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Massivbau, Ziegel, Quartier Fürstenberg-Kiez, Luftaufnahme

Die Bausteine der Hauptstadt: Berliner Projekte in Ziegelbauweise

Wohnen im Kontext der Tuschkastensiedlung von Bruno Taut
Mit der Gartenstadt Falkenberg von 1912 im Berliner Stadtteil Treptow-Köpenick schuf seinerzeit Bruno Taut eine durch ihre markanten Farben geprägte Siedlung. Das Unesco-Weltkulturerbe ist daher auch unter dem Namen Tuschkastensiedlung bekannt. In unmittelbarer Nähe gestaltete das Büro rund um die Berliner Architektin Anne Lampen zwei rechtwinklig angeordnete Neubauten, die die Eingangssituation zur Siedlung darstellen. Diese zitieren durch eine schwarze Putzfassade mit roten Fensterlaibungen die Nachbarbebauung. Die beiden 2017 fertiggestellten Neubauten umfassen insgesamt 18 Wohneinheiten. Auch das Gartenhaus, das durch eine versetzte Anordnung die Struktur von Reihenhäusern anmutet, beherbergt Geschosswohnungen. Der Bauherr, die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892, verfolgte mit dem neu errichteten Quartiersteil auch ein soziales und integratives Wohnkonzept. Die Nähe zu einer Bundesstraße stellte erhöhte Anforderungen an den Schallschutz. Zum Einsatz kamen perlitverfüllte Porotonziegel in der Stärke 42,5 cm.

Bezahlbarerer Wohnraum in monolithischer Bauweise
Ebenfalls Bruno Taut errichtete im Stadtteil Wedding zwischen 1924 und 1930 die Siedlung Schillerpark im Stil der Berliner Moderne. Gegenüber realisierte 2015 das Berliner Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez im Auftrag der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 ein Neubauquartier mit 74 Wohneinheiten und einer Gewerbeeinheit. Der viergeschossige Neubaukomplex nimmt die städtebauliche Situation an der Schwyzer Straße gekonnt auf, umschließt einen begrünten Innenhof und stellt gestalterischen Bezug zum historischen Unesco-Weltkulturerbe her. Eine monolithische Mauerwerkskonstruktion mit dämmstoffverfüllten Porotonziegeln in der Stärke 42,5 kombiniert mit einem Wärmedämmputz sorgen an der Außenschnittstelle für einen U-Wert von 0,20 W/m2K. Die Grundlage für flexibel gestaltbare Grundrisse bildet ein einziges Konstruktionsmodul von 6,5 x 3,75 m.

Sichtmauerwerk für eine Stadtteilbibliothek
Für die Mittelpunktbibliothek Treptow-Köpenick wurde 2009 das denkmalgeschützte Ensemble eines ehemaligen Schulgebäudes um einen Neubau ergänzt. Dieser beherbergt nun den öffentlichen Bereich der Bücherei und präsentiert sich als massiver Ziegelbau. Die Umsetzung erfolgte in Form eines monolithischen Sichtmauerwerks, wobei die tragenden Mauern eine Dicke von 64 cm aufweisen. Das Gebäude kommt fast ohne zusätzliche Wärmedämmung und ganz ohne weitere Verkleidung aus und stellt über das Material eine Verbindung zum heterogenen Bestand der Umgebung her. Das Büro Bruno Fioretti Marquez schuf an den Fassaden zudem eine verspielte Anordnung der Fenster, die den Charakter des Gebäudes zusätzlich unterstreichen. Ein wellenförmiges Dach, das eine besondere Belichtungssituation und ein erhabenes Raumgefühl im Inneren erlaubt, vermittelt zwischen den Gebäudehöhen der angrenzenden Bebauung. Die Bibliotheksbereiche verteilen sich über drei versetzt angeordnete Geschosse, die in Sichtbezug zueinander stehen.

Symbolische Verbindung über das Material
Ebenfalls der massiven Ziegelwand mit Sichtmauerwerk bedient sich das Berliner Büro Kuehn Malvezzi Associates bei seinem Entwurf für das multireligiöse Gotteshaus House of One, das in Berlin-Mitte in den kommenden Jahren entstehen soll. Hier werden eine Synagoge, eine christliche Kirche und eine Moschee in nur einem Gebäude vereint sein, was weltweit bislang einzigartig ist. Das Architekturkonzept sieht unterschiedlich geformte Kuben vor, die aufgrund des einheitlichen Materials ineinander übergehen. Die drei religiösen Bereiche, deren Zugehörigkeit sich auch durch die jeweiligen Grundrissformen erahnen lassen, gruppieren sich um einen zentralen Begegnungsraum. Derzeit steht am Petriplatz lediglich eine Musterfassade aus sandfarbenen Backsteinen, die einen Eindruck von Wanddicke und Oberfläche des zukünftigen Sakralbaus vermittelt. Die Finanzierung teilen sich Bund, das Land Berlin sowie private Spender über ein Crowdfunding.

Generationengerechtes Wohnen in Lichtenberg und Marzahn
Auf vier bis fünf Geschosse verteilen sich im Fürstenberg-Kiez in Karlshorst an der Karl-Egon-Straße, Berlin-Lichtenberg insgesamt 78 Wohnungen. Die Wohnungsbaugenossenschaft EVM Berlin ließ hier ein generationengerechtes Konzept umsetzen. Die Planung übernahm das Architektur- und Ingenieurbüro R. Lichtl, das über eine flexible Grundrissstruktur alternative Wohnformen ermöglichte. Die barrierefreien Wohnungen tragen der demografischen Entwicklung Rechnung, zudem sollen Räume für einen Bewohnertreff das soziale Miteinander fördern. Die Tiefgarage des 2015 fertiggestellten Quartiers stellt Parkraum für Autos und Fahrräder sowie Ladestationen für Elektrofahrzeuge zur Verfügung. Eine Abwasser-Wärmepumpe versorgt den Neubau bis hin zu benachbarten Bestandsgebäuden mit Energie. Die Umsetzung erfolgte mit verfüllten Ziegeln in einer Stärke von 42,5 cm. Die gleiche Konstruktionsart kam in einem Neubauquartier in der Lion-Feuchtwanger-Straße in Berlin-Marzahn zum Einsatz, lediglich im Erdgeschoss um Stahlbeton mit WDVS ergänzt. Insgesamt 334 Wohnungen umfassen vier L-förmige Riegel, die im Auftrag der Gesobau und nach Plänen der Arge Arnold und Gladisch Architekten / DMSW Architekten 2020 fertiggestellt werden. 162 geförderte Wohnungen mit einem Mietpreis von 6,50 / m2 gehören zum Neubauprojekt, das einen Fokus auf seniorengerechtes Wohnen setzt.

Mehrgeschossiges Wohnen am Wasser
Industriebrachen und Konversionsflächen stellen auch in Berlin neues Bauland zur Verfügung. Uferlandschaften sind dabei ein potenziell reizvoller Kontext für neu errichtete Quartiere. Am Ufer der Dahme lässt der Bauherr Buwog Group auf einem 100.000 m2 großen Areal verschiedene Gebäudeensemble zum sogenannten Ankerviertel zusammenwachsen. Über 800 Miet- und Eigentumswohnungen sollen hier zukünftig einer mehrheitlich Köpenicker Bevölkerung zur Verfügung stehen. Vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 86 Wohnungen nach einem Entwurf des Büros Aukett+Heese sind Teil des Vorhabens. Diese werden derzeit monolithisch mit verfüllten Ziegeln errichtet. Die Energieversorgung erfolgt durch ein mit Biogas betriebenes Blockheizkraftwerk
Der gleiche Bauherr plant ein großes Sanierungsprojekt in unmittelbarer Nähe der Havel im Bezirk Spandau. In zwei denkmalgeschützten, ehemaligen Speichergebäuden sollen insgesamt 82 Eigentumswohnungen entstehen. Für die Außenwandkonstruktion sollen 36,5 cm dicke, verfüllte Ziegel sowie an einigen Gebäudeteilen auch Vormauerziegel zum Einsatz kommen. Die Planung obliegt dem Unternehmen GFB Alvarez & Schepers. Eine quartierseigene Kita und Spielplätze, eine Tiefgarage, ein spezielles Wassermanagement und eine bedarfsgerecht geplante Energieversorgung sind laut Bauherr Teil des Konzepts.

www.lebensraum-ziegel.de

Die Auswahl der Projekte erfolgte durch die Initiative Lebensraum Ziegel, zu der sich deutsche Mauerziegel-Hersteller zusammengeschlossen haben. Das gleichnamige Portal stellt laut eigenen Angaben herstellerunabhängige Brancheninformationen für baubeteiligte Akteure und Planer zur Verfügung. Die Projekte wurden im Rahmen einer Reise im Herbst 2019 der Fachpresse vorgestellt.

Die Projekte Gartenstadt Falkenberg und Siedlung Schwyzer Straße am Schillerpark sind ebenfalls erschienen im Beihefter DETAIL Materialprobe: Porotonziegel innerhalb der Fachzeitschrift DETAIL 6.2019.

 

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