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Design trifft Abenteuer - LAVA modernisieren Jugendherberge Berchtesgaden

Nach einer umfassenden Modernisierung eröffnet im September 2011 das „Haus Untersberg“ auf dem Areal der Jugendherberge Berchtesgaden.

 

Jugendherberge Berchtesgaden

Der Auftraggeber des Projekts, der Landesverband Bayern im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH), wollte eine Jugendherberge in einem völlig neuen Design. Es sollte in einem hohen Maße sowohl die geänderten Nutzungsbedürfnisse der jungen Gäste und Familien berücksichtigen als auch die Möglichkeiten der vorhandenen Bausubstanz ausschöpfen. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit, insbesondere energetischer Einsparpotenziale, sollte die Jugendherberge ein neues Erscheinungsbild erhalten und attraktiver werden.

Das Sanierungskonzept von LAVA – Laboratory for Visionary Architecture – bricht überalterte Nutzungseinheiten auf, um zukünftigen Ansprüchen gerecht werden zu können. So fügen sich vorhandene Strukturen, flexible Raumeinheiten und Lounge-Bereiche zu einem völlig neuen, offenen Erscheinungsbild.

Das Haus für Familien – „Haus Untersberg“ – ist das erste Gebäude auf dem Areal, das nun zukunftsweisend umgebaut wurde, während in den anderen Gebäuden der Herbergsbetrieb weiterlief: Das Zimmer als Hauptprodukt eines Beherbergungsbetriebs ist Ausgangspunkt der architektonischen Gestaltung. Die Idee der Schichtung und Durchdringung von Nutzungsbereichen wurde im „Haus Untersberg“ aufgenommen und als Revitalisierung in die vorhandene Bausubstanz adaptiert. Altes und Neues ergänzen sich und verleihen einander durch Kontraste Bedeutung.

Das Raumangebot erhält bestimmte Funktionen, gleichzeitig entsteht durch die Kontinuität der Elemente eine gestalterische Großzügigkeit. Stapelbetten sind Vergangenheit. Schlaf-Cocoons in Nischen bilden eigene Raumzonen. Die oberen Betten können hochgeklappt werden, um eine Sitznische oder ein großzügiges Bett zu schaffen.

Jedes Zimmer verfügt über Dusche und WC, deren Anordnung je nach Zimmertyp variiert. So ist die Nutzung als Einzelzimmer, Doppelzimmer, Mehrbettzimmer bis zur Suite möglich. Die Waschtische sind in den größeren Zimmern innerhalb der Möbelzone offen positioniert. Auch hebt sich die Interpretation der Einbaumöbel in der Fassade, in Form von auskragenden Kuben als „Think and Relax Box“, deutlich von der bewahrten Holzverschalung ab.

Dieses Aufbrechen der alten Struktur, ebenso wie die großflächigen Öffnungen im neuen Fluchttreppenhaus, lassen schon von außen die Veränderungen im Innern des Gebäudes erahnen. Eine Metapher für den Wandel der Jugendherbergen in Bayern zu einem neuen Image.

Die Verwendung von natürlichen und regionalen Materialien und die raffinierte Kombination einfacher Elemente erzeugt eine Atmosphäre, deren Wertigkeit in der Auswahl und Verarbeitung liegt. Für die Region authentisch sind die eingebauten Holzfußböden, deren Gebrauchsspuren die Geschichte mehrerer Gästegenerationen erzählen. Durch die Ausstattung mit individuellen Accessoires wird der regionale Bezug zu Berchtesgaden hergestellt. So erhält jedes Zimmer, jeder Raum, seine besondere Note.

Der Masterplan

Im Oktober 2009 lud der Landesverband Bayern e.V. drei renommierte Architekturbüros zu einem Wettbewerb ein, aus dem LAVA – Laboratory for Visionary Architecture mit Sitz in Stuttgart und Sydney als Gewinner hervorgegangen ist.

Das Team um Prof. Tobias Wallisser, Dr. Alexander Rieck und Chris Bosse ordnet den einzelnen bestehenden Gebäuden und Flächen bestimmte Aktivitätsfelder zu, beispielsweise die Nutzung speziell für/durch Familien oder Gruppen. Aus einer systematischen Bestandsanalyse der Gebäudestruktur erarbeiteten die Architekten unter den Nutzungsvorgaben des Bauherren und der Berücksichtigung zukunftsrelevanter Faktoren ein überzeugendes Konzept.

Der Masterplan zum Ensemble der Jugendherberge Berchtesgaden sieht als weitere Baumaßnahme vor, das bestehende Gebäude im Zentrum der Gesamtanlage abzureißen. Hier soll der neue Kern entstehen, dessen Hauptthemen Kommunikation und Begegnung sind. Die heutige Gesellschaft ist bestimmt durch die Mischung, Überlagerung, Vernetzung von persönlichen Wirkungskreisen in realen und virtuellen Lebensmodellen. Diesem sich im stetigen Wandel befindlichen Prozess gesellschaftlichen Lebens verleiht das neue Konzept von LAVA in der Jugendherberge Berchtesgaden Form und Gestalt. Eine Qualität, die durch die Integration modernster Haus- und Energietechnik zukünftigen Ansprüchen gerecht wird.

Die Architekten schaffen flexibel nutzbare Raumzonen, die in einer für die Jugendherberge bisher unbekannten Formgebung realisiert werden. Weitere Gebäude des bestehenden Ensembles sollen erhalten bleiben und durch eine neue Strukturierung und Gestaltung ins Gesamtkonzept integriert werden. Jedem Haus wird eine eigene Funktion zugeordnet.

Im August 2010 wurde mit den Baumaßnahmen für “Haus Untersberg“ begonnen, während der Gastbetrieb der Jugendherberge weiterlief. Die offizielle Eröffnung des neuen Hauses findet im Oktober statt. In den kommenden Jahren sollen weitere Baumaßnahmen das gesamte Ensemble der Jugendherberge Berchtesgaden neu gestalten.

Die Beteiligten

Bauherr
Deutsches Jugendherbergswerk, Landesverband Bayern e.V., München

Architektur
LAVA (Laboratory for Visionary Architecture) wurde 2007 gegründet.
Die Partner Chris Bosse, Prof. Tobias Wallisser und Dr. Alexander Rieck wurden durch Projekte wie die Planung des Stadtzentrums der CO²-freien Stadt Masdar, den Michael Schumacher Tower in Abu Dhabi und den Future-Hotel-Prototypen in Duisburg bekannt. Derzeit sind eine Universität sowie der Masterplan für die Erweiterung eines neuen Stadtteils in Riad in Planung.

Tobias Wallisser ist Professor für Innovative Bau- und Raumkonzepte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Er war bei UNStudio als assoziierter Architekt für die Planung des Stuttgarter Mercedes-Benz Museums verantwortlich. Chris Bosse entwarf als assoziierter Architekt bei PTW Architects in Sydney die Schwimmhalle der Olympiade in Peking. Das als "Watercube" bekannte Schwimmstadion setzte neue Maßstäbe im Bereich des computer-gestützten Entwerfens. Dr. Alexander Rieck arbeitet seit über zehn Jahren für das Fraunhofer Institut Stuttgart und koordiniert die Architekturaktivitäten verschiedener Institute, u. a. das Forschungsprojekt Fucon.

Projektleitung Jugendherberge Berchtesgaden: Sebastian Schott; Mitarbeit: Sirri El Jundi, Kirk Weisgerber, Stephan Markus Albrecht, Bum Suk Ko, Patrick Lorenz, Christina Pellicier, Nicola Schunter

Ausschreibung/Kosten
Wenzel + Wenzel Architekten, Stuttgart/München

Bauleitung
Schulze Dinter Architekten, 83471 Berchtesgaden

Statik
Zahn Ingenieurgesellschaft mbH, 83301 Traunreut

HLS / ELT
PGT Planungsgruppe Technik, 83209 Prien am Chiemsee

HLS
Ludwig Ingenieurgesellschaft für Technische Gebäudeausrüstung mbH, 83278 Traunstein

Brandschutz
Ingenieurbüro Kade, 82223 Eichenau

SiGeKo
Dipl.- Ing (FH) Baumann; Ingenieurbüro für Bauwesen, 83435 Bad Reichenhall

Gestaltungskonzept Schnitt, © LAVA
Gestaltungskonzept Schnitt, © LAVA
Zonierung Zimmer, © LAVA
Zonierung Zimmer, © LAVA
Gestaltungskonzept, © LAVA
Gestaltungskonzept, © LAVA
Foto: Deutsches Jugendherbergswerk (DJH),
Foto: Deutsches Jugendherbergswerk (DJH), Landesverband Bayern
Deutsches Jugendherbergswerk (DJH),
Foto: Deutsches Jugendherbergswerk (DJH), Landesverband Bayern
Deutsches Jugendherbergswerk (DJH)
Foto: Deutsches Jugendherbergswerk (DJH), Landesverband Bayern
Foto: Deutsches Jugendherbergswerk (DJH)
Foto: Deutsches Jugendherbergswerk (DJH), Landesverband Bayern
Deutsches Jugendherbergswerk (DJH), Landesverband Bayern
Foto: Deutsches Jugendherbergswerk (DJH), Landesverband Bayern
Foto: Deutsches Jugendherbergswerk (DJH), Landesverband Bayern
Foto: Deutsches Jugendherbergswerk (DJH), Landesverband Bayern
Foto: Deutsches Jugendherbergswerk (DJH), Landesverband Bayern
Foto: Deutsches Jugendherbergswerk (DJH), Landesverband Bayern
Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 5/2011

Sanierung, Umnutzung, Ergänzung

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