Aus der Ferne entzieht es sich zu großen Teilen der Wahrnehmung, indem es auf seiner Fassade den Himmel und die in Entstehung befindliche Kulturlandschaft abbildet. Diese Entmaterialisierung verändert sich mit jedem Jahreszeiten- und Wetterwechsel, wie mit dem Sonnenstand. Das Paläon löst sich bei diffusem winterlichem Licht in schneebedeckter Landschaft optisch nahezu vollständig auf. Um ihre gewagte Entwurfsidee in gebaute Realität umzusetzen, entschieden sich die Planer für die einzigartigen konstruktiven Möglichkeiten einer geklebten, vorgehängten hinterlüfteten Fassade. Diese Technik ließ es zu, dass sich die Gebäudehülle in weiten Auskragungen von den tragenden Bauteilen entfernen kann und ermöglichte außerdem die präzise Umsetzung der anspruchsvollen, bruchtektonischen Fassadengeometrie. Das verwendete MBE-Panel-Ioc-Klebesystem kam in dieser Weise zum ersten Mal zum Einsatz und bedurfte wegen der schräg verlaufenden Klebenähte einer Zulassung im Einzelfall. Für die Camouflage sorgt die »Composite-Fassadenplatte Alucobond Natural« im Farbton 405. Deren biegesteifes Sandwichmaterial realisiert die konturierte Fassadenform und deren spiegelnde, witterungsbeständige und UV-stabile Oberfläche sorgt dafür, dass der sich ständig verändernde Anblick des Paläons für eine lange Zeit und für viele Besucher erlebbar bleibt.


3A Coposites GmbH

Fassade von 3A Composites
Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 7+8/2014

Fassaden

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.