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Die Architektur in der IT-Branche – ein Diskurs zum Status quo

Workstation HP Z1 im All-in-One-Format
Mit der HP Z1 zeigte HP die erste Workstation im »All-in-One-Format« mit einer Bildschirmdiagonale von 27 Zoll (68,6 cm). Das Display lässt sich aufklappen, sodass der Anwender ohne spezielles Werkzeug bequem einzelne Komponenten austauschen oder Upgrades durchführen kann. Die Z1 ist seit ab April 2012 im Handel.

Auf einer Veranstaltung des Compu­terherstellers Hewlett Packard stand ­Stephan Gillich, Director HPC and Workstation EMEA bei Intel, DETAIL Redakteur Tim Westphal Rede und Antwort. Vorgestellt wurde im Frühjahr in Frankfurt die neue HP-Workstation »Z1«, die mit Intel-Technologie ausgestattet ist und durch ihre Leistungsfähigkeit und den hohen Designanspruch auch in den Architekturbüros Einzug halten soll.

DETAIL: Die IT-Branche hat sich vor vielen Jahren das Wort »Architektur« entliehen. Ist es gerechtfertigt, in Bezug auf die ­Computertechnik überhaupt von Architektur zu sprechen?
Stephan Gillich: Ich glaube schon. Wir planen zwar keine Gebäude, aber es geht durchaus um Architektur im übertragenen Sinne – um die Struktur eines Systems. Sie ist es auch, die für mich in diesem Zusammenhang Architektur bedeutet: die Struktur eines Prozessors, eines elektronischen Bauteils. Oder auch die Systemarchitektur eines ganzen Rechners. Es gibt durchaus Parallelen. Ich plane Straßen, auch wenn sich dort keine Autos oder Fußgänger be­wegen, sondern Daten. Ich habe Gebäude, die im Prinzip den Recheneinheiten entsprechen. Wenn Sie überlegen: wie breit darf eine Straße sein, wie schnell darf der Verkehr fließen? Das ist auch nichts anderes als die Frage: Wie breit oder wie schnell ist ein Datenbus?

DETAIL: Ziehen Sie auch im Umkehrschluss Parallelen? Die Rechentechnik wird ja immer schneller und effizienter. Würden Sie hier Vergleiche zur gebauten Architektur ziehen?
Stephan Gillich: Wir arbeiten bei Intel grundsätzlich an der Effizienz, das stimmt schon. Ich glaube aber, dass der wesentliche Unterschied in der Gestaltung – dem Designelement – liegt. Das ist ein sehr emotionales Element, das wir in dieser Form nicht haben. Andererseits müssen Sie als planender Architekt auch überlegen: Ist es effizient, die vorhandene Struktur umzubauen? Design, das betrifft uns in anderer Art und Weise. Nicht bei einem Chipsatz, aber wenn am System selbst gearbeitet und angepasst oder eine Softwarearchitektur entwickelt wird, die eine definierte Oberfläche haben soll – dann wird es emotional. Dann bewegen wir uns in Design und der Architektur.

DETAIL: Wird es einen Zeitpunkt geben, an dem die Rechner nicht mehr zu optimieren sind, das System seine maximale »Performance« hat – quasi »ausentwickelt« ist?
Stephan Gillich: Das ist eine Frage, die uns oft gestellt wird. Lassen Sie es mich mit »Moore´s Law« erklären. Gordon Moore, Mitbegründer von Intel, hat eine Gesetz­mäßigkeit formuliert: dass sich die Zahl der Transistoren in integrierten Schaltkreisen ­ungefähr alle 24 Monate verdoppelt, was sich bisher immer bewahrheitet hat. Doch um auf Ihre Frage zurückzukommen – der Fortschritt in der Fertigung hat es uns stets ermöglicht, immer kleinere Transistoren zu entwickeln, stetig leistungsfähiger zu werden. Ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht abzusehen.

DETAIL: Der Computerexperte Ray Kurzweil erwartet innerhalb der nächsten 30 Jahre, dass die künstliche Intelligenz an die menschliche Intelligenz heranreicht oder diese sogar übertreffen wird. Spielen solche Thesen auch in Ihre Forschung und Entwicklung mit rein?
Stephan Gillich: Die Frage ist sehr weit ­gefasst. Sicher, wir stellen die Technik zur Verfügung, damit simuliert, damit gerechnet werden kann. Aber die Intelligenz steckt auch in den so genannten »Devices« selbst, in den CPU’s, die zunächst nur aus 0/1-Schaltern, sprich: Transistoren bestehen. Diese müssen sinnvoll und intelligent angeordnet sein, damit sie genutzt werden können. Das ist ebenfalls Intelligenz, also wie baut man einen Chip auf, wie macht man ihn am besten nutzbar für eine definierte Anwendung. Künstliche Intelligenz ist ein weiter Begriff. Letztlich besteht sie nur aus Simulationsalgorhythmen, die miteinander verkoppelt sind und dadurch unter Umständen einen Lernprozess vollführen, sich so verbessern können. In solchen Bereichen forschen wir ebenfalls.

DETAIL: Sind die architektennahen Bereiche CAD und AEC auch ein Thema für Intel?
Stephan Gillich: Wir stellen selbst keine Software her für diese Bereiche. Wir arbeiten jedoch eng mit Entwicklern aus dem CAD-Bereich zusammen, um eine Umsetzung in den Anwendungen zu gewährleisten. Und um daraus auch zu lernen: Wie sind solche Applikationen strukturiert? Welche Anforderungen haben sie? Gibt es da neue Entwicklungen? Wir sind durchaus Softwarehersteller, allerdings nicht von Anwendersoftware, sondern für »Tools«, die der Anwender nutzt, um seine Anwendung zu optimieren.

DETAIL: Zum Stichwort »Cloud«: Sieht Intel die Gefahr, dass zukünftig Anwender keine grafikstarken und teuren Workstations mehr kaufen, z.B. um aufwendige Architektur-Renderings rechnen zu lassen, weil Dienstleister die Rechenleistung günstig im Netz anbieten?
Stephan Gillich: Nein, die Gefahr sehen wir nicht. In bestimmten Situationen ist es durchaus sinnvoll viel Rechenleistung z. B. auf mobilen Geräten wie einer mobilen Workstation zu haben. Auf der anderen Seite bedeutet das aber natürlich auch, dass mehr Rechenleistung durch die Vernetzung in der Wolke nötig ist – also auf der Serverseite, dort wo die »Rechenpower« zur Verfügung gestellt wird. Und wir schaffen sowohl die Möglichkeiten für komplexe Anwendungen auf der Serverseite wie auch leistungsfähige Workstations beim Einzelnutzer.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 10/2012

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