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Markus Tretter, Kunsthaus Bregenz, Peter Zumthor, Ausstellung

Dear to me: Peter Zumthor im Kunsthaus Bregenz

»Denken ist eine Linie, Emotionen sind Raum. Ich liebe das Denken in Bildern. . . .  Aber jetzt ein Fest!« So übertitelt Peter Zumthor sein Vorwort zum detaillierten Programmheft, das die Veranstaltungen und Kunstereignisse zusammenfasst, aus denen die introvertierte Ausstellung im Kunsthaus Bregenz im Wesentlichen besteht.

Vor genau 10 Jahren hatte er in einer Personale im Kunsthaus eigene Bauten und Projekte gezeigt, mit der aktuellen Schau gibt er die seltene Gelegenheit, das andere Ende des Arbeitsprozesses kennenzulernen: Das Davor, den atmosphärischen und inspirativen Kontext seiner entwerferischen Praxis, jene »ihm lieben« Dinge, mit denen er sich umgibt, um eine bestimmte Konzentration und geistige Dichte für seine künstlerische Arbeit zu erreichen. Wie in seinem persönlichen Musik- und Lesezimmer im Atelier in Haldenstein versammelt er Literatur, Musik und Bilder, Raum für Gespräche und den freien Blick auf einen wuchernden Garten.

Zumthor selbst hat sich in der Gestaltung der Ausstellung zurückgenommen und zu deren Gestaltung durchwegs Kuratoren und Vertraute eingesetzt. Im Erdgeschoss sind eine Bar, eigens entworfene Polstermöbel und eine klavierlackschwarze Bühne für Veranstaltungen zu finden. Dorthin lädt Peter Zumthor unter anderem an jedem Sonntagmorgen zu Gesprächen, die er mit Menschen führt, die ihn in seinem Schaffen inspirieren. Das musikalische Programm wird von seinem Sohn, dem Musiker Peter Conradin Zumthor kuratiert, die Lesungen von der Literaturexpertin Brigitte Labs-Ehlert. Eine filmische Collage des Schweizer Filmemachers Christoph Schaub zeigt einen Zusammenschnitt historischer Statements aus den letzten 30 Jahren, in denen Peter Zumthor über seine Arbeit spricht.

In den Obergeschossen ist eine von Olga Neuwirth komponierte Musikinstallation für eine handbetriebene Spieluhr zu sehen, die der Besucher selbst abspielen kann. Weiterhin werden Schwarz-Weißfotografien der Wege auf der Akropolis von Hélène Binet gezeigt,  deren Pflasterung der griechische Landschaftsarchitekt Dimitris Pikionis (1887–1968) gestaltet hat und der von Peter Zumthor besonders geschätzt wird.
Bücherwände mit gut 40.000 antiquarischen Bänden des Churer Buchhändlers Walter Lietha bilden im zweiten Obergeschoss ein Archiv der Ideen für Lesungen und zur eigenen Lektüre. Zuletzt entfaltet sich im obersten Geschoss der zart schwebende künstliche Garten vom Basler Künstlerpaar Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger.

Diese Form der Präsentation ist weder Attitüde, noch Verweigerung, sondern eine konsequente Umsetzung seiner Arbeit mit Atmosphären, die als zentrales Motiv im Werk des Architekten gelten. Das Erfahren und Schaffen von Stimmungen, die in den Dimensionen des Raums, der Zeit und Materialität mit größtmöglicher Sinnlichkeit und Präzision eingerichtet werden. Eine solche Architektur ästhetisiert und theoretisiert nicht. Sie schließt den Menschen nicht aus, sie umfasst ihn mit großer Ernsthaftigkeit als den Erlebenden, der in seiner ganzen Wesenheit zum stillen und unsichtbaren Zentrum wird. Was im Kontext zeitgenössischer Kunst als introvertiert und apolitisch gedeutet werden kann und mitunter durch Beschaulichkeit selbstbezüglich wirkt, steht im architektonischen Diskurs als Vermächtnis, als Aufruf zu einer sinnlichen und zutiefst humanistischen Dimension von Architektur.

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