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Deutsches Gütesiegel mit neuen Nutzungsprofilen

Es begann 2008 mit einem Zertifizierungssystem für Büro-Neubauten. Inzwischen existieren beim Deutschen Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB) bereits acht unterschiedliche Systemvarianten. Zur „Consense“ in Stuttgart wurden im Juni erstmals auch Versionen für Sanierungen und Wohngebäude vorgestellt.

Zu den Nutzungsprofilen, die bereits für Neubauten in Anwendung sind, gehören Büro- und Verwaltungsgebäude, Industrie- und Handelsbauten, Bildungsbauten und Wohngebäude. Nachdem der Schwerpunkt bisher auf Neubauten lag, entwickelt die DGNB nun Schritt für Schritt die Zertifizierungsgrundlagen für Bestandsgebäude. Auf der Consense 2010 wurden nun auch die ersten Zertifikate im Nutzungsprofil „Modernisierung Büro- und Verwaltungsgebäude“ verliehen.

Laut DGNB entsprechen alle neuen Nutzungsprofile durchgängig einer einheitlichen Systematik entsprechen. Dadurch sind Auditoren, Konformitätsprüfer und andere Beteiligte mit dem Zertifizierungsverfahren in den Grundsätzen vertraut. Dies soll den Umfang erforderlicher Weiterbildungen gering halten und den Abwicklungsaufwand in vielen Details reduzieren.

Als Basis der DGNB-Systematik dient ein Kernsystem mit den zentralen Kriterien des nachhaltigen Bauens. Arbeitsgruppen leiten aus diesem Kernsystem ab, wie die Kriterien und Bewertungsgrundlagen eines neuen Nutzungsprofils konkret ausgestaltet werden. Hierzu gehört, die Kriterien für jedes Nutzungsprofil individuell zu gewichten und die Grenz-, Referenz- und Zielwerte individuell zu justieren. Bei Bildungsbauten spielt beispielsweise der akustische Komfort eine größere Rolle als in Industriebauten, und die Anforderungen an die Raumluftqualität sind in Bürogebäuden höher als in Handelsbauten. Mehrfache Qualitätskontrollen und ein umfassender Praxistest machen jedes neue Nutzungsprofil passgenau für das jeweilige Marktsegment.

Die aktuellen Nutzungsprofile im Überblick

Neubau Handelsbauten, Verbrauchermärkte:

Zu diesem Nutzungsprofil zählen Supermärkte und Fachmärkte wie Drogerie- oder Baumärkte. In die Bewertung fließt sowohl die Performance des Gesamtgebäudes als auch die des Ausbaus mit ein. Aufgrund des hohen Energie- und Medienverbrauchs in Handelsbauten liegt hier ein Bewertungsschwerpunkt. Zudem wurde der Aspekt der Familienfreundlichkeit integriert.

Neubau Handelsbauten, Einkaufszentren:

Unter Einkaufszentren werden zentral geplante, großflächige Versorgungseinrichtungen gefasst, in denen Einzelhandels-, Gastronomie- und Dienstleistungsunternehmen räumlich konzentriert sind. Bei der Bewertung von Einkaufszentren werden in erster Linie die Erschließungs-, Versorgungs- und Bewirtschaftungsflächen einschließlich deren Ausbau betrachtet. Nur eingeschränkt berücksichtigt wird hingegen der Ausbau durch die einzelnen Mieter. Die Aspekte Energiebedarf und Familienfreundlichkeit nehmen in diesem Nutzungsprofil ebenfalls eine zentrale Rolle ein.

Neubau Industriebauten, Logistikgebäude:

Logistikgebäude definieren sich als Gebäude, die für die Verteilung, die Zustellung und den Vertrieb von Gütern genutzt werden. Im Unterschied zu anderen Nutzungsprofilen wird bei der Bewertung von Logistikbauten eine verkürzte Nutzungsdauer von 20 Jahren zu Grunde gelegt. Eine höhere Aufmerksamkeit kommt in diesem Nutzungsprofil dem Standort zu. Zudem schlägt sich der Aspekt der Erreichbarkeit für Menschen und Güter in der Bewertung nieder.

Neubau Industriebauten, Produktionsstätten:

Das Nutzungsprofil deckt alle Gebäude ab, in denen aus Rohstoffen oder Vorprodukten etwa durch Arbeitsleistung und Energieeinsatz Wirtschafts- oder Gebrauchsgüter erzeugt werden. Bei der Bewertung des Gebäudes wird ebenfalls eine verkürzte Nutzungsdauer von 20 Jahren zu Grunde gelegt. Ein wichtiges Merkmal bei der DGNB Bewertung von Produktionsstätten ist die getrennte Betrachtung von Arbeits- bzw. Produktionsflächen und Büroarbeitsplätzen.

Neubau Bildungsbauten:

Unter Bildungsbauten fasst die DGNB Kindergärten, Schulen, Weiterbildungseinrichtungen sowie Universitätsgebäude und deren Räume, die hauptsächlich für Seminare, Vorlesungen oder als Klassenzimmer genutzt werden. In die modular aufgebaute Bewertung fließt auch die von Nebennutzungen wie Büros, Küchen, Mensen, Bibliotheken oder Sporträumen ein. Separate Gebäude wie Sporthallen, Bibliotheken oder Kantinen werden dagegen nicht betrachtet. Die Gestaltung von Außenanlagen wird aufgrund ihrer hohen Bedeutung für Nutzer bei der Bewertung berücksichtigt.

Neubau Wohngebäude:


Mit diesem Zertifikat können Wohngebäude mit mehr als sechs Wohneinheiten ausgezeichnet werden. Ein Fokus der Bewertung liegt auf Komfort und Wohlbefinden der Nutzer. Somit schlagen sich Kriterien wie Schallschutz, räumliche Flexibilität und Innenraumhygiene deutlich in der Gewichtung nieder. Niedrige Betriebskosten und der Werterhalt von Wohngebäuden sowie die Qualität der Wohnungen selbst nehmen ebenfalls eine zentrale Rolle in der Bewertung ein.

Neubau Büro- und Verwaltungsgebäude:

Dieses Zertifikat steht für alle Gebäude bereit, die überwiegend für Büro- und Verwaltungstätigkeiten genutzt werden. Außer ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten liegt ein Schwerpunkt der Bewertung auf dem Nutzerkomfort – etwa in akustischer, thermischer und visueller Hinsicht –, der großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und Motivation von Arbeitskräften hat.

Modernisierung Büro- und Verwaltungsgebäude:

Das Nutzungsprofil bezieht sich auf Bestandsgebäude, die überwiegend für Büro- und Verwaltungstätigkeiten genutzt werden und durch relevante Maßnahmen, etwa an der Fassade oder bei der technischen Gebäudeausrüstung, modernisiert wurden. Großen Stellenwert bei der Bewertung hat das Erfassen von Betriebs- und Amortisationskosten, so dass sich das Zertifizierungssystem in besonderem Maße als Optimierungsinstrument für Architekten und Bauherren in der Planungsphase eignet.

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