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Aufbahrungshalle in Kematen von Moser und Hager, Foto: Gregor Graf

Die Leichtigkeit des Betons: Aufbahrungshalle in Kematen von Moser und Hager

Kematen an der Krems ist eine 3000-Seelen-Gemeinde rund 30 Kilometer südlich von Linz. Der Friedhof liegt, mehrere Hundert Meter von der romanischen Pfarrkirche entfernt und von dieser über einen Prozessionsweg erreichbar, am nördlichen Ortsrand gleich neben einer Türenfabrik. Die Aufbahrungshalle der Linzer Architekten Moser und Hager hatte daher widersprüchliche Anforderungen zu erfüllen: Sie dient als Eingangsbauwerk für den Friedhof und zugleich als Ort des Abschieds für die Angehörigen der Verstorbenen. Gleichzeitig sollte sie einen Sichtschutz bieten gegen das benachbarte Industriegelände. Der Neubau ersetzt eine kleine, baufällig gewordene Verabschiedungshalle am gleichen Standort und wird von mehreren Gemeinden finanziert und genutzt.

Eine Betonmauer mit Verkleidung aus regionaltypischem Konglomeratgestein fasst Halle und Vorplatz gleichermaßen ein. Darin markiert ein leichter Versatz den Hauptzugang zum Friedhof. Darüber breitet sich das V-förmige Dach des Neubaus, das auf seiner Oberseite einen Gründachaufbau trägt. Sein vorderer Teil wird in eine Betonrinne auf dem Vorplatz entwässert, die die Architekten gemeinsam mit dem Künstler Gerhard Brandl gestaltet haben.

Das Dach ruht lediglich auf sechs schlanken Kreuzstützen aus Stahl sowie zwei Innenwänden aus Beton, die die Halle vom rückwärtigen Nebenraumtrakt abtrennen. In sich stabilisiert wird es von vier großen Querträgern auf der Dachoberseite. Auf diese Weise reichte für die Dachflächen an den Rändern eine Betonstärke von nur 12 cm aus. Die Stahlstützen bestehen aus je zwei auf Abstand geschweißten T-Profilen.

Die Eingangsfassade und die Rückwand der Aufbahrungshalle sind mit rotbraun lasierten Eichenholzpaneelen verkleidet. Diejenigen an der Frontseite lassen sich als große Eingangstore zum Vorplatz hin öffnen. Darüber spenden filigrane, rahmenlose Glasflächen dem Innenraum Licht. An den Längsseiten des Gebäudes reichen sie hinter den Natursteinmauern bis zum Erdboden hinunter, sodass zwischen Massivwand und Glasfassade schmale, kiesbelegte Innenhöfe entstehen. Die körnige Struktur des Konglomeratsteins setzt sich im Innenraum in Form eines geschliffenen Betonfußbodens fort. An den Dachunterseiten aus Sichtbeton hat hingegen eine raue Schalung aus Fichtenbrettern ihre Abdrücke hinterlassen.

Auf eine klassische Beheizung verzichteten die Architekten bei dem Neubau; stattdessen lassen sich die Räume bei Bedarf über eine Wohnraumlüftung temperieren. In den Nebenräumen verhindern elektrische Heizgeräte, sogenannte Frostwächter, dass die Temperaturen im Winter zu tief fallen. Die Wohnraumlüftung sowie die Kühlzelle im Nebenraumtrakt werden von einer Photovoltaikanlage mit Strom versorgt, die von außen unsichtbar zwischen den Dachträgern angebracht ist.

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