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Die Krise als Chance für Architekten

Michael Schumacher, Büro Schneider Schumacher, Portrait
Michael Schumacher (Foto: Leibniz Universität Hannover)

Der Architekt und BDA-Vorsitzende von Hessen Michael Schumacher spricht in einem Interview über den Bilbao-Effekt, die Qualitäten von Architekten und über Chancen, die sich für die Architektenschaft aus der aktuellen Wirtschaftskrise ergeben könnten. DETAIL.de hat Ihnen die Kernpunkte aus dem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zusammengestellt.

Bilbao-Effekt

Michael Schumacher sieht den Bilbao-Effekt differenziert. Er befürwortet das daraus resultierende Bewusstsein über den Stellenwert, den die Architektur für Städte hat. Leider ginge das oft auch in die falsche Richtung, denn jenseits des Vordergründigen sollte es um guten, professionellen Städtebau und um hervorragende Architektur gehen. Dabei muss diese nicht unbedingt auffällig sein. Wenn „Bilbao-Effekt“ allerdings bedeute, dass etwas architektonisch außergewöhnlich Gutes, wie es Frank Gehrys Guggenheim-Museum in Bilbao oder das Columba-Museum von Peter Zumthor in Köln, entsteht, ist Schumacher für mehr „Bilbao“.

Kulissenbauten

Gefragt nach seiner Ansicht zu der neuen Nostalgie im Bauen spricht Schumacher von den daraus entstehenden Konsequenzen. Denn sollte die Öffentlichkeit bei bestimmten Gebäuden eine nostalgische Lösung fordern, müsse man im Sinne der Denkmalpflege darauf bestehen, dass alles so aufgebaut würde, wie es tatsächlich war. Es dürfe kein Kulissenbau betrieben werden. Schumacher bezeichnet diesen als inakzeptabel und als eine Blamage. „Als Architekten, die etwas vom Häuserbauen verstehen, die versuchen, Fragen der Gestaltung und der Nachhaltigkeit klug auszubalancieren“, so der Architekt weiter, “können wir den Menschen nur empfehlen, sich den Herausforderungen unserer Zeit mit zeitgemäßen Mitteln anzunehmen.“

Qualitäten der Architekten

Der BDA-Vorsitzende äußert sich im Gespräch auch zum Vorwurf, den Architekten ginge es nur um ihr Ego. Er sieht die Architekten als Fachleute, vergleichbar mit Ärzten oder Rechtsanwälten, die verpflichtet sind, fachlich begründet zu argumentieren. Dies sei auch beim Gros der Architektenschaft üblich, die sich mit dem jeweiligen Standort befassen und ökologische Aspekte mit in die Überlegungen einbeziehen.

Chance in der Krise

Im Bezug auf die Wirtschaftskrise sieht Schumacher mögliche Chancen, die damit verbunden sein könnten. Möglicherweise ließen sich Teile der Leistungen, die früher ganz selbstverständlich von den Architekten übernommen wurden und zuletzt an Finanzjongleure verlorengingen, wieder zurückgewinnen. Denn im Gegensatz zu vielen Kritikern des Berufsstandes verträten die Architekten nicht eindimensionale, wirtschaftliche Interessen und machten sich auch nicht die Taschen dabei voll, sondern würden hart auf der Basis eines gesamtgesellschaftlichen Wertekanons arbeiten. „Wir planen die Schulen so, dass wir unsere Kinder auch hinschicken wollen, und die Bürogebäude so, dass wir selbst darin arbeiten möchten. Und unsere Kostenschätzungen und Terminpläne sind Werke der Präzision im Vergleich zu dem, was uns die Finanzwelt im Moment vorführt.“

zur Person Michael Schumacher

Michael Schumacher ist als Architekt im eigenen Büro Schneider + Schumacher in Frankfurt am Main tätig. Er wurde 1957 in Krefeld geboren und studierte Architektur in Kaiserslautern, Salzburg und Frankfurt am Main. Vor der Gründung des Büros mit Till Schneider arbeitete er im Büro Braun+Schlockermann in Frankfurt am Main und bei Sir Norman Foster in London. Seit 2004 begleitet er den Posten des hessischen Landesvorsitzenden des Bundes Deutscher Architekten und lehrt seit 2007 als Professor Entwerfen und Konstruieren an der Fakultät für Architektur und Landschaft der Leibniz Universität Hannover.

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