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Museum im Internierungslager Amersfoort, Inbo, Foto: Ossip van Duivenbode

Der Weg ins Dunkle: Museum im Internierungslager Amersfoort

Das ehemalige Straf- und Durchgangslager am südlichen Stadtrand von Amersfoort entstand zunächst 1939 als Kaserne der niederländischen Armee. Im August 1941 wurde es von der deutschen Besatzungsmacht in Beschlag genommen. Etwa 47.000 Menschen – Kommunisten und Juden, Zeugen Jehovas und Verweigerer der Zwangsarbeit, später auch amerikanische und russische Kriegsgefangene – waren hier während des Zweiten Weltkriegs interniert. Viele von ihnen wurden später in andere Lager deportiert, etwa 600 in Amersfoort hingerichtet.

Heute erinnert nur noch wenig an die einstigen Schrecken – allen voran das ehemalige Lagertor, ein erhalten gebliebener Wachtturm und eine wiederaufgebaute Lagerbaracke. Sie sind Teil der Gedenkstätte „Kamp Amersfoort“, die in einem kleinen Teil des Lagers entstanden ist. Bereits 2005 hatten die Architekten Inbo aus Amsterdam ein Ausstellungsgebäude mit Gründach und Cortenstahlfassade für die Gedenkstätte entworfen. Er diente fortan als Museumscafé und -laden. Die Ausstellung wurde hingegen in einen neuen, zweiten Museumsbau von Inbo verlegt. Sichtbar ist davon praktisch nur der Eingangspavillon mit seiner Hülle aus Glas und Metallblech. Sie soll den doppeldeutigen Begriff der Reflexion mit architektonischen Mitteln versinnbildlichen. Der deutlich größte Teil der Ausstellungsflächen liegt unter einem neu angelegten Platz, auf dem künftig „Fußspuren“ aus Beton an die stundenlangen Appelle erinnern sollen, die die Gefangenen bei jedem Wetter absolvieren mussten. Die Passage durch den unterirdischen Gebäudeteil gleicht einem sinnbildlichen „Weg in die Düsternis“ und zurück ans Tageslicht. In dem in Halbdunkel getauchten, großen Kunstlichtsaal empfangen große Schwarzweißporträts von Gefangenen und Wärtern die Besucher. Dazu passend werden in Schubladen persönliche Gegenstände der Abgebildeten gezeigt. Nach deren Öffnen ertönt eine Stimme, die die Lebensgeschichte der jeweiligen Person erzählt.

Eine hell erleuchtete Seitenwand aus Sichtbeton leitet die Besucher weiter durch den Raum, vorbei an einer Fläche für Wechselausstellungen und einen Bereich für Multimediaprojektionen. Man verlässt das Gebäude am gegenüberliegenden Ende und gelangt über eine außen liegende Treppe wieder hinauf in den Innenhof. Genau in ihrer Sichtachse fällt der Blick durch eine Öffnung in der Umfassungsmauer des Areals auf einen ehemaligen Schießstand, der beim „Steinernen Mann“ endet. Dieses Kunstwerk soll an all die Menschen erinnern, die in den Wäldern rund um das Lager gestorben sind.

Weitere Informationen:

Landschaftsarchitektur: Juurlink [+] Geluk BV
Ausstellungsarchitektur: Tinker imagineers
Bauunternehmen: Salverda bouw
Projektsteuerung: Royal HaskoningDHV

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