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Die optimierte Stadt

Das rasante Wachstum von Metropolen stellt Planer heutzutage vor große Herausforderungen: Die Wohnraumverdichtung führt zu Flächenschwund, der Zuzug von Menschen erfordert neue Infrastrukturen, gleichzeitig nimmt die Beanspruchung des öffentlichen Raums durch Pendlerströme, Warentransporte und parkende Autos zu. Diese, sowie zahlreiche weitere Komponenten reizen die Räume und Infrastrukturen von Städten fast komplett aus, was zu neuen Problemen führt. Dem gegenüber steht das Bestreben von Politik und Planern, Städte möglichst lebenswert zu gestalten. Wie geht man also mit diesen drängenden und vielschichtigen Herausforderungen um? Welche Möglichkeiten gibt es, die Masse der benötigten Informationen zu erfassen und daraus innovative Konzepte für lebenswerte Städte zu kreieren?

Um Stadtprozesse in ihrer Vielschichtigkeit besser verstehen zu können, gründete das Massachusetts Institute of Technology (MIT) 2004 das Senseable Lab, ein interdisziplinäres Labor, das sich weltweit mit Stadtprozessen in Metropolen befasst und mit Hilfe von Datenanalysen kreative Lösungsansätze für entsprechende Herausforderungen bietet. Das Team arbeitet an der Schnittstelle von Mensch, Technologie und Stadt. Die Forschungen variieren in ihrer Größe und Komplexität – der Fokus liegt dabei größtenteils auf der Erhebung von Daten.

Optimierte Datenerhebung
Da sich jede Stadt durch ihre einzigartige Lage, Größe, Geschichte und Kultur definiert, bedarf es eines möglichst individuellen Umgangs mit der Datenerhebung. Das Projekt Urban Sensing versucht Planern einen Richtwert darüber zu geben, wie viele mobile Sensoren notwendig sind, um städtische Gebiete für eine umfangreiche Datenerhebung großflächig abzudecken. Getestet wird die Methode derzeit in Singapur, Chicago, Shanghai, San Francisco, New York City und Wien. Bei diesem Projekt werden Taxis mit Sensoren ausgestattet, die während der Fahrt unterschiedliche Daten sammeln sollen: So lassen sich neben der Luftqualität das Wetter, die Qualität von Straßenbelägen, Verkehrsmuster und viele weitere Werte messen.

Optimierte Flächennutzung auf dem Wasser
Dass Metropolen heutzutage mit einer hohen Verkehrsauslastung zu kämpfen haben, ist eine Thematik, die insbesondere historisch gewachsene Städte betrifft. Im innerstädtischen Bereich von Amsterdam kommt der Verkehr in den schmalen Einbahnstraßen regelmäßig zum Erliegen. Um Straßen zu entlasten, sollen die Grachten reaktiviert werden. Über fünf Jahre forschte das Senseable Lab gemeinsam mit dem Amsterdam Institute fo Advanced Metropolitan Solutions und entwickelte das sogenannte Roboat. Dabei handelt es sich um ein autonom fahrendes Boot, das als multifunktionaler Hub die Infrastruktur in der Amsterdamer Innenstadt verbessern soll. Das Roboat steht als Wassertaxi bzw. -bus zur Verfügung, kann als Pop-Up Marktstand am Kanal Bewohner mit frischen Lebensmitteln direkt vom Wasser aus versorgen und transportiert darüber hinaus Waren und Güter. Dabei lassen sich über 70 % des innerstädtischen Gebiets durch das Roboat abdecken. Gleichzeitig erheben Sensoren Daten über die Wasser- und Luftqualität. Mit dem Einsatz von Roboat könnte Amsterdam künftig eine völlig neue Nutzungsmöglichkeit zur Verfügung stehen, die sowohl die bestehenden städtischen Prozesse entlastet, als auch den öffentlichen Raum in seinen Nutzungsmöglichkeiten ergänzt.

Gesundheitsdaten aus der Kloake
Die stetigen Zuzüge von Menschen in Megacities bringen neue Faktoren mit sich, die zunehmend schwer zu ermitteln sind. Um beispielsweise Informationen über die Gesundheit der Stadtbewohner zu erhalten, schlagen Forscher des Senseable Lab mit dem Projekt Underworlds eine Analyse des Abwassers in Kanalisationen vor. Mit Hilfe von Sensoren lassen sich Viren und Bakterien in ihren unterschiedlichen Varianten ermitteln und damit Rückschlüsse auf das Essverhalten, genetische Anfälligkeiten, Drogenkonsum oder die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung ziehen. Ziel ist es, in Echtzeit Auskunft über Bakterien, Viren und Krankheitsströme zu erhalten, um beispielsweise schnell auf sich ausbreitende Epidemien reagieren zu können.

Wem gehören die Daten?
Das Senseable Lab forschte in den vergangenen 15 Jahren an über 100 Vorhaben, die trotz ihrer Komplexität zeigen, dass es mithilfe der digitalen Mittel keine Hürde mehr ist, eine große Anzahl an Daten zu erheben. Die eigentliche Herausforderung liegt in der anschließenden Auswertung, die einen erheblichen administrativen Aufwand mit sich bringt, da die Daten weiter verarbeitet werden müssen. Vielen Städten fehlen hierfür die nötigen Ressourcen. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Datenhoheit – wo liegt diese? Zwar lässt sich eine Vielzahl der Informationen anonymisieren, doch stehen diesem Punkt die wirtschaftlichen Interessen vieler Unternehmen gegenüber, die Bürger als Datenzapfsäule betrachten. Wenn es gelingt, den Menschen als Maßstab für die Weiterentwicklung von Städten zu sehen, können digitale Methoden ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein, um optimierte, lebenswerte Städte zu kreieren.

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