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Design, das nachwächst: der Wettbewerb ADREAM

Nachwuchsdesigner und -architekten entwickeln neue Produktideen aus allem, was nachwächst: So lautet, kurz gefasst, die Grundidee für den Wettbewerb ADREAM, den das Land Thüringen und die französische Region Picardie 2009 ausgelobt haben. Jetzt wurden die Siegerentwürfe als Prototypen in Erfurt präsentiert.

Entwerfen lässt sich bekanntlich vieles – die viel größere Herausforderung ist dagegen oftmals die Umsetzung in die Praxis. Daher gab es für die Sieger beim Ideenwettbewerb ADREAM nicht nur ein Preisgeld zu gewinnen, sondern obendrein ein Budget für die Prototypenentwicklung.
Für die Umsetzung der Prototypen konnten die Organisatoren des Wettbewerbs Firmen und Institute aus der Picardie und Thüringen gewinnen. Vier dieser „Erstlinge“ wurden nun am 24. November auf dem Innovationstag in Erfurt der Öffentlichkeit präsentiert.

Marc Ehle: Papierpresse „BuildUp“

BuildUP
Mit der kleinen Presse die der Designer Marc Ehrle aus Leipzig entworfen hat, ist es möglich, eine Vielzahl kleiner Papierbausteine selbst herzustellen. Kinder können mit diesem Spielzeug die in ihrer Fantasie erdachten Burgen, Brücken oder Türme in die Realität umsetzen, ohne dass sie durch eine begrenzte Anzahl an Steinen in ihrer Kreativität eingeschränkt werden.


Bevor BuildUP zum Einsatz kommt, muss ein zäher Papierbrei hergestellt werden. Dazu werden alte Pappverpackungen, Zeitungen oder Toilettenpapier zerkleinert und mit Wasser verrührt. Das überschüssige Wasser wird durch ein Sieb abgegossen. Anschließend wird der Papierbrei portioniert, in die Presse gefüllt und zu einem Baustein gepresst.


Der gesamte Vorgang - von der Bauplanung über die Produktion der Bausteine bis hin zum eigentlichen Bau - liegt mit diesem Spielzeug in Kinderhänden. Ganz nebenbei lernen die Kinder was Recycling bedeutet und mit welchem Aufwand es verbunden sein kann. Die Verpackung von BuildUP dient als erster „Rohstofflieferant“ für Bausteine, wodurch Verpackungsmüll entfällt.
Als Partner für den Prototypenbau wurde die Firma CDK-Zerspanungstechnik aus Saalfeld gewonnen.

Synarchitects: Ponton aus „WKNFK“

1WKNFK
Die Architekten Daniel Schwabe, Julia Schilling und Julian Arons entwickelten ein Sandwich-Material aus Wabenkarton und naturfaserverstärktem Kunststoff für den Einsatz im Pontonbau. Die Basis des Materials bildet ein recycelter wasserfester Wabenkarton mit einer wasserfesten Deckschicht aus Karton. Auf diese Wabenkartonplatten wird bei der Herstellung der Pontonkonstruktion eine fugenlose Schicht aus naturfasverstärktem Kunstoff aufgebracht, um die benötigte Wasserdichtigkeit zu erzeugen.

Der Entwurf greift auf Materialien zurück, die in Thüringen als auch in der Picardie häufig vorkommen bzw. dort entwickelt wurden. Für das Sandwich-Material kommen alle verwebbaren Naturfasern, wie z.B. Jute, Hanf, Ramie oder Flachs in Betracht. Diese besitzen meist sogar bessere mechanische Eigenschaften als die konventionelle Glasfaser. Die Deckschicht bilden ein seewasseresistenter Gelcoat auf Kieselsäurebasis und angedicktes Naturharz.


Martin Edelmann aus Jena hat den Prototypen unter Vorgabe der innovativen Fertigungstechnik in seinen Werkstätten realisiert. Die Firma Schmuhl aus Liebschütz beteiligte sich als Sponsor und Partner am Prototypenbau.

Wasilij Grod: Bambus-Leichtbaukonstruktion

Bambus-Leichtbau
Bei der konventionellen Herstellung von Plattenmaterial aus Bambus fallen aufgrund der Rohrgeometrie üblicherweise bis zu 60% Verschnitt an. Mit der Bambus-Leichtbau-Platte entwickelte der Student Wasilij Grod aus Weimar eine effiziente Nutzungsmöglichkeit für diesen Verschnitt der Bambusrohre. 
Die Bambus-Leichtbau-Platte ist eine Sandwich-Konstruktion, in deren Mittellage sich Bambusabschnitte befinden. Das äußere Deckmaterial der Plattenkonstruktion besteht aus kreuzweise verleimten Schichten aus Bambusstreifen. BLBP zeichnet sich durch die besondere Verarbeitungsweise der Bambusrohre aus. Die schräg abgeschnittenen Bambusstücke werden abwechselnd in Reihen mit entgegengesetzer Ausrichtung verklebt und bilden somit einen besonders druckstabilen Kern. Durch den schrägen Abschnitt der Rohre, vergrößert sich ihre Klebefläche. Damit können einwirkenden Kräfte wie in einem Fachwerk optimal verteilt werden.
Als Anwendungsszenario der Sandwich-Konstruktion ist die Nutzung als Tischplatte vorgesehen. Weitere Anwendungen können der Innenausbau, Messebau oder selbsttragende Leichtbauelemente im Außenbereich gefunden werden.
An der Entwicklung beteiligte sich das Materialforschungsinstitut CODEM aus der Picardie mit Sitz in Amiens.

Océane Delain und Béatrice Durandard: Lampe „Aura 02“

Lampe Aura
In der Leuchte der Studentinnen Océane Delain und Béatrice Durandard aus Paris verbindet sich traditionelles Handwerk mit aktueller Technologie. Die auf flexiblen Leiterplatten untergebrachten LEDs werden mit in das Korbgeflecht eingewebt und können am Ende des Lebenszyklus leicht wieder vom Korbmaterial getrennt werden. Gefertigt wird die Pendelleuchte mittels regionaler Ressourcen: aus Rattan aus der Region und gemeinsam mit dem ortsansässigen Handwerk der Korbflechterei, die somit wieder in den Fokus zeitgemäßer Gestaltung rücken.
Gefertigt wurde die Leuchte von Vannerie Candas in Le Boisle und Norami Technologies in Camon.

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