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Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin (2005)

Folge 13

Architekt: Peter Eisenman

Die 2711 vorgefertigten Betonstelen sind unterschiedlich hoch – die niedrigsten, an den Rändern angeordnet, ragen gerade 20 Zentimeter über den gepflasterten Boden, während die Pfeiler im Zentrum der Anlage mit 4,70 Meter den Besucher beinahe spürbar überragen – aber gleich in ihren Abmessungen von 0,95 Meter Breite und 2,38 Meter Tiefe. Die Stelen sind vorgefertigt, ihre regelmäßige und außergewöhnlich gleichmäßige, scharfkantige und porenfreie Oberfläche erinnert an die Steinoberfläche von Granit – es ist auch diese unglaubliche Gleichmäßigkeit und Vollkommenheit der Betonoberflächen, die beeindruckt. Durch ihre unterschiedliche Neigung auf dem leicht moduliertem Gelände bei gleichzeitig strenger Anordnung in einem Raster wird die Wahrnehmung irritiert – das Bild sanft -wogender Wellen kommt diesem Eindruck sehr nahe und man fragt sich: Schwanken die Stelen, der Boden, oder gar man selbst?

Gedenkstätte Berlin
Foto: Frank Kaltenbach

Das Denkmal hat eine lange Geschichte: 1989 erstmals angeregt, konkretisiert ein Beschluss des Bundestags von 1999 das Vorhaben zur »Errichtung eines Denkmals für die ermordeten Juden Europas« und die Umsetzung des Wettbewerbsbeitrags des New Yorker Architekten Peter Eisenman auf dem Gelände der ehemaligen Ministergärten wurde endgültig beschlossen. Damit haben die Verantwortlichen den Weg ge-ebnet für ein Projekt, das in seiner Offenheit und seinem bewussten Verzicht auf -alles Erziehende Experiment und Herausforderungen für jeden einzelnen zugleich ist. Es liegt an uns, wie weit wir uns auf den Ort und auf das, was er erzählen kann, einlassen möchten; ob wir bis zum Ort der Information an der südöstlichen Ecke des Feldes gelangen, einer unterirdisch angelegten Ausstellungsfläche, die anhand von vielen Einzelschicksalen exemplarisch die Lebens-, -Familien- und Leidensgeschichten ermorderter Juden in ganz Europa erzählt. Auf gut 800 m2 wird dort mit Hilfe von Zeitdokumenten, Fotografien sowie multimedial versucht, die Erinnerung zu personalisieren. Im Gegensatz zum Stelenfeld werden damit konkrete Informationen geboten, gleichzeitig dient die Einrichtung als Schnittstelle der europäischen Gedenkstätten sowie der zahlreichen internationalen Institutionen und Portale für Angehörige, Nachkommen und Interessierte.

Das Denkmal, initiiert und realisiert durch die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, bricht mit allen gängigen Vorstellungen von bisher bekannten Orten der Erinnerung: Es gibt weder Inschriften, die Ursache und Anlass erläutern, noch eine vorgegebene Wegeführung durch das gut 20000 Quadratmeter große Gelände.
Ein jeder kann seinen eigenen Weg hinein und hindurch finden. Und das ist das eigentlich Faszinierende und Spannende - die Reaktion der Besucher, die nach der offiziellen Eröffnung am 10. Mai 2005 in das Meer der wogenden Stelen eintauchen können.

Fotos: Frank Kaltenbach
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