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Deutsches Projekt-Team mit Holzhochhaus auf Platz 1

Beim internationalen Wettbewerb "E2 – Timber Development Competition: Economy and Ecology" der finnischen Stadt Kouvola gibt es zwei erste Plätze. Einer davon geht an das gemeinsame Konzept „E²volution“ von ARUP, HHS Planer + Architekten, Finnforest Merk und der TU Darmstadt.

E2volution
Lage des Pilotprojekts zwischen Fluss, Wohn-, Industrie- und Mischgebiet (im Uhrzeigersinn sowie angrenzender vierspuriger Straße)

Obwohl der Wald die wichtigste natürliche Ressource Finnlands ist und jährlich fast 60 Million Kubikmeter Holz geschlagen werden, wird für den mehrgeschossigen Hochbau in Finnland fast ausschließlich Beton als Konstruktionsmaterial verwendet. Die Stadt Kouvola, die wirtschaftlich von dem Niedergang der Papierindustrie betroffen ist, hat das Entwicklungspotential erkannt und im Oktober 2010 den internationalen zweistufigen Wettbewerb „E2“ für Planungsteams aus Architekten, Ingenieuren und Unternehmen der Holzbauindustrie ausgeschrieben.

Aufgabe war ein Holzbausystem zu entwickeln, das die gestalterischen und konstruktiven Eigenschaften des Materials nutzt und dabei die ökologischen und ökonomischen Vorteile gegenüber der Massivbauweise demonstriert. Anhand eines Pilotprojektes auf einem Flussgrundstück in Kouvola war die architektonische Vielfalt und Flexibilität des Systems aufzuzeigen.

E2volution

Das deutsche Team entwickelte dazu „E²volution“: Die außergewöhnliche Festigkeit und Formstabilität des von Finnforest aus lokalen Nadelhölzern hergestellten Funierschichtholzes KERTO bildet die Grundlage des Systems. Mit nur drei Typen von großformatigen, vorgefertigten plattenförmigen Tragelementen wird eine große Vielfalt an Typologien und Grundrisssituationen erzeugt. Wand- und Dach- bzw. Deckenelemente bestehen aus Hohlkästen, die werkseitig mit Wärme- bzw. Trittschalldämmung, Anschlussteilen und Bahnen zur Luft- und Wasserdichtigkeit versehen sind. Vervollständigt wird das System durch außenliegende, profilierte Querwände, die die Längsseiten des Gebäudes strukturieren und als Auflager für die frei anordenbare Balkone, Loggien und Wintergärten dienen.

Die ca. 12,5 m langen Wandscheiben eines 7,5 m Moduls können innerhalb eines Tages gestellt werden, am zweiten Tag werden die Decken- und Dachelemente von unten nach oben eingehoben, so dass nach 48 Stunden ein witterungsgeschützter viergeschossiger Rohbau erstellt ist. Bei Gebäudehöhen über 4 Geschosse wird das Modul vertikal gestapelt werden. Die Leistungsfähigkeit des Systems in Bezug auf Energieeffizienz, Komfort und Brandschutz wird durch eine konsequente Schichtung der Ausbauelemente erzielt, die von den tragenden Elementen entkoppelt sind.

Die freie Spannweite der Decke von bis zu 12 m bietet auf den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes bezogen eine außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit. Die Freiheiten in der Anordnung und Reihung der Wandscheiben ermöglichen zusätzlich eine weitgehende Entwurfsflexibilität. Bei dem Pilotprojekt werden kleine Wohnungen für Singles, mittlere Größen aber auch sehr große Wohneinheiten u. a. für generationenübergreifendes Wohnen abgebildet. Eine Addition der Spannweiten lässt darüber hinaus auch gewerbliche Nutzungen zu.

E2volution
Die Perspektive zeigt im Schnitt das Zusammenspiel der drei Grundkomponenten: 1. Deckenelemente bis zu 10 m freispannend, 2. Fassadenelement statisch wirkend, 3. senkrecht zur Fassade stehende statisch wirkende Aussteifungen.
E2volution
Die für den Entwurf charakteristischen, dem finnischen Klima angepassten Balkon orientieren sich stets zu Grünflächen. Hier am Beispiel der sich zu Fluss öffnenden Innenhöfe.

Die landschaftlich reizvolle Lage des Pilotprojekts zwischen Fluss, Wohn-, Industrie- und Mischgebiet sowie die angrenzende vierspurige Straße boten besondere städtebauliche Herausforderungen. Die klare Orientierung aller Wohnungen zum Wasser, eine öffentliche Durchwegung des Quartiers und vor allem die direkt ans Wasser angelagerten öffentlich nutzbaren Bereiche beleben das Quartier und schaffen eine besondere Qualität.

E2volution
Flussseitiger Eindruck des sich zum Fluss öffnenden Pilotprojekts. Die hohe Variabilität des simplen Bausystems wird erkennbar.
E2volution
Verdeutlichung der Lage innerhalb des Stadtgefüges

Das System E²volution ist auf Wachstum ausgelegt. Während der Pilotphase werden nur die großformatigen Haupttragelemente in dem knapp 200 km entfernten Werk in Heniola vorgefertigt. Trotz der etwas höheren Produktionskosten liegen die Bauerstellungskosten aufgrund der verringerten Bauzeit mit ca. 1580?/m² Geschossfläche etwas unter der in Finnland etablierten Stahlbetonbauweise.

Mit der Verbreitung des Systems in Finnland und Skandinavien werden flexible Elemente wie Außenverkleidungen, Fenster und Installationen in den Vorfertigungsprozess eingebunden, wodurch die Kosten um weitere 10 % gesenkt werden können. Dadurch wird die Erschließung des russischen Marktes wirtschaftlich; über das Eisenbahnnetz können neben den Wand- und Deckenbauteilen, Nass- und Küchenzellen von den zusätzlichen Fertigungsstätten auf russischer Seite in den asiatischen Kontinent transportiert werden.

Die Jury war von der Klarheit und Einfachheit der entwickelten Bauweise überzeugt: „E²volution offers many extremeley interesting starting points for the industrialized production of multi-storey timber developments“. Die Gewinner wurden am 15. März in Kouvola offiziell bekannt gegeben. Dabei gab es zwei erste Plätze, einen für das deutsche Projekt-Team, einen für BIG/Kopenhagen.

Das deutsche Projekt-Team bestand aus:

Arup GmbH, Berlin
HHS Planer + Architekten AG, Kassel
Finnforest Merk GmbH, Aichach
ee – Fachgebiet Entwerfen und Energieeffizientes Bauen, TU Darmstadt

E2volution
Trotz der Anwendung eines Bausystems mit wenigen Komponenten kann eine hohe Individualität in der Fassadengestaltung erreicht werden.
E2volution
E2volution
Der Schnitt durch die acht Geschosse zeigt die mit dem

Die Sequenz zeigt die Erstellung des Rohbaus innerhalb von 48 Stunden.

E2volution Rohbau
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