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Der Blick nach Süden: Ausstellung »Africa« im Museum Louisiana

Afrika ist mehr als Ebola, Flüchtlingsströme und »failed states«. Die Großinvestoren und Glücksritter dieser Welt träumen gar davon, dass der »schwarze Kontinent« demnächst jene Rolle spielen könnte, die Ostasien während der Boomjahre zwischen 2000 und 2010 zukam. So ist in Wirtschaftskreisen bereits von Äthiopien als nächster »verlängerter Werkbank« des Westens  die Rede, und China ist dabei, den Inselstaat Mosambik durch massive Landkäufe zu seiner »Kornkammer« zu machen.

Dass Afrika auch in puncto Kunst und Kultur in die Zukunft strebt, hat uns in den vergangenen Jahren eine zunehmende Zahl an Kunst- und Architekturausstellungen gezeigt – angefangen von der durch Okwui Enwezor kuratierten documenta 2002 in Kassel bis zu der Architekturschau »Afritecture« von Andres Lepik (2014 in der Pinakothek der Moderne in München).

Einen neuen und ähnlich facettenreichen Blick auf das Kulturschaffen südlich des Mittelmeers wirft nun das Louisiana Museum im dänischen Humlebaek. Die von Kjeld Kjeldsen und Mathias Ussing Seeberg kuratierte Ausstellung »Africa« wurde am 24. Juni eröffnet und ist bis zum 25. Oktober 2015 zu sehen. Sie gliedert sich in sieben thematische Abschnitte, von denen immerhin in fünf der Architektur eine Hauptrolle zukommt. Der Abschnitt »Growing cities«, für den der südafrikanische Architekt Heinrich Wolff als Gastkurator fungierte, porträtiert das rapide Wachstrum der sechs afrikanischen Metropolen Dakar, Lagos, Nairobi, Kinshasa, Maputo und Johannesburg. »Making space« analysiert die räumlichen Typologien des afrikanischen Alltagslebens, also jene Orte, an denen gewohnt, gekocht, gelernt und gefeiert wird. Im Mittelpunkt steht hier eine Installation des Berliner Architekten Diébedo Francis Kéré. Sie zeigt eine von Kérés Bauten in Burkina Faso inspirierte Überdachung, unter der sich die Museumsbesucher auf informellen Sitzgelegenheiten zusammenfinden können.

Der Abschnitt »Rebuilding« legt den Focus ganz auf den Wiederaufbau des bürgerkriegszerstörten Ruanda. Hierfür haben Tomà Berlanda und Nerea Amorós Elorduy vom Planungsbüro ASA einen Ausschnitt eines Ziegelbausystems in den Museumsräumen wiederaufgebaut, das sie für Neubauten in dem ostasiatischen Land entwickelt haben.

Die Abteilung »New communities« befasst sich mit jenen Themen, die auch bereits bei »Afritecture« oder der (ebenfalls von Andres Lepik kuratierten) Ausstellung »Think global, build social« 2013 im Deutschen Architekturmuseum im Vordergrund standen. Sozial engagierte Projekte für Schulbauten, Kulturzentren, Kranken- und Frauenhäuser haben in den vergangenen Jahren viel mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Sie dienen nicht nur den Gemeinschaften, in denen sie stehen, sondern binden diese meist auch in den Bauprozess mit ein und schaffen so Arbeitsplätze. Überdies sind viele dieser Bauten beispielhaft für das klimagerechte Bauen mit regional vorkommenden, meist kostengünstigen Materialien.

Der letzte Abschnitt der Ausstellung, »Building futures«, befasst sich hingegen mit den visionären Bauprojekten der Vergangenheit, allen voran jenen der Kolonialära und der ersten Jahre danach. Bei vielen dieser Bauten sind mittlerweile Spuren der Alterung und des Verfalls unübersehbar. Eine zentrale Stelle in diesem Ausstellungsbereich nimmt das monumentale Stadtmodell »Kinshasa: Projekt for The Third Millennium« des unlängst verstorbenen Künstlers Bodys Isek Kingelez ein.

Ergänzt wird die Afrika-Ausstellung durch zwei Installationen im Freibereich des Museums am Öresund. Eine stammt von dem spanischen Architekturbüro selgascano, die andere steuerten die namibischen Architekten Droomer & Christensen bei.

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