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Rezension, Shapin Cities, Publikation

Den Moloch formen: Shaping Cities in an Urban Age

Seit etwa 15 Jahren erforscht das Urban Age Project der London School of Economics und der Alfred Herrhausen Gesellschaft die Dynamik und die Begleiterscheinungen der Verstädterung im 21. Jahrhundert. Meilensteine seiner Arbeit waren die von Richard Burdett kuratierte Architekturbiennale 2006 in Venedig und zwei Buchpublikationen: The Endless City (2007) und Living in the Endless City (2011).

Mit »Shaping Cities in an Urban Age« legt das Team um Burdett und Philipp Rode nun sein drittes und wohl letztes Werk in bewährter Aufmachung vor. Eindrucksvolle Fotos und plakative Grafiken illustrieren die 37 Essays, die von profilierten Experten aus (fast) allen Weltregionen und Fachrichtungen stammen. Richard Sennett, Alejandro Aravena, Kees Christiaanse, Edgar Pieterse und Nicholas Stern zählten diesmal zum Autorenteam. Sie beleuchten – so sieht es zumindest der Anspruch der Herausgeber vor – die Entwicklungen, die in den vergangenen 20 Jahren zur Fragmentierung der Städte, zur sozialen Spaltung und zu einem immer größeren Ressourcenverbrauch beigetragen haben. Konkret reicht der Themenbogen von der Gesundheitsvorsorge bis zum Hochwasserschutz und von der Migration bis zur Verkehrsproblematik. Eine zentrale, immer wiederkehrende Frage ist die nach der Machtbalance – zwischen Stadt, Region und Nationalstaat ebenso wie zwischen Besitzenden und Besitzlosen oder Investoren und einer Bevölkerung, die ihr Recht auf angemessenen Wohnraum einfordert. Nicholas Stern erinnert in seinem Beitrag an ein Paradoxon: Der derzeitige Urbanisierungsschub ist endlich – er wird spätestens dann aufhören, wenn die Weltbevölkerung ihren Höhepunkt überschreitet. Umso wichtiger ist es, Städte und Stadterweiterungen von vornherein nachhaltig zu planen – denn die Stadtstrukturen, die heute rund um den Globus entstehen, werden das Zusammenleben der Menschen womöglich auf Jahrhunderte hinaus prägen.

Mit je 6-10 Seiten sind die Essays eher kurz gehalten und bleiben bisweilen wenig konkret und dem akademischen Diskurs verhaftet. Leider fehlt die Stimme der Praxis in dem Buch völlig, denn unter den Autoren ist nicht ein politischer Entscheidungsträger oder Mitarbeiter einer Stadtverwaltung. Überzeugend sind die Beiträge überall dort, wo sie einzelne Orte und Phänomene unter die Lupe nehmen, statt globale Entwicklungen über einen Kamm zu scheren. Glücklicherweise ist das bei der Mehrzahl der Essays der Fall. Insgesamt gibt »Shaping Cities in an Urban Age« damit einen gut lesbaren, breiten Überblick über die Herausforderungen der Stadtentwicklung in der Welt mit ihren regionalen Unterschieden und unterschwelligen Gemeinsamkeiten.

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